Entdeckt
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Sonntag, 23. Oktober 2016, 00:00 Uhr

Zufällig entdeckt

Aus versehen ziemlich genial

Wie der Klimawandel durch eine zufällige Entdeckung besiegt werden könnte und weitere ungeplante Geniestreiche.


Dass das Penicillin eine Zufallsentdeckung war, weiß eigentlich jeder. Dabei gibt es noch viel mehr Sinnvolles, das aus Chaos oder Schlamperei entstanden ist.. Zum Beispiel...

Ein Verfahren, das CO2 zu Ethanol umwandelt

Jetzt haben US-Forscher bei einer Versuchsreihe zufällig eine Möglichkeit entdeckt, mit dem man Kohlenstoffdioxid in Ethanol, einen Treibstoff, umwandeln kann. Mithilfe des entdeckten Verfahrens erreichten die Wissenschaftler bereits eine sehr präzise Ausfallquote von bis zu 65 Prozent. Verunreinigungen seien stark reduziert, der Stoff muss nicht weiter verarbeitet werden und kann sofort eingesetzt werden. Das alles passiert auch noch ohne großen Energieaufwand und ist kostengünstig.

Dabei hatten Adam Rondinone und seine Kollegen nicht mit dieser Entdeckung gerechnet: Die geplante Versuchsreihe zielte zwar auf den Prozess der Umwandlung von CO2 in Brennstoff ab, aber dass gleich der erste Versuch ins Ziel traf, kam dann wohl doch überraschend.

Ewiger Akku

Ein Akku, dessen Leistung nicht nachlässt, nachdem er 5000 Mal geladen wurde. Das klingt eher nach einem Traum, ist es aber nicht: An der University of California, Irvine haben der Chemiker Reginald Penner und dessen Doktorandin Mia Le Thai erst dieses Jahr zufällig entdeckt, wie man Lithium-Ionen-Batterien ewig haltbar machen kann.
Normalerweise übersteht ein Akku dauerhaft wiederholtes Auf- und Entladen nicht ohne Leistungseinbüßungen, das kennen wir auch alle von unseren Handys: Es ist ganz schön nervig, wenn der Akku irgendwann nicht einmal mehr den ganzen Tag übersteht. Nach ca 5000 Ladezyklen ist die Lebenszeit eines normalen Akkus meist ganz abgelaufen, da die hochleitenden Nanodrähte in Batterien extrem zerbrechlich sind und durch Bewegung und den Be- und Entladevorgang auf Dauer kaputt gehen.
Bei der Methode von Penner und Le Thai werden Nanodrähte aus Gold mit Mangan-Dioxid überzogen und das Ganze in ein plexiglasartiges Elektrolyt-Gel eingebettet, was die Resistenz erhöht und sie anscheinend 200.000 bis jetzt getestete Ladezyklen überstehen lässt.
Diese Kombination wurde tatsächlich zufällig gewählt und könnte ein großer technologischer Erfolg für die Zukunft sein. Na dann hoffen wir mal, dass wir da die Akkus unserer Handys nie mehr austauschen müssen.

Post-it

Ja, die nützlichen gelben Klebezettel wurden aus Versehen erfunden. Der US-amerikanische Chemiker Spencer Silvester suchte 1968 eigentlich nach dem stärksten Kleber überhaupt. So richtig ergiebig war seine Suche allerdings nicht. Was er herstellte war zwar ein Kleber, aber lediglich einer, der sich von Oberflächen einwandfrei wieder ablöste. Für ihn also unbrauchbar, schließlich wollte er ja genau das Gegenteil entwickeln. Also wurde das Ganze erst einmal verworfen, bis ein Freund sich vier Jahre später daran erinnerte, als immer wieder die Lesezeichen aus seinen Notenheften beim Kirchenchor fielen. Er bestrich sie mit dem Kleber und siehe da, der Post-it war erfunden.
Die Erfolgsidee Superkleber allerdings war erstmal vom Tisch.

Viagra

Mit dem Wirkstoff Sildenafil hat die Pharmaindustrie wohl eine Goldgrube geöffnet. Was es aber eigentlich werden sollte, war ein Medikament gegen Bluthochdruck - in Testreihen fiel es jedoch kläglich durch. Trotzdem wollten einige Probanden das Testmedikament nach Ende der Studie gar nicht mehr zurückgeben. Kurz darauf brachen sogar Unbekannte in das Labor ein, um an das Wundermittel zu gelangen: Das Medikament führte bei den männlichen Probanden nämlich zu Erektionen.
Auch wenn der ursprünglich gewollte Effekt mit dem Medikament nicht erzielt, wurde, wird das bis heute trotzdem nicht betrauert: 1998 wurde der Wirkstoff auf den Markt gebracht und beglückt mit Sicherheit das Liebesleben vieler Menschen.

LSD

Auch der Schweizer Chemiker Albert Hofmann hatte 1938 eigentlich vor, ein Kreislaufmedikament zu entwickeln. Aus dem Getreidepilz Mutterkorn gewann er Lysergsäurediethylamid – kurz LSD. Die gewünschte Wirkung trat aber nicht ein und beim Test an Tieren stellte er lediglich ein unruhiges Verhalten fest. Also wurde auch das erstmal wieder verworfen.
Als er später nochmal einen Versuch wagte und ein weiteres Mal LSD herstellte, wurde ihm während der Arbeit auf einmal unwohl und schwindelig. Zuhause erlebte er dann den wohl ersten LSD-Trip der Geschichte. Er beschrieb es als einen traumartigen Zustand, der mit einer angeregten Vorstellungskraft einherging. Offensichtlich hatte er etwas von dem hergestellten LSD eingeatmet.
Das verleitete ihn zu einem Selbstversuch, der jedoch in einem Horrortrip endete, weil Hofmann eine Überdosis einnahm und schon sehr geringe Mengen für eine Wirkung ausreichen.
Nichtsdestotrotz wurde LSD danach jahrelang als psychiatrisches Medikament angewendet und erhob sich zur weltbekannten bewusstseinserweiternden Kultdroge der Hippiebewegung.


Bildquelle: flickr | "crane" von nachans | cc by 2.0