Zukunftstrends

Zukunftstrends

Mit was wir in Zukunft (vielleicht) rechnen können

Was wird die Zukunft bringen? Welche Trends stehen uns bevor? Was macht eigentlich ein Trendforscher genau? Und wie sehr kann man denen Glauben schenken? Wir haben mit Tristan Horx vom Zukunftsinstitut gesprochen...

"Die Zukunft war früher auch besser" - Karl Valentin

Was er damit meint, der Karl Valentin? 
Oft glorifizieren wir die Zukunft - malen uns aus, wie toll manche Dinge sein werden - und wenn sie dann eintritt, sind wir enttäuscht. Aber auch andersrum macht uns die Zukunft oft Angst, versetzt uns in eine früher-war-alles-besser-Haltung und dann stellen wir fest: Es ist alles ganz anders, aber auch irgendwie ok.

Wir wollten gerne wissen, mit welchen Trends wir rechnen müssen, um welche wir nicht drum herum kommen werden, welche wir als kurzzeitigen Hypes vernachlässigen dürfen und ob uns die Zukunft Angst machen muss.


Wir haben deswegen mit Tristan Horx vom Zukunftsinstitut gesprochen. Tristan ist 25 Jahre alt und der Sohn von Matthias Horx, einem bekannten Zukunftsforscher und Gründer des Zukunftsinstituts. Genauso wie sein Vater ist auch Tristan Horx am Zukunftsinstitut beschäftigt.

Aber was macht das Zukunftsinstitut eigentlich genau?

"Wir definieren uns als Thinktank, das heißt unsere Aufgabe ist es eigentlich mit dem großen Haufen an Informationen, den es heutzutage so gibt, klarzukommen den herunter zu brechen und unseren Kunden [...] die interessanten, wichtigen Informationen zu geben, die sie brauchen, um in der Zukunft am Markt fit zu bleiben." - Tristan Horx

Das heißt auch, dass das Zukunftsinstitut als Unternehmungsberatung zu verstehen ist und mit dieser Profit macht. Dies wird unter anderem von dem Soziologen und Kommunikationswissenschaftler Holger Rust kritisiert, der Matthias Horx als "populistischen Trendforscher" bezeichnet. Doch man kann davon ausgehen, dass das Zukunftsinstitut und damit auch Tristan Horx, der Sozial- und Kulturanthropologie studiert hat, sich mit dem Thema Zukunft intensiv auseinandersetzen. Deshalb wollten wir von ihm wissen, was er uns in Bezug auf ein paar bestimmte Themen prognostizieren kann.
"Es ist natürlich ein Irrglaube, dass man mit Prognose die Zukunft voraussagt", erklärt uns Tristan Horx am Telefon, "Wir versuchen Vergangenheit und Gegenwart so gut wir können zu ergreifen, vor allem die Gegenwart, und dann mit verschiedenen Möglichkeitsszenarien in verschiedene Richtungen zu blicken. Und da wird sich mit der Zeit herauskristallisieren, welche Szenarien wahrscheinlicher sind und welche nicht."



Megatrends, Subtrends und Möchtegern-Trends

Ok, verlassen können wir uns auf die Zukunftsprognosen nicht unbedingt, aber wir können uns mal anhören, was aufgrund heutiger Beobachtungen möglich sein könnte. Das Zukunftsinstitut arbeitet mit sogenannten Megatrends. Davon gibt es insgesamt zwölf, "darunter solche wie Globalisierung, Individualisierung oder Urbanisierung und in Verbindung miteinander und teils auch alleine ergeben sie eine riesige Menge von etwa 250 Subtrends", so Tristan Horx.

Megatrends dauern dabei weit über 50 Jahre an, Subtrends hingegen nur etwa 30 Jahre.


So wie das Wort Trend allerdings von uns im Alltag verwendet wird, beschreibt es oft nur sehr kurzlebige Trends, die Tristan Horx normalerweise eher nerven: "Da kommt mir gerade dieses Fidget Spinner vom letzten Jahr in den Sinn. Das ist so ein Spielzeug zum Fummeln." Auch Pokémon Go könnte man unter diesen Trendbegriff fassen, weil der Hype um das Augmented Reality-Spiel nach ein paar Monaten wieder vorbei war.

Zukunftsängste

Man hört es immer wieder wieder: In der Zukunft soll unsere Arbeit von Maschinen und Robotern erledigt werden. Für viele ein Horroszenario, denn mit was verdienen wir dann in Zukunft Geld? Für Tristan Horx könnte das bedingungslose Grundeinkommen eine Lösung sein - das Konzept, das bereits in Skandinavien getestet wird und das die 20 Prozent der Bevölkerung, deren Job durch Maschinen ersetzt wird, auffangen könnte.

Eine weitere Sorge, die man immer wieder hört, ist der Verlust des menschlichen Miteinanders. Früher hat man sich im Zug mit fremden Menschen unterhalten, heute schaut jeder nur auf sein Smartphone. Das kennen wir. Zu diesem Thema bezieht sich Horx jedoch auf das Prinzip Trend/Gegentrend.

"Es gibt zum Beispiel in Dänemark den Hygge-Trend. Da lernen Familien seit ein paar Jahren nun schon Kultur- und Sozialformen. Wie geht man mit den digitalen Geräten um. Die haben dann zum Beispiel Familienzeit und in der gibt es kein Smartphone." - Tristan Horx

Allerdings wird sich nicht jede Entwicklung mit einem Gegentrend automatisch regulieren. Eine Zukunftsangst, die Horx nennt, ist die Angst vor Terrorismus, in die wir seiner Meinung nach zu viel Energie stecken und die vor allem wegen ihrer Symbolkraft so präsent sei. Das eigentliche Gefahrenpotenzial sieht Horx in der Digitalisierung selbst:
"Gleichzeitig wird die große Sicherheitsgefahr eine digitale sein. In der Zukunft wird Information immer wichtiger werden und wenn die hackbar ist, dann stehen wir vor einem richtigen Problem." - Tristan Horx

Vor diesem Problem stehen wir bereits, wenn man die Nachrichten verfolgt. Immer wieder werden sensible Nutzerdaten von unterschiedlichsten Plattformen gehackt oder geleakt. Aber nun zu einem schöneren Thema.



Trends im Bereich Musik

Laut Tristan Horx könnte ein möglicher Trend im Bezug auf Konzerte sein, dass man sich seine Lieblingsband in Zukunft einfach "von zu Hause aus anschaut", als wirklich zum Konzert hinzugehen. Möglich wäre das zum Beispiel mit einer Virtual Reality-Brille:
"Ich weiß zwar nicht, ob dass der richtige Weg ist, weil ein wichtiger Teil beim Konzert ist es ja, das Gefühl von Masse zu erfahren. Wenn man aus einem Konzert rauskommt, dann war ja nicht nur die Musik gut. Andererseits ist es eine elegante Überbrückung der physischen Distanz mit einem digitalen Medium." - Tristan Horx

Das Ganze sieht Horx aber auch in die andere Richtung als Chance, denn so könnten in Zukunft auch bald Hologramm-Konzerte veranstaltet werden, auf denen die Band selbst gar nicht anwesend ist. Wozu im Übrigen der*die Künstler*in auch nicht mal mehr unter uns weilen muss und dennoch Konzerte geben kann. Bei Künstler*innen wie Amy Winehouse oder Whitney Houston wird das sogar schon jetzt gemacht.
"Ob es soweit kommt, hängt aber davon ab, wie sich die Finanzflüsse in der Musikindustrie verhalten. Wenn es rentabel ist, wird es gemacht, wenn nicht dann nicht." - Tristan Horx



Trotz aller Analysen und Prognosen können unter vielen sich bestätigenden Prognosen natürlich auch welche sein, die sich nicht bestätigen. Tristans Vater, Mathias Horx vom Zukunftsinstitut, hatte zum Beispiel im Jahre 2010 prophezeit, dass in fünf Jahren niemand mehr über Facebook sprechen würde. Diese Aussage räumt er mittlerweile auch als Fehlprognose ein. Die Zukunft bleibt also weiter eine spannende Angelegenheit!

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