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Montag, 27. Juni 2016, 08:00 Uhr

Berlin: Free Open Air Workshop

Club Commission & IHK geben Veranstaltern Nachhilfe

Die Berliner um Club Commission und die Industrie- und Handelskammer haben erkannt, dass Platzmangel den sympathisch-halblegalen Flair der Stadt bedroht. Deshalb kurbelt sie jetzt an den Decks, statt an der Wirtschaft.

Wir hätten fast unseren Augen nicht getraut. Die Vorstellung, dass die IHK eigentlich Industrial und Hardcore-Kammer heißt und einen Workshop veranstaltet, in dem wir erfahren, wie wir mit minimalen Geldressourcen und bei minimalen Konsequenzen draußen unter freiem Himmel maximal laut sein dürfen, gefällt uns sehr, sehr gut. Inzwischen sind wir uns sicher, dass die Belegschaft der IHK legendäre Mittagspausenraves in den Kellergewölben unter den Büros veranstaltet, so richtig mit wildem Strobo, dichtem Diskonebel und hämmernden Beats und es deshalb nur eine Frage der Zeit war, bis sie auch ein professionelle Weiterbildungsangebot auf diesem Gebiet aus dem Boden stampfen - in Zusammenarbeit mit der Berliner Clubcommission, die sich seit über 15 Jahren für die Berliner Club-, Festival-, Open Air- und Partyszene  einsetzt fördert.

Jürgen Schepers ist bei der IHK im Bereich Kreativwirtschaft tätig. Er hat für den Workshop seine Kontakte zum Underground spielen lassen und Kooperationen mit der Clubcommission Berlin, dem Berliner Verein Kulturersatz und den europäischen Programmen Enter the Void und Erasmus+ ermöglicht. Ganz offiziell und oberirdisch formuliert Jürgen Schepers das dann so:  

…es ist mir ein Anliegen, gerade auch die Bedürfnisse der Avantgarde/Subkultur zu unterstützen, da diese Berlin geprägt haben und zu dem gemacht haben was sie heute ist: ein "hot spot" für Kreative aus der ganzen Welt.
Also – ganz ohne Scherz: Die Wirtschaft boomt in Berlin. Der Freiraum für umsonst & draußen-Feiern schrumpft. Jetzt gilt es, rechtzeitig einen Bremsklotz – in Form eines Technobretts – vor diese Entwicklung zu werfen, damit nicht dieselben Fehler wie in London, Paris oder New York gemacht werden und Berlin plötzlich zur schnieken und glatten it-Metropole wird.

Dafür gibt’s also am 8. Juli den Free Open Air Workshop 2016. Für 10 Euro kann jeder, der gerne mal ein (unangemeldetes) Open Air auf die Beine stellen will, mitmachen. Im Workshop wird man dann schlau gemacht, welche rechtlichen Regelungen es zu Open Airs gibt, welche Argumente für und gegen solche Veranstaltungen sprechen und wie man sie am besten durchführt. Ganz nebenbei lernt man was über die Geschichte des Technos und der Clubszene in Berlin und kann natürlich mit anderen Veranstaltern Nummern tauschen. Die Sprecher kommen direkt aus den Berliner Clubs, aber auch aus Anwaltskanzleien und sogar direkt aus dem Rathaus.

Das ganze Programm des Workshops findet ihr ►hier und ein Ticket könnt ihr euch ►dort sichern.

Ganz genau erklären lassen haben wir uns das Ganze von Thomas Scheele, dem Projektleiter des Workshops, der nicht nur für Clubcommission tätig ist, sondern auch bei dem EU-Projekt Enter the Void.



Solltet ihr euch noch weiter für dieses Thema interessieren, solltet ihr dem Projekt Enter the Void folgen, das noch bis Ende 2017 läuft.
Dabei gibt's nämlich Hilfestellung und Material, mit dem ihr auch in eurer Stadt - also nicht nur Berlin - für Stadteroberung und Freiraum für Musik argumentieren könnt! Es liegt schließlich auch an euch, die Subkultur der Großstädte zu wahren.


Bildquelle Titelbild: flickr | raveplatz von m.a.r.c. | cc by 2.0