Entdeckt
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Dienstag, 19. April 2016, 17:00 Uhr

Überall Plastik

Ein Spaßverderber Artikel

Gurken werden in Plastik gepackt, sogar Bananen und Orangen werden geschält und noch mal hübsch mit Plastik ummantelt. Es ist ja nicht so als hätten sie schon eine natürliche Verpackung. Ein Selbstversuch von egoFM Linda.

Ein Selbstversuch

collage plastik

Man will es wirklich vermeiden, aber es ist so unglaublich schwer. Unser Alltag mit Plastik.

Man scheitert bereits am Morgen: Käse aus der Packung, Müsli und Joghurt aus der Packung. Abgesehen von der Shampooflasche und der Zahnbürste dreht sich bei der Plastikherausforderung zunächst ein mal viel um Nahrung. Mittagessen nicht selbst mitgebracht, sondern eingekauft und - bereits in der Plastikverpackung - noch mal in eine zusätzliche Tragetüte gesteckt. Kaffee to go dazu. Am Abend der Einkauf: Paprikas verpackt, Gurken verpackt, Äpfel verpackt. Milchprodukte sowieso. Außerdem noch eine Wasserflasche dazu. Und die ist auch noch von San Pellegrino, die zur Marke Nestlé gehören. Nestlé ist die Firma, die Wassernutzungsrechte erkauft und Zugang zu Wasser nur Menschen möglich macht, die es sich leisten können.
Nestle Wasser
Ich bin grandios gescheitert. Samstag ist Wochenmarkt in der Au. Da gehe ich dann mit meinem Jutebeutel hin. Lehne alle Plastiktüten ab, bekomme am Ende doch die eingelegten Oliven in der Plastiktüte und muss zusehen, wie die abgelehnte Tüte nicht einfach wieder weggepackt, sondern weggeschmissen wird.

Wir brauchen Plastik, keine Frage. Aber brauchen wir es in solchen Ausmaßen? Ist der Plastikverbrauch nicht auch - wie die meisten Dinge im Leben - eine Einstellungssache für jeden Einzelnen?

Fakten, Fakten und noch mal Fakten (lame - aber da kommt man halt nicht drum rum)

Über sechs Millionen Tonnen Müll – das meiste Plastik – landet laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) jedes Jahr im Meer. Auf Lastwagen verladen wäre es eine Kolonne mit über 4.000 km Länge – beispielsweise die Distanz von Madrid nach Moskau.

In den Meeren treiben nun mittlerweile auf jedem Quadratkilometer der Wasseroberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlicher Größe (UNEP). Der Großteil des Mülls bleibt unserem Auge allerdings verborgen, da 70% auf den Meeresboden absinken. 

Hierzulande gelangt der meiste Müll über die Fischerei und die kommerzielle Schifffahrt ins offene Meer. Kaputte Fischernetze und oft auch der Müll von Container- oder Passagierschiffen werden sorglos über Bord geworfen. Schon alleine das ist krass, wenn man bedenkt, dass sich Plastik erst nach mehreren Jahrzehnten auflöst. Und eigentlich ist es nicht nur krass. Es ist dumm, verantwortungslos und zeigt, dass irgendwo (und man fragt sich ernsthaft wo) die Moral abhanden gekommen ist. Vielleicht irgendwo zwischen Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit und dem immerwährenden Faktor: Kostenoptimierung.

  

Quelle: Rehab Republic

Lecker Plastik

Wer kurz nachdenkt, versteht, dass Plastik nicht einfach da ist und dann von alleine wieder von der Welt verschwindet. Landet es im Ozean, landet es auch auf unserem Teller. Fast 98% der Biomasse in unseren Weltmeeren besteht aus Plankton, aus winzig kleinen, im Wasser dahintreibenden Pflanzen und Tieren. Auf ein Kilo Plankton kommen momentan sechs Kilo Plastik. Und von Plankton ernähren sich viele Fische. Das heißt, wenn sechs mal mehr Plastik im mehr schwimmt als Plankton, dann ernähren sich Fische definitv auch von einem Plankton-Plastik-Cocktail. Und wir ernähren uns wiederum von Fischen.

Gruselfact: Wenn Plastik sich zersetzt, gibt es verschiedenste Chemikalien frei. Das verändert einerseits den Hormonhaushalt von Meerestieren und kann sogar ihr Erbgut auf lange Sicht verändern. 

Guten Appetit allerseits - super eklig!

Was passiert mit unserem Plastik?

Recyclen ist gut, Verzichten ist besser. Denn wenn Plastik wiederverwertet werden soll, kostet es. Und zwar eine Menge. Plastik und andere Kunststoffe aus Haushalten und Gewerbebetrieben werden nach dem Einsammeln zuerst zu Sortieranlagen gebracht. Die Sortier-Firmen verkaufen den Plastik-Rohstoff dann an Unternehmen, die die Kunststoffe recyceln. Ein Teil geht in Brennstoff-Anlagen, die daraus Strom und Wärme gewinnen können. Nicht verwertbares Rest-Material wandert aber in Müllverbrennungs-Anlagen. Das Verbrennen von Plastik hingegen kostet nicht so viel, schadet aber durch giftige Abgase der Umwelt. Für was werden sich wohl viele Unternehmen entscheiden?

Funfact: Nicht einmal 36% der Plastikverpackungen werden wiederverwendet, d.h. kommen nicht als recycelte Wasserflaschen zurück in die Läden.
 

Um ehrlich zu sein...

Dieser Artikel ist natürlich ein ziemlicher Spaßverderber. Mit Fakten überladen, hauptsächlich langweilig und er liest sich auch noch wie eine Hate-Speech auf die Kunststoffindustrie und diejenigen, die Plastik sorglos verwenden. Und so ist es auch.
Die Frage beim Thema Plastik ist, wie bei den Themen Fair Trade oder Vegetarismus, die immer gleiche: Wie will ich eigentlich leben? Und über was will ich nachdenken? Sau anstrengend diese ganze Nachdenkerei, zugegeben. Aber das macht es ja nicht weniger wichtig.

Die Seite Utopia beschäftigt sich mit allen Facetten der Nachhaltigkeit, Fair Trade, Nahrungs-/ und Putzmitteln und gibt für fast alle Bereiche alltagsnahe Tipps, um es besser zu machen. Wo und wie man super leicht auf Plastik verzichten kann, lest ihr hier >>

Autor: Linda Becker
Bildquelle: Flickr | Plastik? Nein danke! _ Bündnis 90/Die Grünen by cc 2.0