Studiticket oder kein Studiticket...

Studiticket oder kein Studiticket...

...das ist hier die Frage

Münchner Studierende könnten in einer Abstimmung diese Woche das Semesterticket komplett absägen und so den Pflichtbeitrag sparen. In anderen Städten kurven Studierende für halb so viel Geld doppelt so weit. Und wie kommt ihr von A nach B?



Das sind der Max und die Lisa, und die haben allen Grund zur Freude. Lisa wohnt direkt an der Münchner Uni und hat damit sowieso schon ein unglaublich großes Los gezogen. Zur Uni geht sie zu Fuß, und wenn sie mal nicht schlafen kann, fährt sie mit ihrem Semesterticket zur Beruhigung einfach die ganze Nacht U-Bahn. In dem Beitrag, den sie wie alle anderen Münchner Studenten jedes Semester zahlt, ist nämlich ein Ticket für die Öffentlichen Verkehrsmittel drin, das wochentags zwischen 18.00 und 06.00 Uhr gilt und an Wochenenden und Feiertagen sogar ganztags.

Aber auch der Max ist guter Dinge: er hat auf den verpflichtenden Eigenanteil noch was draufgelegt und fährt jetzt rund um die Uhr durch das Münchner Netz. Das passt ihm gut in den Kram, denn er weiß die Vorteile eines entlegenen Wohnorts im Grünen zu schätzen und die Erweiterung seines Tickets, die IsarCard Semester, ist für ihn nicht so teuer wie ein normales 6-Monats-Ticket.

Jetzt gibt es allerdings auch Studenten, die sich nicht ganz so sehr freuen wie der Max und die Lisa vom MVG. Zum Beispiel gibt es in Lisas WG eine Mitbewohnerin Lena, die unter der Woche zu Fuß zur Uni geht und jedes Wochenende heimfährt und sich deshalb ärgert, dass sie den Sockelbeitrag fürs Nacht- und Wochenendticket trotzdem zahlen muss. Oder Max‘ Nachbar Moritz, der sich mit Radlfahren fit hält und ebenfalls eigentlich keinen Bedarf am Semesterticket hat, auch nicht an Feiertagen.

Für alle Max/Lisas und Moritz/Lenas geht es in den nächsten Tagen um die Wurst: Der AK Mobilität lässt alle Münchner Studierenden in einer Urabstimmung von Mittwoch, den 02.11.2016 bis Mittwoch, den 09.11.2016 online (genau HIER) darüber entscheiden, ob es das Semesterticket in Zukunft noch geben soll oder nicht. Wenn mindestens 25% aller Stimmberechtigter teilnehmen, wird die Entscheidung gültig gemacht. Falls sie gegen das Semesterticket ausfällt, freuen sich Moritz und Lena – sie sparen dann 65€ pro Semester. Max und Lisa freuen sich dann nicht mehr so sehr, vor allem Max. Er muss dann auf ein Wochen- oder Monatsticket im Ausbildungstarif II zurückgreifen, das je nach Strecke individuell berechnet wird und für ihn entsprechend Teuer wird, weil er so weit außerhalb wohnt.

Also für alle Münchner Studierenden:

Abstimmung HIER,
Facebook-Event mit allen Infos ►HIER.


Und wie kommen die anderen egos von A nach B?
In Nürnberg baut man wie in München auf das Sockelmodell: im Studentenwerksbeitrag von derzeit insgesamt 112 Euro ist ein Basisticket inbegriffen, mit dem Studierende nachts und an Wochenenden / Feiertagen fahren können. Genauso kommt man in Stuttgart von A nach B: unter der Woche zwischen 18.00 und 06.00 Uhr mit dem verpflichtenden Basisticket (gut 40 Euro) und wahlweise ganztägig mit dem Zusatz-StudiTicket.

Egal wie die Abstimmung ausgeht, die Münchner, Nürnberger und Stuttgarter können dieses Mal neidvolle Blicke in die anderen, kleineren egoStädte werfen. In Regensburg ist das rund um die Uhr gültige Semesterticket im vergleichsweise geringen Studentenwerksbeitrag von €138,30 inbegriffen. Noch günstiger kommen die Augsburger weg: gleiches Modell bei nur €102,05 pro Semester, Würzburger zahlen für das gleiche Angebot €104,00.

Aber halt! Bevor sich alle immatrikulierten egos in zwei Lager zusammenrotten und sich gegenseitig in öffentlichen Nahverkehrszügen der Deutschen Bahn verkloppen, sollten sie einen Blick auf andere Modelle in Deutschland werfen.

Heidelberger Uni-egos dürfen mit ihrem Semesterticket im gesamten östlichen VRN-Gebiet (ohne Westpfalz) nach Herzenslust rumgurken. Das ist war etwas teurer als die Stadtgebietstickets der bayrischen egos, deckt aber aber immerhin einen Streifen von Kaiserslautern bis Würzburg ab. Und knüppeldick kommt es dann an den Universitäten in NRW. Der AStA der Uni Köln lässt zum Beispiel verlauten:

Seit dem WS 2008/09 können alle Studierenden der Universität zu Köln in ganz Nordrhein-Westfalen alle Busse, U-, S- und Regionalbahnen frei nutzen (ohne IC, EC und ICE).
MUOOOOOAR! Dagegen fühlen sich die Semestertickets in den egoStädten irgendwie ein bisschen an wie kostenpflichtige Fußfesseln. Aber man kann der Sache auch haufenweise Vorteile abgewinnen: neue Freunde, die man über Bayernticket-Fahrgemeinschaften kennenlernt… oder Fahrradwaden… um nur mal zwei davon zu nennen…

Meinung her!
Ponyreiten, Massagesitz, erste Klasse…gehört ihr zu einer privilegierten, nahverkehrsverwöhnten Studierendengruppe? Oder hat eure Stadt vielleicht gar keine Studentenrabatte zu bieten? Wie kommt ihr von A nach B? Wir wollen’s wissen – schickt uns einfach eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!!


Bildquelle Titelbild: flickr | ubahn von Martin Abegglen | cc by 2.0

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