Der Krypto-Wahnsinn

Der Krypto-Wahnsinn

Wir können nicht alle reich werden

Das größte Casino der Welt in dem auch noch alle zu gewinnen scheinen - also bisher. Warum auf einmal jeder verrückt nach virtuellen Münzen ist.

Was vor knapp zehn Jahren einmal als Spielerei von Informatik-Nerds und Gedankenexperiment politisch Interessierter begann, hat sich mittlerweile seinen Weg in den Mainstream gebahnt. Die Rede ist von der Kryptowährung Bitcoin und all seiner Mitstreiter, Nachahmer und Weiterentwicklungen. Jetzt bitte nicht seufzen, das hier wird nicht eine weitere schnöde Funktionsanleitung: Wir werden nicht versuchen eine Blockchain zu erklären und auch nicht mit Wörtern wie Dezentralität und Proof of Work um uns werfen. Denn man muss nicht zwingend im technischen Detail verstehen, wie dieses neue Geld funktionieren soll, um mitmischen zu können. Dieses Gefühl bekommt man zu mindestens, wenn man sich mal umsieht, wer da denn so alles im Moment monetär mit einsteigt.

Menschen, die zuvor noch weder mit einem großen Interesse für weder Finanzen noch Informatik glänzen, zeigen plötzlich stolz auf ihren Smartphones ihr Portfolio: „Hehe schau dir das an, mein Coin XY hat gestern 45 Prozent nach oben gemacht". 45 Prozent sind tatsächlich recht beeindruckend, die 80 Prozent, die es in der Woche zuvor aber bergab ging sind aber auch nicht von schlechten Eltern.

Nicht mal vor unserer Musikwelt macht diese Bewegung halt. Björks aktuelles Album Utopia ließ sie sich mit Kryptowährungen bezahlen, der Berliner Rapper Kool Savas ist begeisterter Krypto-Fan und Lily Allen ließ neulich verkünden, dass sie heute Milliardärin sein könnte, hätte sie damals das Angebot angenommen, für 200.000 Bitcoins im Jahre 2009 einen Auftritt im Videospiel Second Life zu bestreiten. Hätte, hätte Blockchainkette.



Doch was bewegt die Menschen dazu, echtes, hart verdientes Geld und davon nicht zu wenig in obskure Online Münzen mit so Namen wie DOGE, Dragonchain oder Cannabis Coin zu stecken?

Profit. Ja, bei den meisten ist es der Profit. Vorgeschoben wird dann trotzdem noch gerne die Begeisterung für die neue revolutionierende Technik, aber am Ende geht's um den Gewinn und wenig mehr. Die Geschichten von Menschen, die früh genug dabei waren und mit wenigen Klicks reich wurden gibt es zu Haufe und jetzt möchten viele Menschen diesen Erfolg nachahmen. Es ist aber auch einfach zu verlockend, das Geldverdienen im Schlaf.

Experten nennen dies auch Fomo: Fear of Missing Out, die Angst das nächst große Ding zu verpassen oder auf den Krypto-Kontext umgemünzt: arm zu bleiben, während alle anderen im Sportwagen vorbeirauschen. Fomo kann dazu führen, Argumente nicht mehr rational abzuwägen und sich von Emotionen überwältigen zu lassen, was fix zu einem vorschnellen, unüberlegten Investment führen kann.

Wir wollen diese Spekulation mit Kryptowährungen aber nicht konsequent verurteilen, denn die zu Grunde liegende Technik birgt womöglich tatsächlich ein enormes Potenzial, unser Leben in Zukunft umzukrempeln. Doch wenn auch euch die Kryptomanie gepackt hat, dann befolgt bitte wenigstens folgende einfache Regeln:
Recherchiert genau bevor ihr euch etwas in den virtuellen Einkaufskorb legt. Von den bald über 2.000 Währungen wird nur eine Hand voll wirklich reüssieren und selbst das auch nur vielleicht.

Außerdem sind mittlerweile so viele Betrüger im Game, dass man leicht Opfer eines Scams werden kann. Also: Augen offen halten, Passwörter sicher aufbewahren und den Menschenverstand seine Sache machen lassen. Wir können nicht ALLE reich werden, das ist leider gewiss.

Aber am aller wichtigsten: Investiert nur so viel, wie ihr auch bereit seid zu verlieren - und zwar komplett.


Bildquelle: flickr | "Bitcoin statistic coin ANTANA" von Antana | CC-BY 2.0

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