Soundkartell präsentiert - Hanna Epperson

Soundkartell präsentiert - Hanna Epperson

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Im Gegensatz liegt die Kraft und vor allem die Kreativität. Hannah Eppersons musikalischeReise auf ihrem neuen Album Slowdown wirkt wie eine irre Seefahrt.
So viel Gegensätzliches gab es selten und doch habe ich nicht das Gefühl, dass sich die Kanadierin mit amerikanischen Pass da selbst verrennt. Sie weiß genau welchen Schritt sie gehen kann und soll. Und sie weiß auch genau welche Wirkung ihre orchestralen Songs auf uns haben: Sie stiften womöglich erstmal Verwirrung.

Das Prinzip ist folgendes: Alle ihre Stücke existieren in zwei komplett unterschiedlichen Varianten – einmal sehr reduziert instrumentiert (Iris​) und einmal in einem glasklaren Pop-Gewand (Amelia​). Diese Vorgehensweise hatte sie schon auf ihrem Vorgängeralbum Upsweep 2016 begonnen und dieser Zyklus fließt nun weiter. Man muss sich das dann folgendermaßen vorstellen: Die Namen Iris​ und Amelia ​stehen für zwei fiktive Charaktere. Ihre diametralen Welten vereinen sie in einer dritten fiktionalen Person, einem narzisstischen jungen Mann, der sich von der Gesellschaft entfremdet und in eine lebensgefährliche Manie verfällt. Kompliziert. Vor allem, wenn man das Album erstmalig einfach nur hören möchte.
Einen ersten Blick sollten wir erstmal auf die Tracklist werfen. Da sehen wir dann, dass die Tracks auch diametral angeordnet sind. Also man hat beim Hören nie passiv direkt die beiden Versionen hintereinander. Das hat auf der einen Seite den Effekt, dass man es vielleicht gar nicht merkt, dass hier von Iris und Amelia die Rede ist. Und auf der anderen Seite macht es das Album unfassbar vielfältig.

Im Gegensatz liegt die Kraft und vor allem die Kreativität.

Ich nehme einfach mal “We Will Host A Party (Amelia)”. Also dem Song, den sie in ein Pop-Gewand gesteckt hat. Hier blubbert es, es ist trotzdem auch recht reduziert vom Sound. Das bauscht sich zumindest in den ersten Minuten auf, denn dann passiert plötzlich folgendes: Hannah setzt ein und lenkt diesen Song. Streicher begleiten sie dabei ebenso wie düstere Synthie-Flächen. Das klingt dann mysteriös und doch so richtungsweisend klar. Der diametrale Song dazu in der “Iris”-Form ist lediglich auf die Streicher reduziert und ihre Vocals. Er ist hektischer und ungemütlicher. Das klingt eher wie das hektische Fliegen von Vögeln und Insekten. Doch dann beruhigt sich auch hier
die Gemütslage und Hannah kehrt in eine introvertierte Version ihres Songs zurück. Wow. Was ein auf und ab der Gefühle.

Mir gefällt “Slowdown” ziemlich gut. Auch wenn es absolut nicht leicht ist, ihren Songs immer zu folgen. Man sehnt sich ab und an nach ein bisschen Ruhe oder doch mal nach
einer Melodie, die einem sofort im Ohr bleibt. Aber vergebens. Hannah entpuppt sich vielmehr zu einer Künstlerin und setzt ihrem Vorgänger noch einen drauf. Bravo!

Wer sie live erleben möchte, darf sie auf keinen Fall hier verpassen:

16.02.18 MÜNCHEN - Alte Kongresshalle (supporting Ry X)
03.04.18 BERLIN - silent green Kulturquartier
04.04.18 HAMBURG - Elbphilharmonie Hamburg
05.04.18 WIESBADEN - Museum Wiesbaden
27.04.18 ERLANGEN - Unter Einem Dach Festival
28.04.18 STADE - Hanse Song Festival
08.05.18 DRESDEN - Societaetstheater Dresden
20.05.18 ZELL - Oben Air Festival
25.05.18 ULM - ulmer.zelt

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Bildquelle: Presse | Elissa Crowe

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