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Freitag, 21. Oktober 2016, 00:00 Uhr

Die Postkartenschreiberin

Seltener Job einer Stuttgarterin

Wann schreibt man heute noch Postkarten? Zu Weihnachten vielleicht ein paar an die Verwandtschaft und aus dem Urlaub geht eine an Mami und Papi - das gilt nicht für Sabine. Sie schreibt den ganzen Tag Postkarten und verdient damit sogar ihr Geld.

Eine Freundin beschreibt einen normalen Arbeitstag von Sabine Rieker so:

1. Kaffee kochen

2. Postkarten schreiben
3. Feierabend.

Sabine sagt dazu nur: „Stimmt.“. Und lacht herzlich. Die Stuttgarterin schreibt hauptberuflich Postkarten und kann davon gut leben. Meistens sucht sie sich irgendein Café in der Stadt, in das sie mit all ihren Schreibutensilien zieht und bei einem Cappuccino Botschaften auf die Karten bringt.

Zum Markenzeichen hat sich ihr reichlich verziertes Adressfeld entwickelt. Das sorgt zum Teil aber auch für Probleme. Manche Kunden haben sich nach der zehnten Karte bei ihr gemeldet, dass sie die Nachrichten gar nicht richtig entziffern können, sich aber trotzdem über die Geste freuen, erzählt Sabine. Auch die Post hat manchmal Schwierigkeiten mit den außergewöhnlichen Karten:

Meistens brauchen meine Karten einen Tag länger bis sie ankommen.
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Wer beauftragt eine Postkartenschreiberin?


Dass es manchmal etwas länger dauert, ist ihren Auftraggebern egal. Die Botschaften, die sie von Sabine bekommen, sind ohnehin nicht dringend. Meistens sind es Privatleute, die entweder sich selbst oder anderen lieben Menschen mit einer Überraschung im Briefkasten etwas Gutes tun wollen. Sie schreibt aber auch Karten für Firmen, die sich bei ihren Kunden mit einer persönlichen Botschaft bedanken wollen. Da kann es dann auch mal sein, dass Sabine die Karten komplett selbst gestaltet.

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Wie sieht die perfekte Karte aus?

Sie schreibt die Karten immer von ihrer Person aus und gibt sich in ihren Texten nicht als Enkelin oder Cousine aus. Sabines Meinung nach ist Persönlichkeit sowieso am wichtigsten für eine gute Karte.

Es ist gar nicht so sehr wichtig, was da drin steht, sondern dass sie von Herzen kommt.
Deswegen investiert sie schon mal bis zu 20 Minuten pro Karte. Und wenn sie einmal nicht in Schreiblaune ist, lässt sie den Kugelschreiber auch liegen. Eine gute Karte lässt sich eben nicht erzwingen.

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Bewusst nach Stuttgart gezogen

Inspiration für den Inhalt und die Gestaltung der Karten holt sie sich aus ihrer Umgebung. Auf dem Weg zum nächsten Café hält sie die Augen offen und saugt Ideen auf:

Ich will mir diesen touristischen Blick auf eine Stadt bewahren, um immer wieder Neues zu entdecken.
Sabine ist erst vergangenen Dezember nach Stuttgart gezogen und hat sich damit einen Jugendtraum erfüllt. Seitdem sitzt sie barfüßig in den Cafés der Stadt und schreibt sich von Karte zu Karte.


LIFT DasStuttgartmagazin mittelNoch mehr über die Postkartenschreiberin erfahrt ihr in der aktuellen Ausgabe von LIFT – das Stuttgartmagazin.


Bildquellen: egoFM