Unbegrenzt Urlaub, weniger Arbeit, Co-Living

Unbegrenzt Urlaub, weniger Arbeit, Co-Living

Alternative Jobkonzepte

Die 40-Stunden-Woche ist der Klassiker. Aber wie wär's mit Alternativen? Co-Living, Fünf-Stunden-Tag, unbegrenzter Urlaub oder ein Bett am Arbeitsplatz? Es gibt auch Firmen, bei denen es genau so abläuft.

Du kennst diesen Moment bestimmt auch. Eigentlich gefällt dir dein Job ziemlich gut, aber den Arbeitsalltag hast du satt, die Routine nervt dich mittlerweile und du fühlst dich gestresst. Damit bist du aber nicht allein, denn es gibt immer mehr Unternehmen, die sich das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter zu Herzen nehmen und ein gutes Stück an ihrer Firmenphilosophie gefeilt haben. Da heißt es dann nicht mehr, dass der Arbeitstag um Punkt neun Uhr beginnt, die Chefetage alles zu sagen hat und der Schreibtisch zum zweiten zu Hause wird. 

Wir haben für euch die etwas anderen Jobkonzepte zusammengesucht.


Mittagsschlaf in chinesischen Büros

China ist ja irgendwie Vorreiter in allem, auch was das Arbeitspensum angeht. Dass in chinesischen Start-Up-Unternehmen Mitarbeiter mehrere Tage am Stück im Büro bleiben, um durchzuarbeiten, ist lang keine Ausnahme mehr. Dafür stellen mittlerweile immer mehr Arbeitgeber Matratzen und Klappbetten zur Verfügung, damit die Mitarbeiter auch irgendwo schlafen können. Bei dem chinesischen Telekom-Riesen Huawei hingegen hat das Schlafen bei der Arbeit einen anderen Hintergrund: der Mittagsschlaf reduziert Stress und macht einen danach leistungsfähiger. Dort geht mittags für 30 bis 60 Minuten das Licht aus und überall wird dort geschlafen. Unter den Tischen liegt eine Matratze, die herausgezogen wird und los geht's  mit dem Power-Nap.

Gehalt und Urlaub selbst bestimmen

Das klingt nach einem Traum, der zu schön um wahr zu sein, ist. Das Berliner Start-up Einhorn Condoms realisiert aber genau das, undzwar mit sehr viel Charme und Witz, wie man auf ihrer Seite nachlesen kann. Sie bieten ihren Mitarbeitern ungewöhnlich viele Freiheiten. Sie dürfen dort über ihr Gehalt und ihre Urlaubstage selbst bestimmen. Nicht nur ihre Kondome - vegan, nachhaltig und fair produziert - sind außergewöhnlich, so auch ihr Arbeitskonzept. Ihr Ansatz setzt vor allem auf Vertrauen. Hat man mit seinen Mitarbeitern einen vertrauensvollen Umgang, ist man wirtschaftlich erfolgreicher.

Doch wie funktioniert das denn genau? Was ist, wenn jemand auf eine Millionen Netto im Jahr besteht... ? Gründer Waldemar Zeiler hat uns die fünf Säulen erklärt, auf denen das Konzept steht.

    1.  Die Idee entstand zusammen. Jeder soll als Mitunternehmer behandelt werden - nicht als Mitarbeiter.
    2. Alle haben ihr Wunsch-Netto-Gehalt aufgeschrieben und erklärt, warum sie so viel verdienen wollen. Die Gründe waren plausibel. Keiner wollte unrealistisch viel.
    3.  In der Praxis würden alle Wunschgehälter zusammengenommen den Gesamtumsatz leider übersteigen. Das heißt konkret, man muss mehr Umsatz erzielen. Somit steigt die Motivation der Mitunternehmer mehr Umsatz zu machen erheblich, denn alle wissen das ja.
    4.  Das Konzept ist ein Experiment. Nach einem Jahr wird betrachtet, wie sich das Konzept ausgewirkt hat und was zu ändern ist.
    5.  Ziel ist es, die Eigeninitiative zu steigern, Hierarchien zu schwächen und auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten.
Ähnlich läuft das übrigens auch bei dem gemeinnützigen Verein Mein Grundeinkommen ab, das regelmäßig bedingungslose Grundeinkommen verlost. Auch hier bestimmt der Mitarbeiter selbst, wie viel er verdienen möchte und wie viel Urlaub er bekommt.

Die flexiblen Büros

Manch einer fühlt sich vielleicht wie bei der "Reise nach Jerusalem", wenn es wieder ans Schriebtischssuchen geht. Gemeint sind Firmen, bei denen ein fester Arbeitspaltz abgeschafft wurde und die Mitarbeiter sich jeden Tag an einen anderen Schreibtisch setzen können. Das alles soll die Kommunikation untereinander verbessern, Cliquenbildung (jaaaa auch noch bei der Arbeit) reduzieren und die Flexibilität steigern. Dieses alternative Arbeitskonzept ist mittlerweile sehr angesagt und wird ziemlich positiv aufgenommen. Also nicht wundern, wenn dein Hab und Gut nicht mehr an Ort und Stelle ist.

Die Co-Living WG

Arbeiten und wohnen in den selben vier Wänden. Eine Business-WG quasi. Es gibt nicht nur Putzpläne, sondern auch Businesspläne. Das Konzept kommt aus den USA und etabliert sich mittlerweile auch in Deutschland. Vor allem in Großstädten vereinigen sich vor allem Start-ups oder Selbstständige zu Co-Livings.

Aber gibt es dann überhaupt noch Grenzen zwischen Privatleben und Berufswelt? Schwierige Frage. Es ist auf jeden Fall ein modernes und innovatives Konzept, das vor allem unter jungen Leuten sehr beliebt ist.

Wie geht es denn in so einer  Business-WG wirklich ab? Wir haben mal bei Nathalie und Michael aus Hamburg gefragt, sie leben nämlich zu fünft in einer Co-Living WG und plaudern ein bisschen aus dem Nähkästchen.

  1.  Co-Living ist eine WG mit Konzept. Selbstständige und Freiberufliche aus verschiedenen Branchenwohnen wohnen dort zusammen. Zwischen Tür und Angel oder beim Frühstück kann man sich dann schon austauschen.
  2.  Die Grenzen zwischen Privatem und Berufsleben sind fließend. Für Leute, die sich in ihrem Job hundertprozent selbstverwirklichen wollen, ist Co-Living eine optimale Lebensform.
  3.  Wer auch ein Co-Living gründen möchte, kann sich gerne bei der Hamburger WG melden. Sie haben eine Menge Erfahrung und können weiterhelfen.

Die Vier-Tage-Woche

Alle Dinge, die man am ersten freien Tag der Woche - dem Samstag- erledigt,  einfach schon am Freitag erledigen? Wäre das nicht grandios?  Das Wochenende wäre so schön. Genau das ist in der amerikanischen Firma Basecamp möglich, denn sie haben die sogenannten "Summer Hours" eingeführt, ein Konzept, in dem alle Mitarbeiter von Mai bis August nur vier statt fünf Tage pro Woche arbeiten. Das bedeutet vier Monate im Jahr wird statt 40 Stunden die Woche, lediglich 32 Stunden gearbeitet. Warum das alles? Die verschienenden "Saisonen" eines Betriebs sollen intelligent genutzt werden. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, weshalb er sich daran gewöhnt, dass der für seine Arbeit fünf Tage Zeit hat. Diese Gewohnheit wird durch dieses Konzept unterbrochen und jeder Einzelne ist gezwungen seine Arbeitsabläufe und seine Effizienz zu hinterfragen. Mit einem Tag weniger in der Woche soll die Selbstverantwortung der Mitarbeiter steigen, es werden trotz weniger Zeit die gleichen Ergebnisse erzielt und zudem profitiert das Unternehmen von der spannenderen Freizeitgestaltung, die sich bei den Mitarbeitern vorallem auf ihre Kreativität in der Firma auswirkt. 

Die Arbeit wird zum unendlichen Urlaub

Nicht zu glauben, aber genau das bekommt man, wenn man zum Beispiel bei Netflix arbeitet. Mitarbeiter aus dem Controlling und dem Finanzwesen werden lediglich gebeten, zu den Quartalsabschlüssen da zu sein. Das war's und das kann man ja wohl einrichten. Die wenigsten Unternehmen geben mehr Urlaub, als rechtlich nötig ist. Netflix setzt auf Eigenverantwortung und Loyalität - scheint sich auszuzahlen. Ein Konzept, das auf jeden Fall die Motivation steigert.



Na, auch Interesse an den alternativen Jobkonzepten bekommen? Wie wäre es denn mit einem bedingungslosen Grundeinkommen wie in Finnland gerade ausprobiert wurde oder das die Berliner von Mein Grundeinkommen auch in Deutschland möglich machen? Kennt ihr neuartige Firmenstrukturen, in denen ihr gerne arbeiten würdet? Oder wie sieht euer Arbeitsalltag so aus? Erzählt es uns gerne via Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

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