Entdeckt
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Donnerstag, 14. Juli 2016, 15:20 Uhr

Gemeinsam ackern

Die ersten Freiluftsupermärkte in München und Wien

Super ist es und ein Markt auch, aber dann hört's auch schon auf mit den Gemeinsamkeiten zwischen dem Freiluftsupermarkt und den Pennys, Nettos und Tengelmanns dieser Welt.

Auf der vordersten grünen Welle tummeln sich jetzt ein paar neue Surfer. Die haben auch gleich ihren Abakus dabei und stellen damit die folgende simple Rechnung an: Was ergibt Urban Gardening plus Markt minus Verpackung? Lösung: Den Freiluftsupermarkt. Oder auch: Urban Ackering.

Frisches Gemüse und frische Luft – super Sache! Und wer hat sich das ausgedacht? Wir haben mit Julia vom Landschaftsarchitekturbüro Bauchplan gesprochen. Das Bauchplan-Team hat die Ausschreibung der Stadt für ein „Zwischennutzungsprogramm“ gewonnen. Das heißt: Auf der Fläche, auf der in zwei Jahren Löcher für die ersten Fundamente des Neubaugebiets Freiham (Wiesentfelser Strasse, in der Nähe des Aussichtsturms) klaffen, wurden jetzt erst mal Löcher für Mangoldsetzlinge und Mutterknollen gebuddelt. Gemeinsam ackern, die Natur genießen, solange sie noch da ist, und etwas später dann: Freisalat für alle!

collage freiluft 1
Bildquellen Collage:
facebook | bauchplan / facebook | bauchplan

Jetzt geht langsam die Erntezeit los. Jeder kann in den gartenartig angelegten und zaunfreien Freiluftsupermarkt kommen und sich Gemüse für den Eigenbedarf selbst ernten. Am Ausgang hängt die Spendenbox, in die man dann reinwirft, was man bereit ist zu geben. Hobbygärtner dürfen auch gerne im Vorbeigehen das ein oder andere Unkräutchen ausrupfen. Natürlich ist auch jeder grüne Daumen bei der Pflanzenpflege gern gesehen. Über facebook oder die Homepage könnt ihr dafür Kontakt aufnehmen.

Zwei Jahre und vier Events sind also von der Stadt vorgesehen und finanziert. Und dann? Die Bauchplaner würden das Konzept natürlich gerne weiterführen – so es denn auf Interesse stößt. Vielleicht holpern bis dahin einige Münchner lieber mit dem Schubkarren übers Feld anstatt mit dem Motorroller übers Pflaster. In dem Fall würde sich die Suche nach einem neuen Anbauplatz lohnen, meint auch Julia:



Nicht nur deshalb ist es natürlich tunlichst zu vermeiden, dass der Satat und die tollen Knollen im Freiluftsupermarkt zu Ladenhütern werden. Also kramt mal in eurem Keller nach einem leeren Kartoffelsack und dann nehmt euch eine Auszeit beim Probieren und Pflücken und frisches, unbehandeltes Gemüse direkt mit nach Hause.



Na also, die erste Einkaufsliste ist schon geschrieben. Und so wird der Freiluftsupermarkt dann hoffentlich vom Pop-Up-Feld zum tief verwurzelten Daueracker.


Bildquelle Titelbild: Freiluftsupermarkt / facebook | bauchplan