Spliff frei seit 93

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Warum ich nicht kiffe

Unser Praktikant hat noch nie gekifft und hat es auch nicht vor. Trotzdem vermisst er nichts. Warum er mit Cannabiskonsum dennoch kein Problem hat, erklärt euch Jan im Folgenden.
Kiffen ist weniger schädlich als Alkohol, auch in den oberen Schichten der Gesellschaft schon lange angekommen und schickt sich dem hippen Lifestyle junger Menschen an. Cannabiskonsum ist entkriminalisiert und steht in Deutschland kurz vor der Legalisierung. Trotzdem verspüre ich weder den Drang noch das Bedürfnis, mir eine Tüte anzuzünden und es mal auszuprobieren. Ich habe noch nie gekifft und habe es auch nicht vor! Warum? Aus persönlicher Überzeugung.

Wer jetzt hinter diesem Blogeintrag einen militanten Gegner von Spliff und Co. vermutet, den muss ich leider enttäuschen. In meinem Umfeld gibt es einige Leute, die Cannabis konsumieren. Die Häufigkeit differiert mitunter stark und reicht von „einmal im Jahr muss das schon sein“ bis „eigentlich kiff ich fast täglich“. Ein Problem habe ich damit grundsätzlich überhaupt nicht. Nervig wird es nur dann, wenn man mit der entsprechenden Person nach erfolgtem Konsum nichts mehr anfangen kann. Das geht für mich einfach nicht klar. Die gleiche Einstellung fahre ich übrigens auch beim Thema Alkohol. Volle Dröhnung ist eben nicht so geil.

Für mich persönlich gilt: Alkohol ja, kiffen nein. Aus medizinischer Sicht klingt das eventuell paradox. Man hört ja öfter mal davon, dass Alkohol schädlicher und gefährlicher sein soll. Warum probiere ich es dann nicht einfach mal aus? Gelegenheiten gäbe es ja genug. Das hat mehrere Gründe:
Ich kenne mich sehr gut! Ich weiß, dass ich ohne jegliche Mittel Zustände erreichen kann, die in eskalierender Feierlaune, ekstatischem Getanze, ausgeflippten Harakiri-Aktionen oder fulminanten Lachflash-Orgien resultieren. Okay, das klingt so, als müsste ich generell mal runterkommen und mir doch mal eine Tüte anzünden. Was ich damit sagen will, ist, dass die genannten Beispiele erstrebenswerte Zustände sind, die mich glücklich machen. Das erreiche ich entweder aus freien Stücken oder durch drei Bier – ja so wenig reicht bei mir schon aus, bin eben ein Leichtgewicht. Im richtigen Moment und/oder mit den richtigen Leuten kommt das alles von allein und ich muss mich nirgendwo bedienen, um mal „richtig gut drauf“ zu sein. Auch wenn ich den Alltag ausblenden und Stress ausgleichen – funktioniert alles Bombe ohne pflanzliche Zusätze.

Gehörigen Respekt habe ich vor meinem neuronalen System. Mich schreckt es wirklich ab, wenn ich mir vorstelle, dass Cannabis irgendwelche Dinge in meinem Gehirn auslöst. Was, wenn ich kiffe und mir ein paar Synapsen durchschmoren, die zwischen „Kontrolle bewusst abgeben können“ und „dauerhaftem Kontrollverlust“ entscheiden? Ich weiß selbst, dass so ziemlich alles irgendwas in einem Gehirn auslöst. Zu den intensivsten Ursachen für die Ausschüttung von Botenstoffen gehören z.B. Sex, Liebe, Stress und Angst. Das sind alles Dinge, mit denen ich bestens vertraut bin. Auch enthemmte Zustände sind mir durch Alkoholkonsum vertraut. Man könnte mir jetzt sagen, dass Cannabis ja auch nichts anderes tut, als mich zu entspannen. Schließlich kenne ich sowas ähnliches ja vom Alkohol. Klingt vielleicht doof, aber mit Alkohol habe ich seit meiner Pubertät, wie die meisten meiner Generation – das ist jetzt kein Geheimnis – genug Erfahrung. Damals hat man sich sowieso keine Gedanken gemacht, ob es beim ersten Drink bleibt, oder man doch in eine Abhängigkeit rutscht. Mit Cannabis sah das anders aus.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Joints in meinem Freundeskreis ein Thema vor meinem 19. Lebensjahr waren. Keine Ahnung, ob es daran lag, dass ich in einem gut behüteten, erzkatholischen Dorf aufgewachsen bin. Zu dem Zeitpunkt war ich gerade ausgezogen, fing an zu studieren, war fähig, mir meine eigenen Gedanken zu gewissen Themen zu machen und darauf aufbauend selbstständige Entscheidungen zu treffen. Schon da stand für mich fest, dass ich es einfach nicht ausprobieren möchte. Außerdem bin ich kein Freund davon, auf Teufel komm raus irgendwelche Klischees zu bedienen, weil ich ja jetzt Student bin und Studenten das nun mal so machen. Ja, viele Studis kiffen. Aber ich laufe auch nicht mit Jutebeutel herum, trinke Club-Mate, lebe vegan oder gehe auf Electro-Swing ab. Gut, Beispiel eins muss ich zurücknehmen, aber den Rest nicht. Die Mitläuferrolle fand ich schon immer schwach. Entweder man will und macht oder man möchte nicht und lässt es bleiben. Ich will nicht und lasse es bleiben. Message angekommen? Falls nicht muss ich doch noch den gewichtigsten Grund auffahren.

Ich möchte nicht das Risiko erhöhen einmal eine Psychose zu bekommen. Wie ich auf das Thema komme? Persönlich kenne ich ja niemanden, der durchs Kiffen eine Psychose erlitten hat. Aber in meiner Verwandtschaft ist jemand in der psychiatrischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen tätig. Ich weiß, dass es nicht gerade wenige gibt, die durchs Kiffen ohne medizinische Betreuung nicht mehr richtig klarkommen. Das schreckt mich schon ab. Und das obwohl ich jetzt mit 24 nicht gerade mehr im typischen Jugendalter bin. Irgendwie ist es eine Angst einflößende Vorstellung, mit der eigenen Psyche ein Problem zu haben, das einen an der Ausübung des Alltags hindert. Für mich ist das ein absolutes Horrorszenario. Wie groß die Wahrscheinlichkeit für sowas ist, weiß ich nicht. Allein die Vorstellung reicht mir jedoch schon, um einen einzigen Zug am Spliff abzulehnen.

Abschließender Fun-Fact am Rande: ich habe mal bewusst zweieinhalb Jahre lang auf Alkohol verzichtet. Am meisten genervt hat mich während dieser Zeit nicht der Verzicht selbst, sondern das ständige gefrage, warum ich nichts trinke. Beim Kiffen ist mir dieses ständige Nachgehake noch nicht so oft passiert. Das finde ich irgendwie cool. Kann ja jeder machen, was er will. Ich kiffe einfach nicht, genauso wie ich keinen Club-Mate trinke. Macht mich das jetzt weniger hip? Ich glaube nicht.

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