Ben Khan - Ben Khan

Ben Khan - Ben Khan

Der Lieblingstonträger der Woche

Zuerst Ghosting, dann Lovebombing - Ben Khan probiert sich gerade an den Beziehungstechniken ungehobelter Millennials. Und es funktioniert: Ja, Ben Khan, wir wollen mit dir gehen.

2014 veröffentlichte der Londoner seine Debüt-EP 1992 EP, unter anderem mit Brettern wie "eden" und "youth". Gerade mal ein Jahr später erschien schon die Nachfolger-EP 1000, mit gleich gebliebenem Banger-Level.

Dann: erstmal Ruhe. Die Ghosting-Phase tritt ein.

Erst 2017 folgte wieder das nächste Lebenszeichen mit "blade (tidal wave of love)" - eine Demo. Gut, erstmal: zwei Jahre, kein Problem. Aber auch: drei Jahre seit der ersten Single, immer noch kein Debütalbum. Eher der scheinbare Rückzug. Panik kommt auf: Was ist aus Ben Khan geworden? Warum veröffentlicht er nichts mehr? Mag er uns denn nicht mehr? Haben wir ihm nicht genug gezeigt, dass wir ihn als Künstler lieben und respektieren und uns eine ernsthafte Zukunft mit ihm vorstellen können?

Doch plötzlich: 2018. Neue Songs! Das Lovebombing beginnt.

Und wie viele gleich: Während nicht allzu viel Zeit verstreicht haut der Elektrofrickler "2000 Angels", "Do It Right", "Ruby", "a.t.w. (against the wall)" und "The Green" raus. Songs, die unfassbar Appetit auf das lang, lang ausgebliebene Debütalbum machen. Songs, die auch nach fünf Jahren noch das halten, was uns Ben Khan mit seinen ersten Veröffentlichungen versprochen hat: wummernde Synthesizer, prägnante Beats, düstere Submelodien, getrieben von Tausenden kleinen Details - verfremdende Computer-Sounds, organische Samples und Field Recordings*, Percussions, schleppendes Rasseln, schreiende E-Gitarren, kurz aufatmende Bläser, zurrende Streicher, elegant gesetzte Disharmonien, sich teilweise überschneidende Loops - und Ben Khans eigenem, sanften Gesang.
Dabei sind die Songs so verschachtelt, teilweise derart arhythmisch, dass man schon mal paranoid beim Anhören checken kann, ob in einem der stets offenen Browser-Taps nicht irgendwo was anderes gerade gleichzeitig läuft (wir sprechen hier gerade mit dir, "Monsoon Daydream" (dem dritten Song auf dem Album)).

*Field Recordings

Field Recordings - also in der Natur, beziehungsweise Umwelt aufgenommene Geräusche aus dem Alltag - spielen eine besondere Rolle auf dem Album. Für die hat sich Ben Khan nämlich extra auf einen weiten Weg begeben: nach Kaschmir. Dem Herkunftsort seines Vaters. Dort lief er rum, saugte im belebten Alltag zig Sounds mit einem Fieldrecorder ein und webte viele davon sorgfältig in die Klanggewänder seiner Songs ein.

Der Künstler selbst sagt zum Werk:
"I like the idea of having something be unintimidating and beautiful, but driven by anger, or driven by sadness."

Allerdings ist Ben Khan kein Werk eines Alleingängers. Das Genie hat sich noch ein paar weitere Genies zur Seite geholt: Produziert wurde das Album von Flood, der unter anderem schon mit Größen wie PJ Harvey, Depeche Mode und Nine Inch Nails zusammen gearbeitet hat. Fürs Mixen war Spike Stent zuständig (seine Referenzen sind unter anderem Björk und Frank Ocean). Das finale Mastern hat Dave Cooley in die Hand genommen - der wiederum hat unter anderem schon für Ben Khans Idol und Inspiration J Dilla die Mastermagie spielen lassen.
Klassisch durchproduziert, rein und seelenlos (wie es hin und wieder mal wirken kann, wenn so viele perfektionistische Profis ihre Finger im Spiel haben) ist das Debütalbum allerdings nicht. Das zeigen die Songs "dntwntyrluv" und "ruby 1st recording". Ersterer dauert gerade mal ein paar Sekunden, letzterer ist selbsterklärend: Es handelt sich um die ungemasterte erste Version von "Ruby".

Übrigens: Wer beim Anhören ständig daran denken muss, wie sehr das Album wie ein Filmsoundtrack wirkt, darf sich bestätigt fühlen. Als Ben Khan sich zum Komponieren ins Studio zurück gezogen hat, ließ er über einen Projektor stets Filme wie Ghost In The Shell, Blade Runner, Angel-A und Akira stumm nebenher laufen. Der Gedanke dahinter:
"I think the point of an artist is to show people a different side of things, to take different perceptions of life and present them back to you.
Hopefully, this album will take you out of your reality for a bit and take it to the start of a fantasy place."

Also dann: los. Abdriften!


Tracklist: Ben Khan - Ben Khan

01. 2000 Angels
02. Do It Right
03. Monsoon Daydream
04. Ruby
05. a.t.w. (against the wall)
06. Fool 4 You
07. The Green
08. Soul In The Sun
09. Our Father
10. Love Faded
11. dntwntyrluv
12. Merchant Prince
13. ruby 1st recording
14. Waterfall
15. Warriors Rose

Ben Khan von Ben Khan wird am 10. August via Dirty Hit veröffentlicht.

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