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Freitag, 22. April 2016, 17:00 Uhr

Radikal Jung 2016

Das Festival junger Regisseure

Vom 22. bis 30. April findet zum zwölften Mal das Radikal Jung Festival im Münchner Volkstheater statt. Warum ihr dieses Jahr unbedingt dabei sein solltet: es wird nackt, verstörend und sehr, sehr abstrakt.

Deswegen habt ihr auch keine Ausrede à la "Och nö, Theater packt mich nicht so und das ist doch eh immer der gleiche klassische Schmarrn". Radikal Jung bietet jungen Regisseuren eine Plattform, um sich von eben solchen herkömmlichen Theaterschemata zu lösen und völlig frei zu entfalten. Auf die Weise dient das Festival den Regisseuren als eine Art Sprungbrett, wie uns Frederik Mayet vom Volkstheater erklärt:



Einige Regisseure werden bewusst mehrmals eingeladen, um ihre Entwicklung über die Jahre sichtbar zu machen. 2016 feiert zum Beispiel Ersan Mondtag seine dritte Teilnahme am Radikal Jung Festival.



Somit hat das Festival auch eine große Bedeutung für die Theaterszene - nicht nur für die jungen Regisseure und Theaterschaffende, sondern auch für das Publikum, das einen prima Einblick darin bekommt, wie die Zukunft des Theaters aussehen könnte.



Dass es dabei dann auch wilder abgeht, ist klar. So gibt es dieses Jahr sogar zwei Stücke, die einmal FSK16 und ein andermal gar FSK18 sind. Letzteres Stück heißt "J.U.D.I.T.H.", kommt ganz ohne männliche Schauspieler aus und setzt mithilfe von Dildosauriern und singenden Vulvas ein feministisches Statement.
Dies hat uns Nina Demuschewski vom Volkstheater verraten:



J.U.D.I.T.H. ChristiansSchwenk HildesheimCredits Clemens Heidrich
J.U.D.I.T.H. Fotocredit © Clemens Heidrich

Mittels Dildosaurier und singenden Vulvas eine politische Reaktion herbeirufen - hm. Ist das nun so ein Ding vom Theater, mit Schock und Provokation subversive Wirkung zu erzielen? Wir denken dabei nicht nur an "J.U.D.I.T.H.", sondern auch an ein paar Inszenierungen aus dem letzten Jahr, wie etwa Markus&Markus' "Ibsen: Gespenster" und "Die Toten kommen" von den Aktionskünstlern des Zentrums für politische Schönheit. Die Frage haben wir deshalb gleich an Frederik Mayet und Nina Demuschewski vom Volkstheater München weitergegeben.



Bei Radikal Jung fällt einem vor allem auf, dass nicht nur die Regisseure jung und radikal sind, sondern auch das durchschnittliche Publikum. Ist derart unkonventionelles Theater also die einzige Chance, den Geschmack der Jugend zu treffen? Frederik Mayet hat darauf eine Antwort:



Während "J.U.D.I.T.H." also ganz ohne männliche Darsteller auskommt, wird bei der Eröffnungsveranstaltung "Flimmerskotom" gleich ganz auf Schauspieler verzichtet. Die Hauptrolle spielt bei diesem Stück nämlich etwas, das normalerweise gut versteckt und so unauffällig wie möglich sein soll: die Technik. Nun hockt man bei dem Stück aber nicht einfach vor einer leeren Bühne, auf der außer Lichtspiel und brummenden Geräuschen nichts passiert. "Flimmerskotom" von Gregor Glogowski, Alisa Hecke und Benjamin Hoesch erzählt sehr wohl eine Geschichte und wirft so nochmals die Frage auf: "Was ist eigentlich Theater?"

Flimmerskotom III Foto Krafft Angerer
Flimmerskotom. Fotocredits © Krafft Angerer.

Seit 2011 hat es sich Radikal Jung außerdem zum Ziel gesetzt, auch internationale Stücke einzuladen. Dieses Jahr sind beispielsweise "António e Cleópatra" (nach Shakespeare) von Tiago Rodrigues aus Portugal, "Schönheitsabend" von Florentina Holzinger und Vincent Riebeek aus Belgien und "Raging Bull" (nach der Biographie von Jake LaMotta) von Mathieu Létuvé aus Frankreich mit dabei. Jedes der Stücke wird in der Originalsprache aufgeführt, jedoch mit englischen Untertiteln begleitet. Wer jetzt Bedenken hat, dass er deswegen dem Stück nicht mehr folgen kann, kann aufatmen: Das ist einwandfrei möglich, vertraut uns.

04 AntonioECleopatra Foto MagdaBizarro
António e Cléopatra. Fotocredits © Magda Bizzaro

Laut Frederik Mayet sind "António e Cleópatra", "Raging Bull" und "Schönheitsabend" auch die Stücke, die man sich dieses Jahr unbedingt anschauen sollte - ganz ohne Angst vor den Untertiteln, wie er auch noch mal betont.



Bei Radikal Jung ist übrigens auch das Publikum gefragt: Mit einem Ampelsystem kann jeder Zuschauer nach dem Ansehen das Stück bewerten - mit rot, gelb oder grün. Am letzten Abend des Festivals wird der am besten bewertete Regisseur verkündet und mit 2.500 Euro belohnt. Ihr könnt also selbst dabei helfen, die jungen Regisseure noch mehr zu fördern!

Im Anschluss zur Eröffnung am 22. April findet die Radikal Jung Party mit der irren österreichischen Band Karaoke Bash statt. Heißt: Die Band spielt, während ihr zum Mikro greift. Das ist auf jeden Fall für jeden was, der sich mindestens einmal in seinem Leben dachte: "Mensch, ich sollte 'ne Band gründen".
Eine Abschlussveranstaltung hat Radikal Jung auch für euch: Am 30. April könnt ihr mit der Freisinger Band Monday Tramps in den Mai tanzen.



HIER findet ihr das komplette Programm des Festivals und weitere Infos.