Drangsal zu Gast bei Max

Drangsal zu Gast bei Max

Das ganze Interview zum Nachhören

Drangsal singt auf seinem neuen Album auf Deutsch und die Single klingt nach den Ärzten. Mit Max sprach er außerdem über Barkeeperskills, wasserstoffblonde Haare, seine Liebe für Softdrinks und jugendliche Erlebnisse mit den Kassierern.

Nach Drangsals Debüt Harieschaim flogen ihm die Vergleiche zur New-Wave-Ära nur so um die Ohren. Jüngst meldete sich der aus der pfälzischen Provinz stammende Querkopf  –  der übrigens wie unser Moderator in Wirklichkeit Max heißt –  mit seiner Single "Turmbau zu Babel" zurück. Die Verwirrung war groß, ob er sein 80er Gewand im Privatstudio von die Ärzte vergessen hat.

Warum sein neues Album Zores nun in den Fahrwässern des Deutschpop schippert, verrät Drangsal im Interview mit Max.


Max: Zores was beduetet das?

Drangsal: Zores ist bei mir wo ich herkomme – aus der Pfalz, genauer genommen aus der Süd-Pfalz, noch genauer genommen aus Herxheim – ein Begriff der synonym ist mit einer Gruppe Asozialer, mit Pack, aber auch stehen kann für – sagen wir mal – Wut oder Streit oder jemandem der jähzornig ist.

Max: Du Zores, ich Chef oder wo wird das im Sprachgebrauch eingebaut?

Drangsal: Man könnte zum Beispiel  [auf Pfälzisch] sagen: "Mit denne darfscht dich nett abgebbe, desch’s Zores". Oder man sagt: "Der Max, der isch’n Zores". Oder: der Max und der Max die henn Zores". Das sind so die drei Arten und Weisen, wie man das benutzen kann.

Max: Du singst jetzt auf Deutsch - warum?

Drangsal: Das wird mir so nachgesagt. Aber ich habe ja tatsächlich auf der Vorgängerplatte „Harieschaim“ schon auf Deutsch gesungen – es war nur ein Stück. Und danach kam noch so ne Seven-Inch raus, da war die B-Seite auch ein deutsches Stück. Dann kam dieser Song mit Casper und zwischendurch eine Demo auf Deutsch und live haben wir auch schon zwei drei Songs auf Deutsch gespielt. [...] Aber du hast natürlich völlig recht, der Großteil der Platte ist auf Deutsch. Ich hab Will ich nur dich nicht für Drangsal geschrieben, sondern aus Jucks und Dollerei. Die deutsche Sprache war mir musikalisch noch nicht so vertraut. Ich hielt Englisch für die Weltsprache der Musik. Aufgrund dessen und meiner mannigfaltigen Einflüsse aus englischsprachigen Ländern und da ich dachte, man kann nur so erfolgreich und international erfolgreich sein, habe ich auf Englisch geschrieben. Der Markus Ganter fand "Will ich nur dich" ganz toll. Der Produzent meiner ersten Platte meinte, nimm das mit da drauf. Ich war dagegen – wir haben es trotzdem gemacht. Heute bin ich ihm fürchterlich dankbar dafür. Er hat die Tür aufgetreten. Ich fand’s dann spannend, weil ich 12 Jahre auf Englisch geschrieben habe und plötzlich so ne neue Welt vor mir hatte. Klar, es gab mal hier und da den ein oder anderen deutschen Track, kleine Experimente, Spaß, whatever, habe das aber nicht wirklich ernst genommen. Und dann habe ich versucht mich zurecht zu finden in der deutschen Sprache. Wo ist mein Platz? Ich habe viel deutschsprachige Musik gehört, wie Tocotronic, Blumfeld, die Vorgängerband: die Bienenjäger, aber auch aktuelleres Zeug, wie die Nerven, Messer und natürlich die ganze neue deutsche Welle von Einstürzende Neubauten bis hin zu [Andreas] Dorau und was weiß ich noch alles. Und dann auch so Sachen wie Klaus Lage oder Ina Deter wiederentdeckt, die ich gerne mag und mit Zores versucht meinen Platz innerhalb der deutschen musikalsichen Sprache zu finden. Weißt du, das war aufregend, das war neu! Und deswegen ist das so 'im Überfluss', kann man sagen.

Wenn Drangsal nicht gerade seine Muttersprache fürs neue Album entdeckt, geht er seiner Leidenschaft für (Soft-)Drinks nach. Entweder jobt er als schlechtester Barkeeper der Welt oder trinkt unseren Mitarbeitern das Red Bull weg. Mit diesen Bad Habbits hat ihn Max noch einmal konfrontiert:

Hier könnt ihr das komplette Interview nachhören:
  • Drangsal zu Gast bei Max


Zores erscheint am 27. April.

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