Pille, ich hasse dich

Pille, ich hasse dich

Maria kotzt

Vor ein paar Tagen wurde auf Twitter der Hashtag #mypillstory losgetreten, unter dem Frauen von ihren schlechten Erfahrungen mit dem Verhütungsmittel erzählen. Super gute Sache, bei der ich mich allerdings frage: Warum jetzt erst?


Ich denke, dass so gut wie jedes Mädchen ihre eigene Story zu Verhütungsmitteln zu erzählen hat (wie man nun auch an #mypillstory sieht).
Die eine nimmt die Pille und hat plötzlich keine Lust mehr auf Sex, die andere testet den Verhütungsring und plötzlich schwankt das Gewicht wie blöd. Man versucht es immer wieder mit anderen Verhütungsmitteln und ganz vielleicht findet man dann das - nunja - richtige. Natürlich gibt es auch ein paar, die super mit der Pille klarkommen. Ob die sich glücklich schätzen können, sei mal so dahingestellt.
Ganz egal, wie das bei jedem einzelnen ist, sicher ist auf jeden Fall, dass hormonelle Verhütung nicht gerade wenige Nebenwirkungen mit sich bringen kann, die teilweise dann so abstrakt klingen, dass man erst gar nicht vermutet, dass es mit Pille & Co. zusammenhängen kann. Oder wusstet ihr, dass Kontaktlinsenunverträglichkeit auf die Pille zurückzuführen ist?

Was ich nun im folgenden sage und worüber ich mich auskotze, ist natürlich nicht auf alles und jeden bezogen. Aber dennoch muss es einfach raus. Deswegen gleich mal ganz direkt:

Was zur Hölle stimmt nicht mit uns? Warum schmeißen wir uns den Scheiß Tag für Tag ein? Warum stecken wir uns irgendwas in unseren Körper, das so offensichtliche Veränderungen bewirkt? Muss das wirklich sein?
Ich muss zugeben, mir war das lange nicht bewusst, aber alles, was in hormonellen Verhütungsmittel drin ist, läuft direkt ins Gehirn. IN UNSER GEHIRN!! Denn dort wird normalerweise das Gonadatropin-Releasing-Hormon ausgeschüttet. Die Antibabypille aber bremst diesen Vorgang und muss dazu ins Gehirn.

Mir ist natürlich vollkommen klar, WARUM wir uns das Zeug einwerfen und warum man da halt nicht so einfach rauskommt. Und ich weiß auch, dass ich nicht mit erhobenen Zeigefinger durch die Welt schreiten kann, wo ich es doch selbst nicht besser mache. Trotzdem ist mir einiges unklar und ich habe einige Fragen.
Fangen wir an:

Unsere Technik, unsere Medizin, unser Wissen über den menschlichen Körper, das alles ist mittlerweile so weit, dass wir ungefähr jeden Mist bauen und konstruieren könnten. Wir wissen bis aufs kleinste Detail, was sich im Körper einer Frau abspielt, wir können den Zyklus in verschiedene Phasen einteilen. Und dennoch: keiner kriegt es hin, eine Verhütungsmethode zu erfinden, die nicht den ganzen Körper zermatscht! Schafft es tatsächlich keiner, einen Computer zu entwickeln, der ganz genau sagt, wann es sicher ist Sex zu haben und wann nicht? Ja, es gibt schon solche Teile, aber ein Pearl Index von 3,8 bis zehn ist nun wirklich eher schwierig.

Damit kommen wir eigentlich schon zu meinem nächsten Punkt. Liebe Pharmakonzerne, seid ihr wirklich alle so mies?
Ich verstehe natürlich, dass Pharmaunternehmen an der Pille und anderen hormonellen Verhütungsmitteln wunderbar verdienen. Und dass man da nicht so gerne andere Lösungen findet. Trotzdem glaubt man ja irgendwie auch an das Gute im Menschen. Und an die Intelligenz im Menschen. Immer mehr Frauen haben nämlich keinen Bock mehr von Hormonen beeinflusst zu werden. Wäre das nicht auch ein dankbarer Markt? Muss man wirklich immer an so altem Käse festhalten? Kann man nicht mal etwas zukunftsorientiert sein und andere Verhütungsmittel testen, verbessern oder gar erfinden?

Die nächste Sache, die mich wahnsinnig macht: Frauenärzte. Sicherlich trifft das jetzt nicht auf alle zu und vielleicht habe ich auch oft ins Klo gegriffen, aber trotzdem muss ich sagen: ich bin noch nie bei einem Frauenarzt über natürliche Verhütung (die bei richtiger Anwendung übrigens so sicher ist wie die Pille) informiert worden. Oder vor Pille, Verhütungsring, Hormonspirale etc. gewarnt worden. Kein einziges Mal. Da hat keiner gesagt: "Mensch, überleg dir das nochmal. Es gibt auch andere Möglichkeiten." Vielleicht sagen jetzt einige, dass in solchen Sachen auch Mütter eingreifen oder Ratschläge geben sollten. Mag in gewisser Weise auch sein, aber wieso sollte eine Mutter so etwas besser wissen, als ein Mediziner?

Bleiben wir mal bei den Müttern. Oder in der Kindheit. Ist euch bewusst, dass man als junges Mädchen in Zusammenhang mit der Pille sofort wusste: "Ahja, die macht ja angeblich die Haut schöner!" Aber man hat nie ein 12-jähriges Mädchen sagen hören: "Oh, die Pille - die erhöht das Thromboserisiko." Eigentlich ganz schön erschreckend. Vor allem, weil moderne Präparate das Risiko sogar nochmal mehr erhöhen! Muss man sich da dann schon überlegen, wie man das mal bei den eigenen Töchtern macht? Man will natürlich auf keinen Fall, dass sie schwanger werden - aber bei unserem heutigen Wissensstand: Kann man ihnen wirklich erlauben, die Pille zu nehmen?

Da kommt dann natürlich sofort die Frage auf: na, aber was denn sonst? Was sollen wir Frauen nehmen, wenn man nicht so Lust hat, schwanger zu werden?
Und eigentlich ist die Frage da schon falsch. Warum muss das immer die Frau entscheiden? Warum ist Verhütung so ein unglaubliches Frauenthema? Ich kenne keinen Kerl, der sich wirklich damit auskennt. Und ich kenne keine Männerrunde, die dieses Thema bespricht - weiß aber, dass das bei Mädels immer wieder auf den Tisch kommt. Natürlich kann man das den Herren der Schöpfung gar nicht wirklich übel nehmen, denn bisher war es eben Frauensache und es gibt ja auch keine Alternativen. Trotzdem sollte auch da mal drüber nachgedacht werden: Muss das in Zukunft so sein? Verhütung ist doch kein Frauenproblem.

Aber zurück zur Frage: Wie verhütet man denn nun, wenn man keine Hormone nehmen will? Kupferkette oder -spirale? Diaphragma? Kondom? Natürliche Familienplanung?
So einige Männer werden jetzt wahrscheinlich denken "Kondom? Vergiss es!" und einige Frauen "Natürliche Familienplanung? Spinn ich denn?". Habe ich auch gedacht. Aber mittlerweile glaube ich, wir liegen mit diesen Vorurteilen nicht ganz richtig. Denn wenn man beide Verhütungsmittel kombiniert und richtig anwendet, dann ist man auf der gleichen, sicheren Seite wie mit der Pille. Ohne plötzlichen Haarwuchs, Wassereinlagerungen überall, Migräne (klingt nach Mutation, sind aber nur Nebenwirkungen der Pille) und so weiter.

Ich bin natürlich kein Arzt und will hier keine wilden Behauptungen aufstellen. Deswegen mein Tipp, wenn ihr die Schnauze voll habt:
Schaut auf my-size-condoms.de und checkt erstmal, ob ihr die richtigen Kondome nutzt (ich wette, das tut ihr nicht). Informiert euch dann mal auf mynfp.de über Natürliche Familienplanung (ja, der Name ist schlecht gewählt) oder besucht Seminare. Es gibt tatsächlich Berater, die helfen können, sodass ihr eben so sicher seid, wie mit der Pille.

Das Schöne ist vor allem auch, dass man seinen Körper kennenlernt. Oder wisst ihr, wie sich ein Eisprung anfühlt? Ich für meinen Teil habe da keine Ahnung.

Und dann fragen wir uns nochmal: Muss das denn wirklich sein? Ich glaube nicht.


Bildquelle: flickr | "ritual" von Monik Markus | cc by 2.0

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