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Freitag, 22. Juli 2016, 09:00 Uhr

Wenn normale Lehrer nicht ausreichen

Zusatzlehrer aus Stuttgart

Binomische Formeln, Partizipialkonstruktionen und dann noch kapieren, wie das mit der Schwerkraft ist. Schule kann nerven. Wie gut, dass von Stuttgart aus Hilfslehrer an die Schulen geschickt werden, wenn es klemmt.

Gibt es in Sachen Bildung wirklich für alle die gleichen Chancen? Über die Fairness des deutschen Bildungssystems könnte man lange diskutieren. Teach First Deutschland will nicht lange diskutieren, sondern möchte lieber die Chancen für alle ein bisschen gleicher machen. Die deutschlandweite Initiative vermittelt zusätzliche Lehrer an Schulen und andere Bildungseinrichtungen.
Ihr erklärtes Ziel: Jedes Kind soll die Schule mit einem Abschluss in der Tasche und dem Glauben an den eigenen Erfolg verlassen. Ein großes Ziel.

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Ein sogenannter Fellow im Einsatz.


Dafür schicken sie Hilfslehrer – sogenannte Fellows – an die Schulen. So bekommen Schüler, die ein bisschen mehr Unterstützung brauchen, neben dem normalen Unterricht noch einmal den Stoff verklickert. Ein Hilfslehrer ist dabei meist für eine Jahrgangsstufe zuständig. Um Fellow zu werden, muss man übrigens kein richtiger Lehrer sein. Ein guter Uniabschluss und viel Motivation reichen. Vielleicht kommen die Fellows deswegen so gut bei den Schülern an, weil eben nicht dieses typische Schüler-Lehrer-Verhältnis herrscht.
Sonja hat sogar zwar Lehramt studiert, ist aber trotzdem zu Teach First Deutschland gegangen. Ein Freund hat sie damals während ihres Referendariats auf die Initiative aufmerksam gemacht. Inzwischen ist sie Leiterin des Büros Region Süd in Stuttgart und für alle Fellows in Baden-Württemberg und Hessen zuständig.

Wir verdoppeln uns. Im nächsten Schuljahr gehen wir mit 60 Fellows hier im Süden an die Schulen.Sonja – Büro Süd Teach First Deutschland


Besonders für das kommende Schuljahr hat Sonja noch viel vorzubereiten, denn Teach First Deutschland wächst ordentlich. Woran das liegt? Neben den Zusatzlehrern gibt es auch ein Sprachlehrerprogramm. Und das ist vor allem seit dem Flüchtlingszustrom beliebt. Deswegen verdoppelt sich die Zahl der Fellows im nächsten Schuljahr. Auch hier ist das Ziel, den Schülern die Chance auf eine Ausbildung zu ermöglichen. Dafür wird jeden Tag Deutsch gepaukt.

Finanziert wird die Initiative übrigens komplett durch Spenden. Die Fellows werden hingegen von der Einrichtung bezahlt, an der sie eingesetzt werden – also meistens vom Land.

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Leiterin Sonja im Büro Region Süd in Stuttgart


Der Hilfslehrerjob ist allerdings begrenzt. Maximal zwei Jahre kann man Fellow sein. Danach kommen neue Freiwillige nach. Schon seit 2009 schickt Teach First Deutschland so Fellows an Schulen und versucht, Bildung für alle ein bisschen gerechter zu machen.


LIFT DasStuttgartmagazin mittelNoch mehr über Teach First Deutschland erfahrt ihr in der aktuellen Ausgabe von LIFT – das Stuttgartmagazin.




Bildquelle: Teach First Deuschland / egoFM