Wie Musik in Horrorfilmen funktioniert

Wie Musik in Horrorfilmen funktioniert

Die Wissenschaft hinter gruseligen Soundtracks

Auf dem Seziertisch: das akustische Grauen. Zum Vorschein kommen vier Hauptfaktoren zur Funktionalität in leicht verdaulichen Häppchen, damit du demnächst weißt, warum es nicht unbedingt viel bringt, die Augen vorm Horror zu schließen.

Hast du schon mal versucht, einen Horrorfilm ohne Musik anzuschauen? Falls ja, hast du bestimmt gemerkt, dass der Großteil des Grusels dabei irgendwie gefehlt hat. Das liegt daran, dass Geräusche und damit unser Gehör einen wesentlichen Anteil an der Gesamtwirkung von Filmen haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass dein Horrorstreifen mit jeder Musik gleich gruselig ist. Es gibt ein paar Eigenschaften, die erst den Grusel in die Musik bringen.

Harmonie

Damit es nicht gleich nach Slapstick-Komödie oder einer Parodie klingt, sollte man auf die Tonart achten. Dabei ist es weniger entscheidend, ob du D-Moll oder F-Moll verwendest. Solche Nuancen hört der Otto Normal-Cineast sowieso nicht raus. Was aber jeder erkennt ist, wenn etwas undefinierbar krumm und unbehaglich klingt. Dissonanzen sind das Stichwort!

Hauptsache, dem Zuschauer werden die akustischen Orientierungspunkte entzogen.


Dissonante Harmonien kommen nämlich äußerst selten in der Musik vor, die die meisten Menschen im Alltag zu hören bekommen. Und was der Mensch nicht kennt, macht ihm erstmal Angst. Aus diesem Grund wirkt das Ganze auch so unbehaglich.

Instrumentation

Streicher sind im Horror-Genre sehr beliebt. Aber woran liegt das genau? Im Wesentlichen hat dieses Phänomen ganz pragmatische Gründe. Du kennst sicherlich den quälenden Ton, der entsteht, wenn man mit seinen Fingernägeln gegen eine Tafel kratzt. Mit Streichern ist es möglich, ähnlich schrille Töne zu erzeugen, deren Wirkung dem eben beschriebenen Lärm sehr nah kommen. Wobei wir auch schon beim nächsten Punkt wären…

Tonhöhe

Hohe, schrille Töne sorgen mit ihrer Signalwirkung für unmittelbare Aufmerksamkeit und versetzen den Hörer sehr schnell in eine Art Stresssituation. Diese Wirkung liegt durchaus in der menschlichen Natur, da sich der menschliche Schrei (in Horrorfilmen vor allem der weibliche Schrei) in ebenso hohen Frequenzen bewegt und ein wichtiges Signal ist, um zum einen auf eine Gefahrensituation aufmerksam zu machen und zum anderen seine Mitmenschen zu warnen.

Je unangenehmer der Ton empfunden wird, desto stärker die physischen Reaktionen.


Falls du schon mal ein Mikrofon hast übersteuern hören, wirst du dich sicher an die quälenden Fiep-Geräusche erinnern. Streicher können, wie bereits schon angerissen, durch Obertöne in ähnliche Register vordringen, die zwar nicht ganz so unerträglich klingen, aber dennoch ihre Schockfunktion erfüllen.

Überraschende Akzente

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz im Horrorfilm: Je unerwarteter etwas passiert, desto heftiger erschreckt sich der Zuschauer. Diesen Überraschungseffekt versuchen die Filmemacher, beziehungsweise Komponisten auch in akustische Reize zu übertragen. Stille ist deshalb enorm wichtig, um möglichst wenige Hinweise auf das kommende Geschehen zu geben und unerwartet zuzuschlagen – so wie der Killer im Film eben. Aber auch aus einer Klangfläche heraus können wirkungsvolle Überraschungsmomente erklingen. Wichtig dabei ist lediglich, dass sich der Akzent deutlich von der übrigen Musik durch seine Harmonie, Instrumentation und Tonhöhe abhebt – und damit schließt sich der Kreis.

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