Entdeckt
GelbesTelefon_2_tb
Donnerstag, 14. Juli 2016, 12:27 Uhr

I just called to say...

Call for Connection verbindet mit Flüchtlingen

Wer kennt sie noch, die alten Festnetztelefone, mit Hörer, Spiralkabel, Tastenfeld und Stromkabel? In München steht derzeit ein quietschgelbes Exemplar jedem Passanten für einen kurzen Schnack zur Verfügung.

Du rufst dauernd im Hotel an aber die haben keinen Empfang? Du probierst es jetzt schon zum fünften Mal bei den Weight Watchers aber da nimmt keiner ab? Und: „Dich ruft keiner an, weil dich keiner leiden kann, da hilft kein ISDN und kein Vertrag mit Mannesmann, es gibt Millionen Kunden bei der Telekom, jeder hat ein Telefon, doch du hast nix davon…“

Jetzt wird dir geholfen, du armer, einsamer Mensch! Dir und noch einer anderen Person. Einem Menschen, der in einer der Flüchtlingsunterkünfte der Stadt sitzt und sich gerne mal mit dir unterhalten würde! Das Ganze ist ein Projekt zum Thema Arrival Urbanism oder: Wie geht die Stadt mit ankommenden Flüchtlingen um?

collage yellowphone
Bildquelle: yellowphones

Elisabeth, Laura, Marrije und Tomàs studieren Städtebau in München. Im Gegensatz zu Spiderman haben sie ein Netz, genauer gesagt haben sie sogar extra einen Draht gelegt, und zwar zwischen zwei schönen knallgelben Telefonen. Eines davon taucht immer wieder in München auf, zusammen mit einem pinken Sessel, einem stilechten Holztischchen und einem Sonnenschirm. Manchmal klingelt es, und dann darf jeder, der grade vorbeischlendert, rangehen und sich kurz mit dem Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea unterhalten, der den anderen gelben Hörer in der Hand hält. Elisabeth hat uns verraten, was man sich am yellowphone bisher so erzählt hat:



Völlig egal also, was ihr sagt. Einen netten Gruß dalassen, kurz ein Kässpatzen- gegen ein Shawarmarezept austauschen oder sich den letzten Impuls holen, das eingestaubte Englisch mal wieder aufzufrischen, völlig egal. Anders als bei den Weight Watchers: Hauptsache, man nimmt ab!

Natürlich funktioniert das auch andersrum. Mit nur einem Knopfdruck klingelt das yellowphone in einer der Flüchtlingsunterkünfte. Und anders als im Hilton: Die haben dort Empfang! Natürlich haben die vier TU-Telefonisten das gelbe Telefon auch schon selbst ausprobiert. Elisabeth ist dabei, genau wie die Münchner Passanten, vom eingeplanten Überraschungseffekt ein bisschen überrumpelt worden:



Statt der Kommilitonen am anderen Ende der Leitung also Farid, der gerne einem Spaziergänger erzählen wollte, dass er grade aus der Schule gekommen war – also schiebt man eben kurz einen internationalen Plausch ein, bevor man mit der Projektpartnerin das Organisatorische bequatschen kann. Das Experiment geht auf.

Das gelbe Telefon steht heute, am 14.07.2016 von 13.00-19.00 am Gasteig vor dem Haupteingang. Auf der Internetseite yellowphones.org oder auf der Facebookseite erfahrt ihr, wann und wo es in nächster Zeit noch so auftaucht.


Bildquelle Titelbild: yellowphones