Lana Del Rey: Chemtrails Over The Country Club

Lana Del Rey: Chemtrails Over The Country Club

Der Lieblingstonträger der Woche

Von  Vitus Aumann
Lana Del Rey schafft es mal wieder, die selbst erzeugten Kontroversen mit sanfter Melancholie zu verdrängen.


Die Sache mit dem schweren Stand

Chemtrails Over The Country Club ist zwar schon das siebte Album von Lana Del Rey, aber wohl trotzdem die Platte, die mit den widrigsten Umständen zu kämpfen hat. Das liegt zum einen an der Künstlerin selbst: Lana Del Rey hat sich schon immer mit diversen Kontroversen herumschlagen müssen.

Kritiker*innen werfen ihr gerne fehlende Authentizität, Antifeminismus und sogar Glorifizierung von toxischen Beziehungen vor. Mittlerweile feuert die Künstlerin gerne zurück – und vergreift sich dabei auch mal empfindlich im Ton. Das ist jedoch nicht die einzige Hürde, über die Chemtrails Over The Country Club schweben muss: Schließlich war der Vorgänger Norman Fucking Rockwell! einfach mal so übertrieben gut, dass er all die Kontroversen mit spektakulär schöner Niedergeschlagenheit weggewischt hat. Die Erwartungshaltung an den Nachfolger ist also dementsprechend hoch.
  • Lana Del Rey - Chemtrails Over The Country Club
    Der Lieblingstonträger der Woche

Gegen all das muss sich jetzt Chemtrails Over The Country Club beweisen. Kann das überhaupt gelingen?



Traumhafter Nervenzusammenbruch

Chemtrails beginnt ungewohnt: Über hauchendes Klavier wagt sich Lanas Stimme deutlich aus der gewohnten Komfortzone. Mit nahezu atemloser Kopfstimme sinniert sie mit einer gehörigen Portion Bedauern über ihr Leben vor dem Durchbruch – der amerikanische Traum klingt viel mehr nach einer Panikattacke. Auch wenn Lana schnell wieder in ihre gewohnte Stimmlage zurückfindet, wird hier die Marschrichtung für den Rest der Platte vorgegeben:

Chemtrails Over The Country Club ist persönlicher, reduzierter und intimer als die Vorgängerplatte.

Dieses Mal wird weniger der komplette American Way of Life auseinandergenommen, Lana Del Rey kümmert sich mehr um ihr eigenes Seelenleben. Natürlich schmecken ihre Songs immer noch nach Cola Light, filterlosen Zigaretten und wahrscheinlich auch nach wehender Amerikaflagge, aber im Zentrum stehen Lana Del Reys chaotischer Lebensweg durch die Popwelt.

Produzent Jack Antonoff war auch wieder mit an Bord, allerdings hat er gar nicht erst versucht Norman Fucking Rockwell! In Sachen Opulenz zu übertreffen. Lana lässt sich oft nur von schwermütigem Klavier oder sanft gezupfter Gitarre begleiten. Orchestrale Momente gibt es deutlich seltener, dafür sind sie umso effektiver: Der Moment als ein Streichereinsatz den Titeltrack in ein niederschmetterndes Nichts zieht, zeigt schnell wieder auf, warum diese Künstlerin trotz aller Kontroversen immer noch so wahnsinnig wichtig ist. Ihr siebtes Album ist vielleicht nicht die gleiche Offenbarung wie der direkte Vorgänger, aber es schafft genug neue Akzente, um immer hörenswert zu bleiben.


Der Hintergrundlärm bleibt

Eins ist schonmal sicher: Mit Chemtrails Over The Country Club werden die Kontroversen um Lana mit Sicherheit nicht aufhören. Gefühlte Minuten nach dem Release hat Lana Del Rey schon die nächste Platte angekündigt – und zur verbalen Schelle gegen Kritiker*innen ausgeholt. Sie wird wohl noch lange Zeit eine enorm polarisierende Künstlerin bleiben.

Und trotzdem ist es immer wieder faszinierend, wie Lana Del Reys Musik jeden noch so lauten Trubel sanft, aber bestimmt in den Hintergrund drängt.




Tracklist: Lana Del Rey - Chemtrails Over The Country Club

01 White Dress
02 Chemtrails Over The Country Club
03 Tulsa Jesus Freak
04 Let Me Love You Like A Woman
05 WIld At Heart
06 Dark But Just A Game
07 Not All Who Wander Are Lost
08 Yosemite
09 Breaking Up Slowly
10 Dance Till We Die
11 For Free

Chemtrails Over The Country Club von Lana Del Rey wurde am 19. März 2021 via Universal veröffentlicht.

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