Entdeckt
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Donnerstag, 19. Mai 2016, 07:00 Uhr

Zelten dämlich

Campingbehausungen, die die Welt nicht braucht

Gerade gibt es wieder überall Wurfzelte. Aber Wurfzelte sind doof. Nur...die vermeintlich extracoolen Alternativen leider auch. Ooooder kann man das Wurfzelt vielleicht doch verwenden? Nur eben anders...

Lasst uns die Geburtsstunde dieses Artikels erklären: Derzeit gibt es wieder bei allen möglichen Discountern diese kleinen Wurfzelte. Eigentlich zum Hinwerfen, tatsächlich eher zum Wegwerfen, so die einhellige Meinung in der Redaktion. Aber es muss doch auch ein paar fancy Alternativen geben?

Campen ist ja eine komplizierte Sache. Selbst wer zuhause nicht im größten Luxus schwelgt, stößt beim Zelten schnell an seine Grenzen. Auf was wir bei unserer Suche nach coolen, praktischen, cleveren Alternativen zum (Weg)Wurfzelt stießen, reicht von einer bloßen Verkomplizierung des ganz popeligen Standardzelts über wahnwitzige überteuerte Science-Fiction-Behausungen bis hin zum schieren Blödsinn mit Reißverschluss. Das alles jedoch mit einem nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert. Am Ende haben wir dann doch noch einen echten Alleskönner entdeckt. Dazu später mehr. Kommen wir zunächst zur Kollektion der…

WTF-BEHAUSUNGEN
#1: Zwitterzelt

Was ist es? Ein Zelt zum Anziehen. Allerdings nicht aus dem Regal mit Sommerkleidern im Übergrößenshop. Wenn man es anhat, ist es nämlich eben KEIN Zelt, sondern eine Regenjacke. Und wenn es grade ein Zelt ist, ist es auch noch ein Schlafsack.

Was kann es? Es kann genau zwei Dinge, die in keinerlei Zusammenhang stehen.
Fast so cool wie ein Fahrrad mit eingebauter Softeismaschine. Kann schon sein, dass die Eismaschine beim Fahrradfahren ein bisschen die Sicht stört, und kann schon sein, dass das Eis bei der Fahrt über Stock und Stein zu Suppe zerschüttelt wird, aber hey, mit diesem kombinierten Gerät sind wir endlich für die Situation gewappnet, in der wir mal gleichzeitig von A nach B kommen und Softeis zapfen müssen. Wie oft uns das schon passiert ist… zum Beispiel damals, als, äh…..

Der What-The-Faktor: Naja, seht selbst:



#2: Zelt, Land, Fluss

Was ist es? Ein Wohnkomplex aus bunter Plane für zehn oder auch mehr Menschen – beliebig erweiterbar bis ins Unendliche.

Was kann es? Die Frage ist eher, was kann es nicht? Wir haben noch nie in eine solche Zeltstadt reingeschaut, vermuten aber stark, dass Ampeln, Verkehrspolizisten, Garagenflohmärkte (an manchen, äh, Ausgängen kann man direkt an die offene Heckklappe des Autos anbauen), Straßenkarten, Tourismusangestellte, Kirchturmglocken und ein paar Ersatzkanaldeckel im Lieferumfang inbegriffen sind.

Der What-The-Faktor: Wir befürchten eine Entwicklung wie bei „Inception“. Das Festival könnte ja theoretisch um uns abgebaut oder weggesprengt werden, und wir würden es nicht unbedingt bemerken. Irgendwann würden wir unser eigenes kleines Festival in Neu Zeltland starten, und dann würden da vielleicht wieder Leute mit einem ähnlichen Konstrukt aufkreuzen, und das ganze würde sich praktisch von innen auffressen, das ist uns dann doch zu gruselig, irgendwie.


#3: Der Tropfen

Was ist es? Ein Zelt in Form eines Wassertropfens, das am Baum hängt.

Was kann es? Ähm…also…zumindest kriecht schonmal nicht die Kälte durch den Boden hoch. Außerdem kann es Erfinder anspornen, mal in andere Richtungen zu denken. Man könnte sich zum Beispiel Fragen, warum es nicht schon lange ein Zelt in der Form einer Sanduhr gibt oder eines Origami-Kranichs, oder, oder…

Der What-The-Faktor: Betrifft diesmal nur ein eigentlich irrelevantes Detail, nämlich den Aus- bzw. Eingang. Wo ist der?


#4: „Bikamper“

Was ist es? Ein Zelt, das sich am Fahrradlenker transportieren und aufbauen lässt.

Was kann es? Es ist so eine Art parasitäre Überdachung, die nachts mit dem Fahrrad eine Verbindung eingeht, um dann in perfekter Symbiose damit zusammenzuschmelzen und uns Schutz für die Nacht, sowie dem Fahrradsattel Schutz von Regen zu bescheren.

Der What-The-Faktor: Irgendwie ist die Verbindung zwischen Fahrrad und Zelt fast so bemüht wie ihr Name. Ok cool, man muss keinen Zeltpfahl mehr aufbauen. Uncool, man muss dafür sein Fahrrad auseinandernehmen. Cool wieder, der Sattel bleibt dank des Zelts trocken! Was will man mehr? Wenn man es jetzt noch anziehen könnte…(das Zelt, nicht das Fahrrad…obwohl…)!


#5: Die Kuchenglocke

Was ist es? Durchsichtig. Rund. Ein umgefallenes Goldfischglas?

Was kann es? Anders als im Gewächshaus kann man im Bubbletent durchaus mit Steinen werfen. Ein Gebläse sorgt für permanenten Luftstrom, der die Form stabil hält. Alle anderen Eigenschaften teilt es sich allerdings mit dem Treibhaus: natürlich die gute Aussicht, aber auch die gute Einsicht. Morgens knallt einem die grelle Sonne ins Gesicht, von den Temperaturen wollen wir mal gar nicht sprechen. Aber man kann sicher super eine kleine Ananasplantage drin anbauen!

Der What-The-Faktor: Hm, eigentlich spricht nicht wirklich was gegen dieses Traumteil…auf jeden Fall nicht die 4.000-13.000€, die man je nach Größe und Ausstattung dafür hinlegen kann.

collage bubbleTent
Bildquelle: amazon

Doch wie gesagt, wir haben dann doch noch das perfekte Zelt entdeckt. Deshalb folgt jetzt ein ernst gemeinter Tipp für die nächsten Festivals.

DER ALLESKÖNNER
Was ist es?
Der Allrounder. Der Alleskönner. Es ist… ein Wurfzelt.

Was kann es? Alles! Es kostet nicht viel und ist vielseitig einsetzbar.

Zum Beispiel als Vorratszelt. Einfach alles reinpacken! Je mehr Wurfzelte ihr dabei habt, desto besser die Ordnung. Raviolizelt, Gewürzgurkenzelt, 5-Minuten-Terrine-Zelt, Gummistiefelzelt, Tütensuppenzelt, Bierzelt (da könnt ihr auch die lästige Blaskapelle abstellen)…

Als Stundenzelt für Techtelmechtels und Stelldicheins. Nie wieder Grauen vor der Rückkehr zum Zelt, das man mit Keinen-Kindern-von-Traurigkeit teilt. Falls ihr euch das letzte Geld fürs Festivalticket aus den Rippen schneiden musstet, könnt ihr es ja sogar vermieten. Ein etwas abgelegener Stellplatz, ein bisschen stimmungsvolles Licht, das ein oder andere Gummi in der Tasche an der Innenwand und drauf achten, dass am Eingang immer ein Taxi steht und schon geht ihr mit einem finanziellen Plus vom Festival nach Hause.

Als Ausnüchterungszelt – funktioniert ganz ähnlich wie das Stundenzelt, nur dass ihr es sehr zentral abstellen und die Inneneinrichtung entsprechend anpassen solltet.

Oder auch ganz einfach als Ersatzzelt, das ihr schön eingepackt lasst und dann ganz nonchalant aus dem Ärmel werft, wenn sich euer Zeltgenosse als Schnarchzapfen entpuppt oder eure Erstwohnung schon während des Aufbaus vom ersten Regenguss total durchweicht wird und bis zur Zubettgehzeit nicht trocknet.

Echt mal, diese Wurfzelte bringen es doch irgendwie voll.


Bildquelle Titelbild: flickr | Kaffepause am Strand - Coffee Break von c_plchler | cc by 2.0