Entdeckt
Fat man
Donnerstag, 12. Januar 2017, 00:00 Uhr

Mastercard weiß, wieviel du wiegst

Für alles andere gibt es Schweigepflicht

Sag mir was du kaufst, und ich sag dir, was du wiegst. Oder deiner Airline. So einfach funktioniert ein Patent, das Mastercard 2015 angemeldet hat.

Bereits Hippokrates von Kos hielt es für einen wichtigen Teil in der Behandlung eines Patienten, dessen persönliche Daten nicht einfach weiterzusagen. Auch wenn das entsprechende Dokument nicht direkt auf ihn zurückzuführen ist, verbindet man seinen Namen immer irgendwie mit der ärztlichen Schweigepflicht. Man kann jedenfalls davon ausgehen, dass er es nicht so cool gefunden hätte, wenn Arbeitgeber sich die Krankengeschichte ihrer Mitarbeiter notieren und diese Zettel dann von Dritten aus einem Müllcontainer gefischt (bzw. gephisht) werden (so geschehen bei LIDL) oder digital durchsickern (wie beispielsweise bei der Agentur für Arbeit). Aber heute gilt nun mal: Big Data ist, was man draus macht (und: the bigger, the better).

Daten sammeln kann und tut schließlich jeder. Aber manche stehen am Ende doch nur vor einem Wust an Einsen und Nullen wie der Ochs‘ vorm Berg. Nicht so beim Finanzdienstleister mit den rot-gelben Kreisen. Ein besonders findiger Mitarbeiter hatte nämlich eine clevere Idee, wie man wahre Diamanten aus dem Datenberg klopfen kann. Gold schürfen im Datenfluss.


2015 hat Mastercard ein Patent angemeldet, das Daten aus mit der Kreditkarte getätigten Kaufvorgängen auswertet und weiterleitet – und zwar an Fluggesellschaften. Also: Der schwergewichtige Kunde verrät sich durch die Bestellung von XXXXL-Bademode und wer wiederholt Schuhgröße 52 kauft, kann ja nur ein Spargeltarzan sein. Die Airline möchte das natürlich wissen, um diesen Personen gleich das richtige Sitzplatzangebot zu unterbreiten. In diesem Fall: ein Sitz mit Aufpreis für große oder breite Personen. Die würden das bei den üblicherweise starken Schwankungen von Flugpreisen wahrscheinlich nicht mal bemerken. Die Airline könnte mit diesem Wissen auch vermeiden, dass sich zwei 250kg-Touristen nebeneinanderquetschen müssten. Was bekanntlich ständig passiert. Somit könnte da der Check-In-Prozess maßgeblich abgespeckt werden. Ist doch nur fair!

Je nachdem, wie die Airline die Daten einsetzt, könnte das also entweder einfach nur zu optimalem Sitzkomfort oder aber zu unfairen Preisanpassungen kommen. „Fenster oder Gang?“ – das wäre dann jedenfalls Geschichte, und Hippokrates rotiert in seinem Grab.

collage mastercard
Bildquellen Collage: flickr | Bathroom Scale-001 von Mason Masteka | cc by 2.0 / facebook | Mastercard


Das patentierte System ist übrigens noch nicht in die Praxis umgesetzt worden, aktuell gibt es auch keine Anzeichen dafür. Wer dieses Datenrecycling trotzdem irgendwie doof findet, der denke bitte mal an die Vorteile für uns Verbraucher. Immerhin können auch wir unsere Schlüsse ziehen und die Sache von hinten aufrollen: einfach kurz vor dem Flug noch ein paar überlange Jeans bestellen, und schon ist uns der Platz an der Notausgangstür mit extra Beinfreiheit sicher. Oder andersrum: ein extrakleines T-Shirt erwerben und so auch den extraschlanken Preis abstauben. So haben wir das System überlistet und wieder mal bewiesen, dass wir das Ruder noch in der Hand haben. Wir lachen uns ins Fäustchen und schauen den Flugpreisen dabei zu, wie sie in die Tiefe stürzen, gemütlich im Sessel zurückgelehnt und nasebohrend ...und natürlich mit abgeklebter Webcam.

Bildquelle Titelbild: flickr | Fat man. von MIKI Yoshihito | cc by 2.0