Was es mit der Flugscham auf sich hat

Was es mit der Flugscham auf sich hat

Muss man sich schämen, wenn man viel fliegt?

Dass die Schweden uns in einigen Punkten voraus sind, ist ja nichts Neues. Um die Umwelt zu schützen erfanden sie deshalb kurzer Hand die Flugscham.

Fliegen trotz Umweltbewusstsein?

Das allgemeine Bewusstsein und Wissen über den Klimawandel steigt. Meint man zumindest. Wir verzichten öfter auf Fleisch, fahren mehr mit dem Rad statt Auto, leben minimalistisch und kaufen zunehmend mehr unverpackte Lebensmittel - oder zumindest sprechen wir viel darüber und machen uns die Lage deutlich.

Aber in den Urlaub wird meistens immer noch geflogen - ob uns nun bewusst ist, welche Auswirkungen das Fliegen hat oder nicht. 

Die Schweden wollen daher dieses Thema in den Vordergrund rücken, denn auch wenn ihre Öko-Bilanz seit 1990 gesunken ist, geflogen sind sie um 61 Prozent mehr. Mit dem Hashtag #jagstannarpåmarken ("Ich bleibe am Boden") wollen sie Leute dazu bewegen, weniger zu fliegen und dafür mehr alternative Fortbewegungsmittel zu benutzen.

Und es funktioniert: Es gibt zum Beispiel dadurch ausgelöst eine Facebook-Gruppe mit über 30.000 Mitgliedern, die sich ausschließlich über Empfehlungen über Bahnreisen austauschen.

Das Ganze läuft übrigens unter dem Begriff "flygskam" (Flugscham) und ist im letzten Jahr sogar weltweit zunehmend ein feststehender Ausdruck dafür geworden, dass sich Leute aufgrund des Klimawandels weniger ins Flugzeug setzen.

Oder sich zumindest für eine Flugreise schämen. Der Begriff ist nicht nur auf Social Media bekannt, auch Prominente setzten sich für eine gesellschaftliche Veränderung ein. Der Ex-Biathlet und Olympia Sieger Björn Ferry zum Beispiel sollte vor einigen Monaten in der Wintersportsaison Kommentator des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sein. Dieses Angebot nahm er jedoch nur unter einer Bedingung an:

Er möchte jede Strecke mit der Bahn statt mit dem Flugzeug hinter sich legen, da er auch die letzten zwei Jahre wegen seiner Öko-Bilanz nicht geflogen sei. Auf den ehemaligen Spitzensportler wartete dann also eine 13.000 Kilometer lange Strecke, unter anderem nach Italien, Slowenien und Norwegen.

Ein gutes Vorbild ist auch die schwedische Kulturministerin Alice Bah Kuhnke, die für offizielle Termine nach Paris, Canne und Berlin auch ausschließlich mit der Bahn reiste.



Aus flygskam wird smygflyga

Weil einige das Fliegen durch die Klimadiskussionen mittlerweile wirklich peinlich finden, gibt es nach der "flygskam" nun eine neue Gesellschaftsentwicklung: Durch die Flugscham entsteht nämlich in manchen Kreisen zunehmend ein sozialer Druck, für Urlaubs- oder Geschäftsreisen auf keinen Fall in ein Flugzeug zu steigen. Also Folge kommt es dann zum sogenannten "smygflyga", wasbedeutet, dass Menschen es dann einfach heimlich tun und niemandem von ihrem gebuchten Flug erzählen.

Fliegen bleibt dabei aber natürlich Fliegen - dem Klima ist es dabei herzlich egal, ob du es deinen Mitmenschen erzählst oder nicht.

Wir können uns auf jeden Fall (mal wieder) eine Scheibe von den Schweden abschneiden und bei der nächsten Urlaubsplanung auch ein bisschen auf dem Boden bleiben.

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