Napoleon

Napoleon

egoFM Trailer: Filmtipp

Von  Fabian Broicher
Regie-Altmeister Ridley Scott erzählt in einem monumentalen Film von Napoleon Bonaparte. Ob der Film an Großtaten wie 'Gladiator' heranreicht, weiß egoFM Kinoredakteur Fabian Broicher.



Mit Epen, egal welcher Couleur, kennt Ridley Scott sich aus

Einst wie Blade Runner und Alien im Weltall verortet, später dann in historischen Settings bei Gladiator und 1492 – Die Eroberung des Paradieses, neigt der Brite zu bombastischen Geschichten. Passend deswegen, dass Napoleon nun das nicht immer einfache Leben einer der bekanntesten Figuren der europäischen Geschichte beleuchtet. In dieser Hinsicht wirkt Scotts neuer Film im positiven Sinn wie aus der Zeit gefallen: In knapp 160 Minuten holt der legendäre Regisseur zu visuell großen Gesten aus, nutzt reale Schauplätze statt Greenscreen und Statisten statt computergenerierten Bildern. Für das Glück, imposante, kluge und handgemachte Filme im Jahr 2023 sehen zu können, lohnt der Kinobesuch allein. Obendrein ist Napoleon mit Joaquin Phoenix in der Titelrolle und Vanessa Kirby als Kaiserin Josephine erstklassig besetzt.

Worum geht es in Napoleon?

Napoleon beginnt zu den Hochzeiten der Französischen Revolution. Das Volk ist gespalten, Aufruhr an der Tagesordnung. Dort beweist sich der Feldherr Napoleon Bonaparte als genialer Stratege, der sowohl gegen seinen Landsleute wie gegen die Alliierten, etwa in Toulon. Diese Verdienste führen schließlich auch zu Napoleons Kaiserkrönung im Jahr 1804. Menschlich allerdings gerät der starrsinnige und egomanisch veranlagte Mann schon bald in Verruf, ein Rüpel zu sein. Die Beziehung zu seiner großen Liebe Josephine verläuft mehr als nur toxisch.

So verlässt Napoleon einmal die Front in Ägypten, nachdem die französische Presse über eine Affäre seiner Frau berichtet. Später demütigt er sie mit einer öffentlichen Scheidung, da sie ihm keinen Thronfolger zu gebären können scheint. Auf diplomatischer Ebene hat er für andere Staatsoberhäupter nichts als Verachtung übrig. All das führt so weit, dass Frankreich ihn schließlich ins Exil schickt. Doch das nimmt Napoleon nicht so einfach hin…
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Der Trailer für Napoleon


So ist Napoleon

Ridley Scott erzählt seinen Napoleon stringent und chronologisch. In beeindruckenden Bildern beleuchtet er die berühmten Schlachten: Waterloo, der Russlandfeldzug und die Schlacht von Austerlitz. In letzterer gelingt es der stark dezimierten französischen Armee gleich zwei gegnerische Parteien zu besiegen. Im tiefsten Winter lockt Napoleon die russischen und österreichischen Armeen durch einen Hinterhalt auf einen zugefrorenen See und lässt die Eisdecke im Kanonenfeuer anschließend durchbrechen. Auf diesem Wege kommt man dem militärischen Genie des Napoleon Bonaparte nahe, dem Menschen dahinter allerdings nicht. Zum einen entscheidet sich der Regisseur dafür, wichtige Ereignisse bloß abzuarbeiten. Das wirkt in den schlimmeren Momenten so, als würde man in Hochgeschwindigkeit durch ein Geschichtsschulbuch blättern.

Außerdem widmet Scott einen Großteil seines Films auf die Liebesbeziehung zwischen Napoleon und Kaiserin Josephine. Mit elektrisierenden Schauspielleistungen treffen hier Vanessa Kirby und Joaquin Phoenix aufeinander und zeichnen ein wenig schmeichelhaftes Bild der Titelfigur, getrieben, unbarmherzig, beratungsresistent und größenwahnsinnig. Auf emotionaler Ebene genügt das leider nicht, um die Menschen hinter den historischen Figuren zu verstehen. Charakterlich bleibt Napoleon oberflächlich – etwas, das womöglich in der längeren Fassung des Films eleganter gelöst wird. Denn die 158 Minuten, die zurzeit im Kino zu sehen sind, sind lediglich eine kurze Version des Films, der nächstes Jahr auf AppleTV+ im Stream zu sehen sein wird. Damit ist Napoleon eine Enttäuschung, vor allem nach Scotts meisterhaftem House of Gucci. Visuell stark, sonst fehlt jedoch der Tiefgang.

Dafür gibt's nicht mehr als 5 von 10 Napoleon-Komplexe.

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