Entdeckt
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Dienstag, 19. April 2016, 10:00 Uhr

Wer sein Sparschwein liebt, der schiebt!

Fahrradfahren – How (Not) To

Wie steht es denn so um eure Verkehrstauglichkeit? Hier könnt ihr Wissenslöcher flicken und endlich zum Streberradler werden!

„Bei ausreichendem Zeitpuffer und an besonders großen Kreuzungen würde ich auf jeden Fall an der roten Ampel halten, und wenn ich nachts schon zwischen der Kneipe und dem Fahrradständer größere Umwege einbaue, schiebe ich lieber nach Hause.“ Zwei goldene Faustregeln für viele Fahrradfahrer, die das Gefahrenpotential beim Radeln schon stark senken. Leider gibt es da noch ein paar mehr Dinge zu beachten, und die fallen oft in die Grauzone von „da bin ich mir nur halb sicher, aber dafür doppelt schnell.“

Wer gerne zügig von A nach B kommt, sollte das hier lieber nicht lesen, denn grundsätzlich gilt ja: Wenn man die Frage „warum haben wir sie wohl angehalten?“ richtig beantwortet, bekommt man volle Punktzahl…leider in Flensburg.

Wir sind so ziemlich alle Kriminelle. Das steht schwarz auf weiß im Bußgeldkatalog 2016 – ein Dokument, bei dem Radfahrern die Augen tränen und das Gewissen beißt. Trotzdem ist es wichtig, zu wissen, was man auf zwei Rädern darf und was nicht. Und es ist genau wie beim Autofahren: Wenn man sich mit der StVO gut auskennt, kommt man dadurch sicher nicht schneller an, spart aber oft bitteres Lehrgeld.  Und steigert außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst und alle, die einem so entgegenkommen, die Strecke unbeschadet überleben. Hier also ein dickes Paket an Infos zu den Rechten und Pflichten von Velo-Benutzern.

Grundsätzliches
Die meisten Vergehen werden nach ihrer Schwere kategorisiert: normal – mit Behinderung– mit Gefährdung – mit Sachbeschädigung. Die Bußgelder sind dann ebenfalls in vier verschiedenen Schärfegraden gepfeffert (meistens 15€ - 20€ - 25€ - 30€). Führerscheinentzug – für Auto, aber schlimmstenfalls auch Fahrrad und alle anderen für den Straßenverkehr zugelassenen Fahrzeuge – droht zum Beispiel beim wiederholten Missachten von roten Ampeln, oder wenn ihr ein paar mal zu oft nach ein paar Mass zuviel auf dem Drahtesel vom Biergarten nach Hause schlingert.


Fahrrad fahren – How (Not) To
Los geht’s mit dem Vehikel selbst: bei fehlender Beleuchtung seid ihr mindestens 20€ los, entsprechend der bereits erwähnten Abstufung auch gerne mehr. Übertreiben solltet ihr es aber natürlich auch nicht (Peter Beck, Pessesprecher der Polizei München):



Wenn ihr unterwegs seid, müsst ihr auf jeden Fall beim Rechtsabbiegen aufpassen – etwas, das Radler, die an ihrem Leben hängen, nur zu gut wissen. Allerdings wird auch das Linksabbiegen teuer, wenn ihr dabei den markierten Radweg verlasst und hinter der Ampel über den Gehweg abkürzt. Bußgelder gibt’s auch hier von Level 1 bis 4.

Obwohl man ja besonders gerne aufs Fahrrad springt, wenn es schnell gehen muss, sollte man sich auch hier ans Tempolimit halten. Die Frage ist nur, an welches. Laut Bußgeldkatalog kann einen „unpassende Geschwindigkeit“ 30€ kosten, wenn man durch die Raserei Fußgänger behindert, und wenn am Radl was nicht stimmt, kommt noch ein Bonus von 5€ drauf.

Die Unfallverursachung ist Prada & Gucci der Regelverstöße. Ist ja auch eine ernste Sache! Je nach Grund wird der Unfall verschieden teuer: eine rote Ampel gibt dabei immer einen Punkt in Flensburg. Wenn sie schon länger als eine Sekunde rot war, zahlt ihr 180€, beim Überfahren bei (rotstichigem) Dunkelgelb 120€.

Kommen wir zum Smartphone. Ähnlich wie auf vier Rädern kann auch auf dem Fahrrad die Handyrechnung rapide steigen. Tippt ihr fahrenderweise eine Nachricht, steigt deren Sendegebühr auf 15€, beim Telefonieren ohne Freisprechanlage kostet euch die letzte Minute 25€ und wenn ihr mit eurer Handymukke von den Feuerwehrsirenen ablenkt, müssen 15€ her.

Wenn man bei der Beförderung von Kindern etwas falsch macht, kostet das immer 5€. Zum Beispiel wenn man zu viele Kids in den Anhänger stopft, sie nicht ordnungsgemäß festschnallt oder der Junior über 7 Jahre und damit leider schon zu alt für den Rücksitz oder den Anhänger ist.

Wenn ihr unterwegs auf einen Polizisten trefft (oder fahrt) gilt: anhalten und den Anweisungen folgen, sonst macht das 35€.

Rote Ampeln sind der Jackpot unter den Vergehen. Ein Punkt ist schon mal grundsätzlich dabei, und die zugehörigen Bußgelder gehen bei 60€ los, "wobei es aber auch einige Verstöße gibt, die deutlich teurer sind. Hierzu zählen schwere Rotlichtverstöße", so die Homepage des Bußgeldkataloges 2016. Na, wenn das mal nicht spaßiger klingt, als es ist! Gefährdung, Sachbeschädigung und die Zeit, die die Ampel schon rot ist, treiben die Rechnung hier rapide in die Höhe.

collage bikes
Bildquellen: flickr | Fahradlicht mit Promenadelichter ... von Maarten Takens | cc y 2.0 / flickr | IMG_20141008_111029 von Patrik Tschudin | cc by 2.0 / flickr | o43 von Benjamin Linh VU | cc by 2.0


Wenn ihr diese Dinge alle richtig macht bzw. unterlasst, seid ihr schon mal auf einem guten Weg. Und hoffentlich auch auf dem mit dem weißen Radl auf blauem Hintergrund. Denn es zählt nicht nur, was man tut, sondern auch wo: Beim Thema Straßenbenutzung kostet grundsätzlich alles, was abseits der ausgeschilderten Radwege stattfindet – Fußgängerzonen, Autostraßen, Gehwege. Aber auch auf dem Radweg kann man ordentlich Asche liegenlassen: wenn man nebeneinander fährt oder in die falsche Richtung ...oder freihändig (!).

Apropos Straßenbenutzung: die meisten Fahrradunfälle werden durch wildes Rumgurken verursacht:



Und, seufz, auch das "wie" spielt eine Rolle. Wenn ihr auch in volltrunkenem Zustand noch Meister der Beherrschung und absoluter Herr über eure Sinne seid, dann bringt euch das bestimmt in vielen Lebenssituationen weiter. Auf dem Drahtesel hilft aber alles nix. Da werdet ihr trotzdem ordentlich zu Kasse gebeten. Alkohol und Drogen auf dem Sattel zählen als Straftat und garantieren euch im schlimmsten Fall drei Punkte in Flensburg, eine Geldstrafe, und eine MPU – auch wenn ihr (noch) gar keinen Führerschein habt. Dieses Komplettpaket gibt’s ab 1,6 Promille. Eine Strafanzeige winkt bei 0,3 Promille und auffälligem Fahrstil. Falls ihr erwischt wurdet und seitdem schlaflose Nächte vor dem Bußgeldbescheid verbringt, könnt ihr euch als kleinen Vorgeschmack online die Strafe berechnen lassen.

Das Thema Helm ist das Einzige, bei dem wir selbst nach eigenem Wissen und Gewissen entscheiden dürfen. Kopfgeldjägern fahrt ihr also nicht in die Fänge: Es gibt in Deutschland keine Helmpflicht, auch nicht für Kinder.

Wahrscheinlich könnt ihr mit diesem ganzen Wissen jetzt ebenfalls stolz von euch behaupten: ich bin ein Gefahrenradler! Natürlich würden wir ein Auge zudrücken, wenn ihr mal zwei, drei Meter auf dem menschenleeren Gehweg zurücklegt. An uns soll’s ab jetzt allerdings nicht mehr liegen, wenn ihr vom rechten Fahrradweg abkommt.... gute Fahrt! 

Und hier noch ein Spezialtipp:




Bildquelle: flickr | Bikes von John Tornow | cc by 2.0