Der Fünf-Stunden-Arbeitstag

Der Fünf-Stunden-Arbeitstag

Effizienz durch kürzere Arbeitszeit

Klingt zu schön um wahr zu sein, oder? Nur noch 25 Stunden die Woche zu arbeiten klingt wie ein Traum, der einfach zu schön ist, um wahr zu sein. Lasse Rheingans hat aber genau das zur Realität für sich und seine Mitarbeiter gemacht.

Sport treiben, Zeit mit der Familie und Freunden verbringen, den Haushalt schmeißen und gelegentlich auch mal alleine sein – das alles ist bei einer 40 Stunden Woche gar nicht mal so wenig. Wie viel mehr Zeit hätten wir für all die schönen Dinge des Lebens, wenn wir am Tag zwei bis drei Stunden weniger Arbeiten würden! Hach wäre das schön...
Und genau dieses schöne Gefühl erleben gerade die zwölf Mitarbeiter der IT-Firma Rheingans Digital Enabler in Bielefeld. Dort hat der neue Chef Lasse Rheingans nämlich vor knapp über einem halben Jahr das neue Arbeitskonzept eingeführt. Eine 25-Stunden-Woche für denselben Gehalt und gleichen Urlaubsanspruch. Äh, okay. Und wie funktioniert das ganze bitte?

Genau das haben wir uns auch gefragt und eine Runde mit dem Chef über die Arbeit in der Firma und viele weitere Fragen geschnackt...


Lachen oder Weinen?

Die ziemlich große Veränderung kam für die wenigen Mitarbeiter der Agentur ziemlich überraschend. Gerade erst vor zwei Wochen kam der neue Chef und jetzt so etwas. Die Reaktion der Mitarbeiter sei unterschiedlich gewesen:
"Die Kollegen wussten nicht ob sie lachen der weinen sollten."
- sagt Lasse Rheingans.

Neben der Freude über die neu erlangte Freizeit kam schnell auch die Sorge, sie würden ihre Aufgaben nicht rechtzeitig schaffen. Schnell waren aber alle überzeugt von der Umstellung. So 'ne 25 Stunden Woche klingt ja auch ganz gut.

Bestehende Probleme

Der Chef der kleinen Firma freute sich über die Bedenken einiger Mitarbeiter, denn genau das zeigte auf, dass bereits in dem Acht-Stunden-Tag einige der Kollegen maßlos überfordert waren.
"Durch die Reduktion der Arbeitszeit kam einfach ganz deutlich zum Vorschein, wo Kollegen schon vorher total überlastet waren"
- und genau solchen Problematiken soll durch die Verkürzung entgegengewirkt werden. Die neue Arbeitszeit wirkt wie eine Lupe auf bestehende Probleme in einer Firma und lässt sich dadurch beheben.

5 Stunden am Tag machen glücklich

Rheingans ist bereits in seiner vorigen Firma an manchen Tagen früher nach Hause gegangen – hat sich selbst einen Fünf-Stunden-Tag auferlegt und dabei ziemlich schnell bemerkt, dass er trotzdem sein Pensum schaffte, dabei allerdings deutlich entspannter und motivierter in dem kurzen Arbeitstag war. Es führte dazu, dass er alles in allem zufrieden in seinem Leben neben und bei der Arbeit war. Und bekanntlich ist es doch so, wenn man generell zufriedener mit sich und seinem Leben ist, übernimmt man das auch auf seine Arbeit. Rheingans arbeite besser und motivierter an einem kürzeren Arbeitstag und genau das ist, was er nun auch bei seinen Kollegen erlebt.

Organisation

Aber wie organisiert man sowas? Einfach drei Stunden des Tages wegfallen lassen, da schafft man doch niemals alles, oder?

Es hat wohl einfach alles mit der richtigen Organisation zu tun - wir verlieren zu viel Zeit bei Dingen, bei den es gar nicht nötig ist. Sei es die WhatsApp Nachricht, die noch unbedingt durchgelesen werden muss, weil sonst die Welt untergehen würde, die vielenMails, bei denen alle im CC gesetzt sind, oder die standardisierten Eine-Stunde-Konferenzen. Nach Rheingans sei das alles nicht notwendig und würde einen unnötig länger am Arbeitsplatz verharren lassen. Die Agentur hat sich zur Aufgabe gestellt herauszufinden, wie sie schneller, besser und effizienter arbeiten können. Da fängt es bei neuen Tastaturen und Headsets, um den Griff zum Telefonhörer zu sparen, an und hört bei einer neuen Software auf.

Macht die Arbeit dennoch Spaß?

Natürlich fehlen die Gespräche an der Kaffeemaschine nicht, sie sind einfach nur viel viel kürzer. Der Kontakt mit den Kollegen wird auf nach die Arbeit verschoben, erzählt uns Rheingans. Niemand will dem anderen seine Arbeitszeit nehmen, damit bis 13 Uhr alles geschafft wird. Die Kollegen wollen sich untereinander und ihrem neuen Chef beweisen, dass sie das alles schaffen und genau dieser Plan geht auch auf. Der Chef der keinen Agentur erzählt uns von einer sehr interessierten und konzentrierten Arbeitsatmosphäre und zum Schluss wird nach der Arbeit gemeinsam gekocht.

Zu viel Freizeit?

So, und was macht man jetzt mit so viel Freizeit? Easy: Man hat mehr Zeit für die Kinder, eigene Interessen und alte Hobbies werden wieder ausgepackt. Was Rheingans aber am meisten überrascht und auch gefreut hat:
 "Alle Mitarbeiter machen einen Job, für den sie brennen. Das heißt, wenn man nun einen Designer oder Software-Entwickler hat, dann freuen sie sich, sich endlich mit Muse weiterbilden zu können – sie haben einfach Zeit dazu."

Und dieses aus Eigeninitiative neuerlernte Wissen wird dann gerne und mit Stolz bei der Arbeit präsentiert. Das ist der Grund, wieso Rheingans sich genau dafür entschieden hat. Seine Mitarbeiter haben Lust eine gute Arbeit zu machen – das geht eben auch innerhalb von fünft Stunden. Und das seiner Meinung nach sogar auch noch viel besser.



Wir haben noch weitere Details erfahren und falls du nun auch scharf auf so ein neues Arbeitskonzept bist, hörst du dir am besten das gesamte Interview mit dem Agentur-Chef an.
  • Das komplette Interview mit Lasse Rheingans

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