Entdeckt
jesboyinthebubble_fl
Donnerstag, 18. Februar 2016, 10:00 Uhr

Das Ding mit den Filterbubbles

Bestimmen Algorithmen, was wir lesen?

Egal ob wir auf Google, Facebook oder Instagram surfen. Algorithmen werten jeden Klick aus und schlagen vor, was uns gefällt. Bekommen wir also nur noch einen Teil des Internets zu sehen?

„Hast du schon die heftige Diskussion unter Jakobs Posting zum Thema Flüchtlinge gesehen?“ fragt Lisa ihren Freund Pascal. Pascal kann nur den Kopf schütteln - „Nein.“ Aber warum eigentlich? Beide sind mit Jakob befreundet und scrollen sich gerne durch die Facebook-Meldungen. Wie kann es dann sein, dass Lisa das Posting gesehen hat und Pascal nicht?

Über 100.000 Faktoren bestimmen laut Facebook welche Meldungen wem angezeigt werden. Es reicht zum Beispiel schon, wenn Lisa häufiger mit Jakob geschrieben hat, damit Facebook denkt: Die Diskussion könnte für sie wichtig sein. Pascal und Jakob haben hingegen schon länger Funkstille – also bekommt er den Post nicht angezeigt, weil Facebook die Freundschaft als eingeschlafen abgespeichert hat. Dieses Vorsortieren durch den Facebook-Algorithmus ist bei 800 Freunden in der Liste sinnvoll und notwendig. Allerdings ist diese Vorauswahl auch gefährlich.

Ein sterbendes Eichhörnchen vor deinem Haus kann für dich in diesem Moment wichtiger sein als sterbende Menschen in Afrika-Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Egal welchen Klick wir im Internet machen – jeder davon wird gespeichert. Vor allem große Internetseiten wie Google oder Facebook sind wahre Datensammler. Wozu sie das machen? Sie wollen uns Nutzern immer zielgenauere Ergebnisse liefern, damit wir möglichst schnell das anklicken können, was wir sehen wollen. Google merkt sich dafür nicht nur unseren kompletten Verlauf (gruselig, oder?), sondern auch wie lange wir uns auf welcher Seite aufgehalten haben. Doch genau dadurch bekommen wir hauptsächlich Ergebnisse angezeigt, die uns gefallen und unserer Meinung entsprechen. Denn auch wenn wir nach politischen Themen suchen, behandelt uns Google wie ein Kunde, dem er möglichst das passende Produkt anbieten will.

So passiert es, dass uns vor allem Informationen und Artikel angezeigt werden, die uns in unserer Meinung bestärken. Die Gegenseite kann so leichter ausgeblendet werden. Wir bewegen uns also in einer Filterblase.



Das Phänomen lässt sich besonders bei der aktuellen Flüchtlingsdebatte beobachten. Egal ob pro oder contra – jede Seite bekommt vor allem die Beiträge angezeigt, die sie in ihrer Meinung bestärkt. Einfach weil Google und Co. wissen, dass wir dann häufiger darauf klicken oder die Beiträge eher liken.

Sind Filterblasen gefährlich?

Zunächst einmal erleichtern uns die Algorithmen das Leben im Internet. Denn wenn ich mich nicht für Sport interessiere und Golf bei Google eingebe, will ich eben auch lieber Autoangebote anstatt Golfplätze vorgeschlagen bekommen. Doch gerade bei umstrittenen, politischen Themen sind Filterblasen durchaus gefährlich. Wir beziehen Argumente, um uns eine Meinung zu bilden, immer mehr aus dem Internet. Können wir Argumente der Gegenseite aber nicht mehr sehen, wird es schwer mit einer ausgeglichenen Meinungsbildung.

Das ist aber kein reines Internetphänomen. Als sich unsere Opas früher beim Stammtisch im Wirtshaus trafen, haben sie sich ja auch mit den Leuten getroffen, die die gleichen Interessen und Einstellungen hatten. Sie bewegten sich in ihrem Freundeskreis in einer analogen Filterblase.

Die Filterbubble ist also nur so gefährlich, wie sehr wir uns ihr unhinterfragt hingeben. Eigentlich reicht es schon zu wissen, dass Facebook und Google uns nicht alle Informationen anzeigen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf bewertet jeder von uns die Suchergebnisse anders oder kann gezielter suchen und die Algorithmen ein bisschen in die Irre führen.


Bildquelle: flickr | “the boy in the bubble” von Jes | cc by 2.0