Entdeckt
Robots_Rick_fl
Donnerstag, 14. April 2016, 06:10 Uhr

Ausgezeichneter Firlefanz

Gesucht und erfunden

Mit dem Pineapple Award werden halbrelevante Kuriositäten ausgezeichnet. Dieses Jahr zum Beispiel ein Roboter, der erkennt woher ein Pups kommt. Genauer: wer ihn gemacht hat. Unangenehm!

Es gibt gewisse Regeln, die gelten einfach auf der ganzen Welt und für jede Gesellschaftsschicht. Zum Beispiel, dass fast immer jemand pupsen muss, wenn das Auto oder der Fahrstuhl voll besetzt sind. Auf jeden Fall, wenn gutaussehende Menschen unter den Fahrgästen sind. (Uns passiert das natürlich nie, aber man kennt solche Geschichten ja). Und wenn der Eine von zehn dann nicht zusammenkneift, müssen Neun sich stellvertretend schämen – Frechheit!

Dieses Szenario könnte bald der Vergangenheit angehören. Ein chinesisches Forscherteam hat einen Roboter entwickelt, der den Ursprungsort der Wolke anhand der Luftbewegung und der Partikelverteilung algorithmisch berechnen kann. Dafür wurden die Wissenschaftler mit dem Pineapple Award ausgezeichnet. Ein anderer Preisträger aus dem Jahr 2015 war ein Mathematikstudent der New York University, der berechnet hat, dass man an einem Lolli mit 1cm Durchmesser 1000 mal lecken muss, bis er ganz weg ist.

collage science
Bildquelle: flickr | Rocket von pelandstick | cc by 2.0 // flickr | #rubik von Ricardo Bernardes | cc by 2.0


Bodenständige Pragmatiker könnten da natürlich vorwurfsvoll den Kopf schütteln und sich darüber echauffieren, dass für solchen Humbug überhaupt Forschungsgelder investiert werden und das Ergebnis dann auch noch ausgezeichnet wird. Aber der Pineapple Award ist nur ein Beispiel für eine ganze Reihe an Preisen für Forschungsprojekte am Rande der Seriosität. Der Ig Nobel Prize beispielsweise zeichnet Wissenschaft aus, die Menschen „zum Lachen und dann zum Nachdenken“ bringt. Und dann vielleicht den ein oder anderen sogar dazu bringt, sich plötzlich für naturwissenschaftliche oder technische Themen zu interessieren. Ganz nebenbei parodiert er dabei Wissenschaftler, die mit pseudo-relevanten Forschungsansätzen den Cashflow ankurbeln wollen.

Ist also nicht alles nur Trash. Das Schöne an vielen der Pineapple-Gewinnerprojekten ist, dass sie nur Nebenprodukte von „richtigen“ wissenschaftlichen Forschungen sind. Und dass sie, vielleicht gerade deshalb, oft von Studenten kommen. Die Erkenntnis übers Lolli-Lecken war nämlich tatsächlich eine Begleiterscheinung bei einer insgesamt sehr erkenntnisreichen Studie über Hydromechanik. Und der Schnüffelroboter kann nicht nur den Schuldigen aufspüren und somit streitenden Kindern auf der Rückbank den Wind aus den Segeln nehmen (ha, ha), sondern Lecks in Gasleitungen aufspüren und reparieren. Anstatt in den Fahrstühlen hochklassiger Hotels zu lauern und dort Menschen zum Explodieren zu bringen, wird er also beispielsweise bei Feuerwehreinsätzen eingesetzt. Er rettet also eigentlich hauptberuflich Leben. Und das ist uns ja auch ganz recht so.

Bildquelle: flickr | Robots von Rick | cc by 2.0