Diskussion um Getränkeverbot auf Dillons Konzert

Diskussion um Getränkeverbot auf Dillons Konzert

Die Künstlerin äußert sich zum Vorfall

Am letzten Freitag hat Dillon im Technikum live gespielt. Irgendwie ist die Stimmung gekippt - auf Facebook wurde der Fall von ihren Fans akribisch dokumentiert und kommentiert. Was allerdings warum genau vorgefallen ist, wollten wir von Dillon selbst wissen.

Konzerte, auf denen das Fotografieren verboten ist, sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Bedeutet ja auch gleichzeitig, dass nervige Hobby-Filmer ihr Handy einfach mal stecken lassen und das Konzert direkt und ohne Zwischenmedium erleben können. Was aber, wenn auf scheinbaren Wunsch der Künstler die Bars geschlossen werden. Ein Ausschankverbot kann zwar die Anzahl an betrunkenen Pöblern senken, in einer vollen Halle ist aber nach ca. 30 Minuten ein Klima erreicht, in dem es ohne Getränke schon mal ungemütlich werden kann. 

Im Falle von Dillons Auftritt im Münchner Technikum reagierte das Publikum auf geschlossene Bars zum Teil mit Pöbeleien und Zwischenrufen, weshalb Dillon vermeintlich damit gedroht haben soll, die Bühne zu verlassen - so die Geschichte in den Kommentarleisten auf Facebook. Im Gespräch mit Max äußert sich Dillon noch einmal zum ganzen Vorfall:
Ich habe es als ziemlich aggressiv empfunden, weil ich angeschrien wurde - ich habe mich sehr vor den Kopf gestoßen gefühlt. Ich habe die Bar nicht in meinem Namen schließen lassen. [...] Ich habe es auch erst im Nachhinein mitbekommen. Worauf ich immer bestehe ist, wenn es die Möglichkeit gibt die Bar zu schließen, diese zu schließen. Ansonsten würde ich niemals aufgrund des Veranstalters oder meinetwegen des Publikums eine Bar schließen lassen, sodass man überhaupt nichts mehr zu trinken im ganzen Venue bekommen kann, never. Es gibt so viele Konzertsäle wo die Bars ohnehin draußen sind - das finde ich ideal. Ich finde je stiller es ist, desto stiller kann das Konzert sein und desto freier kann ich mich bewegen. Es ging erst recht nicht darum, keinen Alkohol auszuschenken und genauso hat man mich dann angeschrien, als hätte ich den Hahn zugedreht praktisch. [...] Und ich habe es erst mitbekommen durch diesen Zettel der da lag.

Max: Wir haben mit Hörern gesprochen, die meinten, dass es eigentlich total schön war, was sich dort ergeben hat. Weil auf diese Situation hin alle komplett gemeinschaftlich gesungen haben.
Nein, das war nicht daraufhin. Es war zwischen zwei Liedern und ich wollte dieses Lied singen und ich war mir nicht sicher, denn es ist ein Moment, der nur acapella ist. Ich bin nicht immer selbstbewusst und manchmal kann ich die Situation nicht einschätzen. Da trau ich mich nicht zu fragen, ob wir das zusammen singen können - das ist aber nicht daraus entstanden. Ich bin zum Micro gegangen und hab überlegt, ob ich frage oder nicht und in der Zeit, wo ich überlegt habe und meine Neren gesammelt habe, brüllt mich halt jemand an. Für mich war das halt auch krass, weil es ein Mann war - ein fremder Mann schreit mich an.

Max: Ihn haben gleich andere Leute zurückgehalten...
Ja, okay, aber das ist ja nichts in der Sache. Don't fight hate with hate! Darum geht's mir ja auch nicht. Ich habe auch nicht gedroht das Konzert abzubrechen, sondern ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt erwünscht bin in dem Moment.

Max: Es ist für unsere Hörer und diejenigen, die auf dem Konzert waren, gut auch mal deine Meinung zu hören. Man kennt es ja, wenn jemand ständig quatscht, ich will aber den Song hören und es ist ein schönes ruhiges Lied. Dann nervt mich das natürlich auch, wenn alle am Rumgrölen sind. Achtest du normalerweise immer darauf, ob die Bar außerhalb des Raumes ist?
Ja, ich meine, ich habe sehr oft und sehr lange immer Theatern gespielt, aber das ist eine andere Atmosphäre. Manchmal ist es toll in einem Keller oder einem Jazz-Club zu spielen. Es gibt nicht immer die Möglichkeit, keine Bar in dem Saal zu haben. Und wie gesagt, ich bin auch nicht blöd. Ich verstehe schon, dass Veranstalter mit Getränken usw. etwas verdienen. Ich würde niemals so aggressiv, ohne Vorabmachung irgendwie sagen: 'Die Bar hat jetzt zu schließen'.

Max: Vielleicht solltest du einfach die nächste Tour "don't talk at my concert" nennen.
Ja, aber then I'm the bitch. Das ist genau das, was ich sage. Ich fand es war ziemlich freundlich von mir. Es ist ja nicht so als hätte ich gesagt: 'Fickt euch und verpisst euch'. Aber es war ganz schlimm, dass ich etwas gesagt habe. Wie unsympathisch ich bin, ich möchte sie kontrollieren, usw. usw. Ich [dachte mir] so: 'Hä?', Okay, also ich glaube, egal was ich mache oder sage, man kann es dann so umdrehen wie man möchte. Wie gesagt, dieser Zettel, der in München aus lag - als ich den gelesen habe, dachte ich: 'Ernsthaft?! Wer hat das gemacht?!' Das ist so auf meine Kosten. Ich spreche nicht mal so.'

Max: Wie hätten sie es lösen sollen deiner Meinung nach?
Sie hätten zu mir kommen können und fragen: 'Ist es okay, wenn wir innen die Bar zumachen und außen offen lassen?' Das war ja möglich. Ich war nicht informiert, dass es in meinem Namen [war]. Dieser Zettel, der auslag, war so passiv aggressiv. 

Max: Viele Leute gehen ja auch in's Theater und wissen, wie es dort läuft.
Genau, aber die wissen ja auch von Anfang an wie es da läuft. ich habe das Gefühl, bei meinen Konzerten kommen ganz viele Leute mit einer bestimmten Vorstellung, was ich da zu erledigen habe - und wenn es in eine andere Richtung geht. [...] Ich habe das Gefühl manche Leute wollen Remixe von "thirteen thirtyfive" hören und dann wieder gehen - und halt ein Bier trinken. Da kommen die [zum Konzert] hin, verstehen das Lied nicht und wollen dann Bier trinken. 

Max: Wir hoffen, dass du trotzdem wieder nach München kommst und das auch gerne.
Na klar komme ich wieder nach München. Aber eventuell spiele ich dann dort woanders. (lacht)
  • Dillon im Interview zum Barskandal

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