Entdeckt
freddy_boredPanda
Dienstag, 24. Mai 2016, 11:00 Uhr

Sag mal, was kannst du eigentlich…nicht?

Die grenzenlose Welt des 3D-Drucks

Schildkröte Freddy freut sich über einen druckfrischen Ersatzpanzer und wir fragen uns: Gibt es irgendwas, das der 3D-Drucker nicht ausspuckt?

Staunen, Ungläubigkeit, schlecht unterdrückte Neugier, und dann kommt irgendwann doch die Frage: „Ist an dir eigentlich alles echt?“ Das könnte Freddy, der Schildkröte, beim nächsten Mal passieren, wenn er in der Reptilienbar seines Vertrauens abhängt. Aber zuzugeben, dass sein Panzer fake ist, das ist wohl sein kleinstes Problem. Er kann ihn mit Stolz tragen, denn er ist der erste Besitzer eines Ersatzkörperteils, das mit einem 3D-Drucker hergestellt wurde. Seine Überlebenschancen standen schlecht, nachdem er den größten Teil seiner Schutzhülle bei einem Brand im brasilianischen Dschungel verloren hatte. Jetzt ist er am Leben – und noch dazu mit einem handgefertigten Designeroutfit.

Nun liegt es in der Natur der Sache (oder in der Sache der Natur), dass der Bedarf an Panzerprothesen für Schildkröten meistens gedeckt ist. Purer Zufall, dass hier die moderne Technologie einspringen konnte, wo die Natur an ihre Grenzen gestoßen wäre. Die Krankenakte von Freddy ist eine Erfolgsgeschichte des 3D-Drucks mit Happy End und ohne Haken. Die perfekte und einzige Lösung, als wäre der 3D-Druck genau dafür erfunden worden. Toll!

Doch die Entwicklung des 3D-Drucks steckt mit den Füßen in 7-Meilen-Stiefeln und die Technik eröffnet buchstäblich alle Möglichkeiten. Sie lässt Gedanken zu Formen werden und stachelt den Einfallsreichtum an. Zu den eher naheliegenden Geschäftsideen gehört zum Beispiel individuell angefertigter Schmuck. In New York liefert eine Firma maßgefertigtes Sexspielzeug. Auch nicht sonderlich überraschend. Schon ausgefallener: Die NASA hat Erfindergeist bewiesen, um mithilfe des 3D-Drucks eine tatsächliche (wenn auch sehr kleine) Marktlücke zu schließen. Die Raumfahrtbehörde hat den Mitarbeitern nämlich eine Runde Pizza spendiert (oder, in diesem Fall, finanziert) –Sorte: Tre Dimensioni; Sauce: Öl mit Tomatenpulver; Belag: undefinierbar, aber proteinhaltig. Der Teig backt von selbst während des Druckvorgangs. Yummi.



Sieht nicht sonderlich appetitlich aus, ist aber in 380.000 km Entfernung von Italien wahrscheinlich noch die beste Wahl. Beim gedruckten Bikini stellt sich schon eher die Frage, ob das Teil dem guten alten Modell aus textilen Zeiten wirklich was voraus hat:



Aber auch das nehmen wir noch hin. Auf dieser Seite des Erdballs lassen Sexspielzeug, Pizzas und Bikinis das Herz (und das Komikzentrum) des High-Tech Nerds höher schlagen. Möglich, aber teuer wäre es, jeden Morgen von einem lebensgroßen Abbild seiner selbst begrüßt zu werden. Sowas wie Madame Toussauds für's Wohnzimmer. Schon ein bisschen seltsam. Endgültig flau im Magen wird uns Normalos dann aber, wenn wir über das Angebot stolpern, uns eine Puppe vom eigenen Kind anfertigen zu lassen. Und zwar BEVOR es geboren wird. „Baby Unborn“ – eine makabere Version der Puppenfamilie „Baby Born“?… UAAAH! Hergestellt werden die Modelle – wie könnte es anders sein – von einer amerikanischen Firma. Auch die Kopien von prominenten Babys erfreuen sich bei „3D Babies“ großer Beliebtheit. Platz 1 in privaten Kinderwiegen ist angeblich North West, der Sprössling von Kim Kardashian und Kanye West.

Können also nacheinander Fotografen, Designer, Bäcker, Ladebesitzer, Ärzte und irgendwann am Ende die Menschheit selbst einpacken? Naja, das wäre dann doch eine etwas überzogen pessimistische Zukunftsvision. Aber mal ehrlich, gibt es irgendwas, was der Zauberkasten nicht drucken kann? Uns ist da nicht so viel eingefallen. Musik wäre ein Beispiel (puh, Arbeitsplatz gesichert!). Und Gerüche. Und, hoffentlich, jemanden oder etwas, das ihn nach seiner Steuerung bedienen kann. Toll! Und…gruselig.


Bildquelle Titelbild: boredpanda | James Gould-Bourn