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Mittwoch, 18. Mai 2016, 10:55 Uhr

Traurige Clowns

Pixars „Findet Dory“ bringt Kinder zum Lachen…und Fische zum Weinen

Seit „Findet Nemo“ finden sich immer mehr Clownfische hinter Glas in Wohnzimmern, Restaurants und Arztpraxen wieder. Als nächstes könnten die blauen Doktorfische dran sein.

Wenn ihre Anatomie es zuließe, würden sich die Fische des Meeres die Haare raufen. Wenn sie Straßen hätten und es Unterwasserfarben gäbe, würden sie Transparente malen und demonstrieren gehen. Wenn sie sprechen könnten, würden sie Beschwerdeanrufe (oder Notrufe) absetzen, und wenn sie nicht eh schon unter Wasser wären, würden wir ihre Krokodilstränen sehen. Und wären wir selbst Kugelfische, dann würden wir jetzt aufploppen. Wird Zeit, dass wir mal ihr Wort ergreifen.

Viele Kinder und solche, die es bleiben wollen, freuen sich dieser Tage auf den Nachfolger von „Findet Nemo“. Im zweiten Unterwasserabenteuer spielt der blaue Paletten-Doktorfisch Dory die Hauptrolle. „Findet Dory“ heißt der Streifen. Getreu dem Motto: Never change a running system. Na gut, Ideenrecycling hin oder her, aber leider droht sich jetzt auch ein abscheulicher Nebeneffekt des ersten Films zu wiederholen. Damals dachten sich offenbar viele Zuschauer: „Oooooooooh süüüüüüüüüß….will ich auch!“, und schafften sich Clownfische als Haustiere an. Und die haben es eh schon schwer im ihrem täglichen Überlebenskampf gegen den Klimawandel und steigende Wassertemperaturen.

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Bildquellen Collage: flickr | Clownfish trough Filter von aquaist.me | cc by 2.0 / flickr | fish bowl von DeanMcCoy | cc by 2.0 / flickr | Powder Blue Tan von Joi Ito | cc by 2.0

Man kann dem Film nun nicht die Schuld an dieser Ereigniskette geben. Schließlich geht es in „Findet Nemo“ ausschließlich darum, dass der Clownfisch und seine Kumpels wieder zurück in ihren natürlichen Lebensraum wollen. Sich also nur wegen des Films tatsächlich einen der seltenen Fische ins eigene Wohnzimmer zu stellen, ist ungefähr so logisch und intelligent, als würde man nach einer Doku über schlechte Arbeitsbedingungen in Fastfood-Restaurants nur noch Burger essen, weil die in dem Film immer so lecker aussahen. Was allerdings wenigstens nicht auf Kosten so wehrloser und wunderschöner Geschöpfe gehen würde. Aber trotz der fehlenden Logik droht den echten Dorys jetzt vielleicht ein ähnliches Schicksal.

Deshalb ergreifen jetzt Wissenschaftler der Univesität von Queensland das Wort. Mit der Kampagne fishkiss4nemo versuchen sie, das Thema ins Bewusstsein von Fischfreunden und Trickfilmfans zu bringen. Und in das von Talkshow-Host Ellen DeGeneres, die der englischen Dory ihre Stimme leiht und noch dazu eine der einflussreichsten Personen im amerikanischen Fernsehen ist. Dafür versuchen sie, eine Million Fotos von Knutschmundbildern auf Instagram zu sammeln. Zum Schnutenfoto einfach den Hashtag #FISHKISS4NEMO und die Verlinkungen @SAVINGNEMO_ und @THEELLENSHOW, plus drei Freunde taggen und zum Mitmachen animieren. Die fishkiss-Fotos sind definitiv einen Blick wert (obwohl die Kampagne gar nichts mit Enten zu tun hat, mischen sich auch ein paar spektakulär witzige Duckfaces darunter!) und vielleicht lächeln auch bald wieder mehr von den bunten Gesellen zwischen den Korallen durch. Hoffentlich.


Bildquelle Titelbild: flickr | wallpaper_finding_nemo_01_1600 von Niranjan | cc by 2.0