Fortuna Ehrenfeld zu Gast bei Dominik

Fortuna Ehrenfeld zu Gast bei Dominik

Das Interview zum Nachhören

Dominik hat mit Martin Bechler, dem Sänger und Songwriter von Fortuna Ehrenfeld gequatscht.

Das Bandprojekt Fortuna Ehrenfeld des Kölner Produzenten Martin Bechler existiert jetzt schon seit 2016. Das neue Album Helm ab zum Gebebt releaste die Band am 3. Mai 2019 und wir hatten das Glück, Martin Bechler bei uns im Studio begrüßen zu dürfen. Unser Moderator Dominik hat mit ihm unter anderem über das neue Album, die Entstehung neuer Musik generell und die Europawahl gequatscht.

Die erste Fortuna Platte war der Mülleimer.

Das klingt jetzt hart aber als Songwriter, der seine Songs auch gerne mal an andere Künstler*innen abgibt, muss man auch mal Niederlagen einstecken. Naja, man kann es eigentlich nicht Niederlagen nennen, dass einige Songs einfach liegen geblieben sind. Vielleicht waren sie zu sperrig oder einfach zu speziell, dass sich ein anderer Mensch schlichtweg nicht damit identifizieren konnte. Umso schöner ist es für uns, dass Fortuna Ehrenfeld die Tracks nun selbst unter die Fittiche genommen hat.

Das letzte Album Hey Sexy ist jetzt schon zwei Jahre her und das neue Stück treffe laut Martin wohl nicht den Geschmack, den viele vielleicht erwartet hätten. Aber wer braucht schon Platten, die genau klingen, wie die vorherige. Für Fortuna Ehrenfeld ist das neue Album eine Verbesserung in Klang und Text - Künstler*innen entwickeln sich in der Regel von Werk zu Werk weiter und dabei verändert sich zwangsläufig auch der Sound. Eigentlich ist das eine gute Eigenschaft und wer das nicht akzeptiert, der soll laut Martin einfach nach Hause gehen und in sein Kissen weinen - Musik ist ja keine Fließbandarbeit.

Die schönste Eigenschaft die Fortuna Ehrenfeld besitzt, ist die Unbestechlichkeit.

Ein Song muss nicht zwangsläufig von jedem befürwortet werden, genau darf er nicht aus diesem Grund auf Eis gelegt werden. Diese Unbestechlichkeit ist in einer Zeit von Giesinger, Örding, Bendzko und Schweighöffer sehr wichtig.
Sobald man mit einer Vorurteilsfreiheit in die Songs geht, dann wird man eine verdammt schöne Zeit haben. Man muss sich einfach darauf einlassen.

Fast jeder darf wählen!

Am vergangenen Sonntag stand neben dem Highlight, dass Fortuna Ehrenfeld in der egoStadt München gespielt hat, auch noch eine Wahl an - diese Europawahl. Während die egoFM Redaktion und viele, viele andere fleißig gewählt haben, blieb das Recht manchen verwehrt. Auch Fortuna Ehrenfeld wollen die Rechten aus dem Parlament jagen - blöd nur, wenn man seine Unterlagen nicht bekommt. Martin hatte seine Unterlagen zwar früh genug beantragt, aber nichts bekommen. Angeblich sind diese auf dem Weg untergegangen und davon sollen sogar mehrere Städte, beziehungsweise viele Wähler*innen betroffen gewesen sein. Bei zehn Leuten hält sich das Ausmaß noch in grenzen, doch wenn es um 1.000 Stimmen geht, dann mache das schon einen Unterschied und bei zwei Millionen Nichtwählern klingt das gar nicht so unrealistisch, so Martin. Der sucht sich jetzt einen Anwalt – nicht um die Sache aufzuplustern, sondern um zu verstehen, um wie viele Stimmen es da ging. Man könne ja einfach mal schauen, wie weit man mit sowas kommt.

Auf Tour vegan

Um den gesunden Lebensstandard hochzuhalten, hat sich die Band vorgenommen nur noch vegan auf Tour zu sein. Der Auslöser war der Live-Drummer Paul. Der ist nämlich super strenger Veganer und hat den Rest der Band damit angesteckt. Von den Veranstalter*innen ist das ja sehr nett gemeint, eine dicke Portion Geschnetzeltes aufzutischen, aber für Fortuna muss es jetzt einfach vegan sein.
"Gebt uns was Gesundes zu essen und keine Nestlé-Scheiße."
Zuhause in Köln dürfe man dann auch wieder in den Genussmodus kommen, die Beine hochlegen und sich vielleicht einfach mal ein paar Chips reinstopfen.
Nur bloß keine Zigaretten - die sind nicht nur auf Tour, sondern für den Sänger immer tabu. Martin vor langer Zeit aufgehört zu rauchen und vermerkt dies sogar als beste Entscheidung seines Lebens.

Was ist im Raum der Kreativität?

Ein zentraler Begriff, der dort auftritt, ist die Vorurteilsfreiheit. In diesem Raum geht es darum, einfach mal die Gitarre in die Hand zu nehmen oder irgendein Gerät anzustecken. Jede Idee ist erlaubt und jede Idee wird angedacht. Egal wie ungewöhnlich der Gedanke am Anfang erscheint, wird er einfach mal so stehen gelassen und dann hinterfragt. Es entsteht sehr viel Output dabei und teilweise wird sogar im Überschuss produziert. Der Verlag muss da manchmal an den Zügeln ziehen, denn wenn es nach Martin gehen würde, würde er alle zwei Wochen eine Platte rausbringen.

Schreiberling ohne Kerzen und Federhalter

Für Martin Bechler ist der Songwriting Prozess keine Mühe. Teilweise entstehen Vierzeiler, die erstmal so stehen gelassen werden und vielleicht mit anderen Zeilen aus verschiedenen Zeiten erst zu einem sinnvollen Song zusammengebaut werden können. Man könnte fast von Tetris mit Worten sprechen. Das Schreiben von Songs ist für Martin kein Hexenwerk.
"Ich mache das mit einer unglaublichen Leichtigkeit und sobald ich die verliere, höre ich sofort damit auf. Tetris mit Worten."

Der Tourbus wird zum Input

Jemand, der den ganzen Tag am Eis verkaufen ist, der isst zu Hause mit Sicherheit nicht als erstes ein Eis. So ist das auch mit der Musik. Stell dir vor, du arbeitest zwölf Stunden am Tag entweder an Texten, im Studio oder auf der Bühne. Da will man abends vielleicht nicht unbedingt eine Platte auflegen und sich damit beschäftigen. Aber wo kommt denn dann der ganze Input von anderen Künstlern, neuen Songs oder Sounds her? Bei Fortuna Ehrenfeld findet dass mittlerweile alles im Tourbus statt.

Als Dorfpunk in die Stadt

Martin Bechler war schon immer eher der Typ, der einfach gemacht hat. Seine Begründung ist die Herkunft - zu sagen, dass er vom Land kommt, klingt eigentlich nicht gerade nach einem Argument, aber für ihn gab es nur zwei Wege:
"Entweder übernimmst du die Fleischerei deines Vaters oder du landest in einer superschicken Werbeagentur und machst die nächste große Werbekampagne für die Reifeisenbank."
Beides war für den 17-jährigen Martin Bechler keine Option. Also: Ab nach Köln, studieren und rein ins echte Leben.




Hier kannst du nochmal das ganze Interview mit Martin Bechler von Fortuna Ehrenfeld nachhören.
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