Haustiere zum Ausleihen

Haustiere zum Ausleihen

...bevor du dir ein eigenes zulegst

Tiere sind toll, Tiere sind fabelhaft. Die Entscheidung, sich ein eigenes zuzulegen jedoch im ein oder anderen Fall etwas voreilig. Erstmal testen, die Devise!

Unser temporärer Adoptivhund: Lale the Wunderhund

Wir haben gerade das extreme Glück, auf einen wundervollen Husky aufpassen zu dürfen: Lale wohnt eigentlich in Finale Ligure (Italien) auf einem ländlichen Grundstück. Der Garten allein ist zwar schon so groß wie drei Fußballfelder, aber noch lange keine Grenze - Meer und Berge sind in Spuckweite und werden täglich zum ausgiebigen Gassigehen genutzt. Weil ihr Frauchen momentan aber einen Workshop in München macht, hängt Lale bei uns in der Redaktion ab. Und wir lieben es. Über alles.
Sie macht uns entspannter, ausgeglichener, sogar liebevoller. Viel Zeit vom Arbeiten klaut sie uns dabei nicht - statt Zigaretten oder extensiven Kaffeepausen gibt's eben Kuschel- oder Spielzeit mit Lale. Es scheint, als wäre der Husky das Allerbeste, was uns nur hätte passieren können. Weil wir uns aber gemeinsam um sie kümmern - und das auch nur für zwei Tage.

Nur Vorteile? Ne.

Während wir mit Lale Zeit verbringen, die wir wirklich durch und durch genießen, wird uns auch bewusst: Das sind jetzt nur zwei Tage, die wir das Hündchen hüten dürfen. Würde es länger gehen, würden wir früher oder später auf Probleme stoßen. Und dabei sind wir ein Kollektiv an Hundeliebhabern, die sich alle nur um ein einziges Tier kümmern müssen - nicht vorzustellen, wie stressig das für eine einzige Person - nicht sein muss, aber - sein kann.
Mit einem Hund trägt man große Verantwortung. So banal das klingt, so irre scheint das für manch einen zu sein, der sich mir nichts dir nichts ein Tier zulegt, ohne vorher begriffen zu haben, dass dabei das eigene Leben ganz schön auf den Kopf gestellt wird. Spontan für einen Monat nach Thailand gehen? Ist nicht. Spontan beim Abendessen mit Freunden entscheiden, dass man jetzt bis morgens um 8 Uhr durchfeiert? Ist nicht. Einfach so umziehen? Klar, finde aber erstmal eine Wohnung, in der der Vermieter Haustiere erlaubt. Den Job wechseln, während man beim Alten noch den Luxus hatte, den Hund einfach mitzubringen? Mh, ne. Absolut keine Selbstverständlichkeit.

Was also tun, bevor man sich ein eigenes Haustier zulegt?

Lies dir erstmal so viel Fachwissen an wie möglich. Oder rede mit anderen Tierhaltern und lass dich über alle Vor- und Nachteile aufklären. Dann musst du deine Finanzen gründlich checken - ein Tier ist nicht billig, beziehungsweise definitiv teurer, als man vorher denken mag. Den eigenen Alltag aufbrechen, denn ab sofort richtet sich alles eher nach dem Tier - du schläfst am Wochenende gerne mal bis in den Mittag? Nun, der Hund halt nicht. Bei Katzen oder Kleintieren wie Meerschweinchen ist das freilich weniger ein Problem. Bei denen gibt's aber dennoch Andere. Urlaub, zum Beispiel. Während ein Hund noch relativ mobil, also problemlos mit dem Auto zu transportieren ist und sich auch relativ schnell an neue Umgebungen gewöhnt, wenn zumindest das Rudel dabei ist, müssen Katzen und Meerschweinchen daheim bleiben. Dafür braucht es dann wiederum verantwortungsbewusste Personen, die regelmäßig bei dir zu Hause vorbeischauen um die Tiere zu füttern. Oder du gibst sie in eine Pension - kostet aber. Und das nicht zu knapp. Zur Hilfe steht dir ansonsten auch der Tierschutzbund - dort gibt's Urlaubsberatungszentren für Tierhalter mit reichlich Kontakten zu möglichen Tiersittern.

Teste doch erstmal das Tierbesitzerdasein - am besten ausgiebig.

Biete zum Beispiel Freunden an, während ihrem Urlaub auf Hund, Katze, Meerschweinchen mal aufzupassen. Dann bekommst du die volle Ladung gleich mal für mehrere Tage. Auch beim örtlichen Tierheim könntest du mal nachfragen, ob Bedarf an ehrenamtlichen Helfern besteht. Geht meistens klar - unter gewissen Bedingungen. Beim Tierschutzverein München beispielsweise musst du erstmal eine Fortbildung im richtigen Umgang mit Hunden machen, bevor du sie an die Leine nehmen und Gassi führen darfst. Außerdem ist dies hauptsächlich nur morgens unter der Woche möglich. Aber gut, es geht ja ums Helfen, nicht um deine Bespaßung.
Zudem gibt's noch Apps, die Hundehalter und Gassigeher miteinander verbindet. Dabei kann man als letzterer sogar Kohle machen - sofern man den Anforderungen der Agentur entspricht und bereits Erfahrung mit Hunden, insbesondere dem Gassigehen in der Stadt, mit sich bringt.

Mit einer dieser Apps, Walkie, haben wir gesprochen und genau nachgefragt, wie das so abläuft...
  • Interview mit Lisa von Walkie
    Die App fürs Gassigehen

Erst wenn du all dies ausprobiert und erledigt hast - dann kannst du dir überlegen, ob ein Haustier, gerade ein Hund, wirklich das richtige für dich ist. Sich darüber bewusst, dass ein Tier eben nicht nur Kuschelspaß und Insta-Fame bedeutet, sind leider nicht alle. Deswegen: Bitte denk vorher nicht nur an dich, sondern überleg dir, was auch das beste für ein anderes Lebewesen wäre. Jährlich werden in Deutschland in den Sommermonaten um die 70.000 Tiere in den Tierheimen neu aufgenommen. Deines soll nicht dazu gehören.

Apropos: Was tun, wenn du ein besitzerloses Tier an einer Autobahnraststätte entdeckst?

Auf jeden Fall nicht einfach mitnehmen. Ruf das Veterinäramt, den Tierschutzverein oder die Polizei. Denn ein Tier auszusetzen ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.

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