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Montag, 27. Juni 2016, 09:15 Uhr

Krieg – Flucht – Ankunft

Fotoausstellung in Stuttgart

Wie sah und sieht der Alltag geflüchteter Syrer aus? Die Fotoausstellung InterKulturFotoArt zeigt den Blick auf diese Flüchtlinge durch die Linse vier junger Fotografen. Mitten in der Stadt.

Kein altbackenes Museum, keine Museumswärter, die räuspernd darauf aufmerksam machen, dass lautes Diskutieren in einer Fotoausstellung nichts zu suchen hat. Denn diese Ausstellung findet mitten in der Stadt und nicht in irgendwelchen elitären Kulturgemäuern statt.
„Syrien: Krieg – Flucht – Ankunft“ heißt die Ausstellung, die sich auf drei Orte in Stuttgart verteilt. Ein Teil ist im Institut Français am Berliner Platz, ein anderer Teil direkt am Marienplatz und im Café Condesa zu sehen. Die Bilder kommen gewissermaßen zum Betrachter und nicht umgekehrt.

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Fotograf Alex Wunsch gemeinsam mit Produktionsleiterin Petra Weimer am Marienplatz

Insgesamt vier Fotografen haben versucht den syrischen Krieg, die damit verbundene Flucht und die Ankunft in einem neuen Land zu dokumentieren.
Jeremy Saint-Peyre und Laurence Geai kommen aus Frankreich und haben bereits zuvor verschiedene Konflikte als Fotojournalisten festgehalten. Muzaffar Salman stammt aus Syrien und hat dort Fotografie studiert. Als Landsmann kam er dem Krieg besonders nahe. Der vierte im Bunde ist Alex Wunsch. Der Stuttgarter Fotograf hat die hier angekommen Flüchtlinge portraitiert und versucht deren Zukunftspläne zu verstehen.  

Ich habe die Flüchtlinge drei Monate lang begleitet. Klingt erst einmal viel, geht aber unglaublich schnell vorüber.Fotograf Alex Wunsch

Gemeinsam mit Laura Walter, die Texte zu jedem der begleiteten Flüchtlinge verfasste, versuchte Alex die Vergangenheit der Menschen in Syrien und deren Zukunftspläne zu verstehen. Er war erstaunt, wie schnell viele von ihnen die Sprache lernten und versuchten wieder normale Arbeit und somit einen Alltag zu finden. Obwohl sich viele hier wohl fühlen, ist für viele Geflüchtete die Hoffnung noch immer groß, dass sich die Situation in ihrer syrischen Heimat entspannt. Sie wollen gerne wieder zurück und ihr Leben weiterführen, das sie zurückgelassen haben. Ein Leben, das vor dem Krieg alles andere als schlecht war.
Die Bilder sind meist spontan vor Ort entstanden – die Protagonisten wurden also nicht extra in ein Fotostudio eingeladen. Sie sind also in ihrer normalen Umgebung festgehalten worden. Vielleicht ist diese Nähe zum Krieg wie auch zu den Menschen der Schlüssel zur Tiefe dieser Ausstellung.
Bis 31. Juli läuft sie noch an den verschiedenen Orten und ist kostenlos.

Bildquelle: egoFM