Wer steckt hinter der Aktion?

Wer steckt hinter der Aktion?

Banner an Stuttgarter Stadtbibliothek

Konsumkritik, ein Aufschrei der Stadtbibliothek, eine Aktion von Kunststudenten? Viel wurde spekuliert, nachdem letzte Woche ein riesiges Banner an der Stuttgarter Stadtbibliothek hing. Wir haben mit den Künstlern hinter der Aktion gesprochen.

An der Stadtbibliothek baumelte es nur ein paar Minuten, im Internet wird es für immer hängen: das große Plakat, das letzten Mittwoch plötzlich an der Stadtbibliothek in Stuttgart heruntergelassen wurde. 400 Quadratmeter war es groß und mit klarer Botschaft: Ein Pfeil geht rüber zum Einkaufszentrum Milaneo, „I’m with stupid“ steht darüber. Klare Kritik am umstrittenen Konsumtempel? An den Käufern, die dort billige Shirts bei Primark kaufen? Eher nein. Also doch nicht so eindeutig!

Michael ist Teil des Stuttgarter Künstlerkollektivs Mailand / Innenhof. Hinter dem Namen stecken viele verschiedene Beteiligte. Gemeinsam veranstalten sie immer wieder Aktionen, die Sozialkritik äußern und die Betrachter ein bisschen verwirren sollen. Um übrigens gleich mal mit einem Gerücht aufzuräumen: Die Aktion wurde also nicht wie vermutet von Studenten der Kunstakademie durchgeführt. Ein paar von ihnen waren zwar beteiligt, aber hinter dem Kollektiv stecken Menschen aus verschiedensten Bereichen.
Doch zurück zur Frage, was die Aussage hinter dem Banner sein sollte:

Uns geht’s nicht darum, die Leute anzuprangern, die bei Primark einkaufen, sondern eher darum, dass man wegen des Systems fast dazu gezwungen wird, bei Primark einzukaufen.
Michael, Sprecher des Künstlerkollektiv Mailand / Innenhof

Es war also keine Aktion, die sich konkret gegen das Milaneo oder seine Kunden richtete, sondern viel mehr eine große Systemkritik. Wie sie darauf kamen?
Günther, einer der Köpfe hinter der Aktion, war neulich beim Arbeitsamt. Er war traurig und niedergeschmettert und ging nach seinem Termin beim Amt auf das Dach der Stadtbibliothek. Kurz überlegte er, ob er sich runterstürzen solle. Doch bevor er sich selbst von der Bibliothek stürzt, dachte er sich, stürzt er lieber zusammen mit seinen Kollegen Kritik von der Stadtbibliothek. Die Idee war geboren.

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Die Umsetzung war ganz guerillamäßig und ohne offizielle Anmeldung. Eine Genehmigung hätten sie dafür wahrscheinlich ohnehin nicht bekommen, zweifelt Michael. Rund 30 Leute waren insgesamt beteiligt, damit das Banner möglichst schnell und unbemerkt installiert werden konnte. Ärger gab es dafür keinen. Nur ein Gespräch mit der Direktorin der Stadtbibliothek, die zwar erwartungsgemäß nicht begeistert, aber freundlich gewesen sein soll.

Weitere Aktionen sind jedenfalls schon geplant, lässt Michael uns wissen. Damit der Überraschungseffekt aber nicht verloren geht, verrät er nichts. Lassen wir uns gemeinsam wieder überraschen. 

Bildquelle: Sven Weber