Bye "Interview Magazine"

Bye "Interview Magazine"

Nach fünfzig Jahren endet die Ära von Warhols Zeitschrift

Nach fast fünfzig Jahren ist Schluss mit dem Interview Magazine. Das 1969 von Pop Artist Andy Warhol gegründete Magazine mit Interviews von und über Künstler nimmt ein Ende.

Andy Warhol kennt die ganze Welt als den König der Pop-Art. Vielleicht wissen viele nicht, wie er aussieht, ganz bestimmt aber kennt jeder den Look seiner Werke, wie zum Beispiel den Siebdruck von Marilyn Monroe aus dem Jahr 1962. Warhol war und ist bis heute einer der bekanntesten amerikanischen Künstler. Auf seinen Partys tanzten Größen wie Michael Jackson und Edie Sedgwick, die seine Muse in den 60ern darstellte. Eines seiner Nebenprojekte fand jetzt ein eher unschönes Ende. Sein Interview Magazine hat Insolvenz angemeldet und wird eingestellt.

Die Anfänge von "Interview"

Aus Andy Warhols Tonbandaufnahmen und Polaroid Bildern entstand neben den vielen Zeichnungen, Drucken und Fotografien eine weitere große Idee. Der "The Crystal Ball of Pop" wurde geboren. Warhol nahm Polaroidkamera und Tonbandgerät mit auf seine unzähligen und legendären Ausstellungseröffnungen, Partys und Events, damit er diese mit Bild und Ton festhalten konnte. Für die Schnappschüsse fand er in seinen Ausstellungen Verwendung, für die vielen kurzen Gesprächsfetzen und Small Talk eigentlich nicht. Dass daraus mal eine fast fünfzig Jahre lange Ära entstehen wird, hat Warhol sicherlich nicht erwartet. 

Obwohl er zunächst keine Verwendung für die Aufnahmen hatte, ließ er die vielen Gespräche - Füllwörter und Unterbrechungen inklusive - transkribieren. Das machte letztendlich den anfänglichen Charme der Zeitung aus. Aus den vielen Manuskripten setzte sich 1969 das Interview Magazine zusammen, welches der Künstler mit dem Journalisten John Wilcock startete. In seinem Buch POPism schrieb Warhol über seine Idee:
"Tonbänder eröffnen tolle Möglichkeiten für Interviews mit den verschiedensten Berühmtheiten. Ich begann über eine Zeitschrift mit nichts als Interviews nachzudenken. Dann kam John Wilcock eines Tages vorbei und fragte mich, ob ich eine Zeitung mit ihm gründen würde. Ich sagte ja.“
Es war eine Zeitschrift von und mit Künstlern, für Künstler und Kunstliebhaber. Kunstschaffende führten Interviews mit ihresgleichen. Vor allem die früheren Interviews von Warhol mit Kollegen verhalfen der Zeitung schnell zu Kult-Status. Sie sind in einer reinen Frage-Antwort Struktur geschrieben und thematisieren oft sehr private Themen, wie die jeweiligen Frühstücksrituale oder auch Schlafenszeiten. Das ganze Heft war eine Kunstform - Werbung, Anzeigen, Interviews und Bilder wurden in diesem Rahmen zu einem großen Gesamtwerk.

Das Magazin damals und heute

Ab den 80er Jahren zog sich Warhol immer mehr von der Zeitung zurück und überließ Bob Colacello weitestgehend die Leitung, wobei er die Nähe zur Zeitung niemals verlor. Er verteilte zum Beispiel oft signierte Freiexemplare des Magazins auf den Straßen Manhattens. Nach Warhols Tod 1987 übernahm Brant Publications Inc. die Leitung, was für die Zeitung große Veränderung bedeutete.  

Größen wie John Lennon, Kate Moss, Johnny Depp, Robert DeNiro und der junge Arnold Schwarzenegger zierten das Cover und machten die Zeitschrift und sich selber weltweit bekannt. Und jetzt die böse Überraschung: dieses Jahr noch wird das Magazin eingestellt. Der Senior Online Editor Trey Taylor schrieb auf Twitter:
"After 10 months at my dream job at @InterviewMag, today is sadly my last day as the magazine has closed.“ 
Das Magazin kam in den letzten Monaten aufgrund vieler Aspekte in Verruf, was der wahrscheinlichste Grund für die Insolvenz und das Ende des Magazins ist. Ehemalige Mitarbeiter verklagten den Eigentümer Peter Brant auf hohe Geldnachzahlungen und weiteren Mitarbeitern wird sexuelle Belästigung nachgesagt.

Ein solches Ende für sein Magazin hätte sich Warhol wohl auch nicht im (Alp-)Traum ausgemalt. Wir finden es sehr schade und sagen "Danke" für großartige Interviews, Fotos und ihre Geschichten.

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