Barrierefreiheit auf Social Media

Barrierefreiheit auf Social Media

Wie Inklusion auch online geht

Von  Sabrina Luttenberger
Wie Barrierefreiheit auf Social Media aussieht und was jede*r von uns beachten kann, liest du hier.


Barrierefreiheit off- und online

Ob Rampen oder Aufzüge bei U-Bahn Stationen für Menschen im Rollstuhl oder Leitstreifen auf dem Boden für Sehbehinderte Menschen. Auf Barrierefreiheit sind Menschen mit Behinderung jeden Tag angewiesen. Aber Barrierefreiheit spielt nicht nur offline eine Rolle, sondern auch digital. 
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Social Media Nutzung mit Hilfsmitteln

Mal eben durch Twitter scrollen, ein paar TikTok Videos zur Unterhaltung anschauen oder die neusten Urlaubsposts von Freund*innen auf Instagram liken. Für viele easy, für manche aber gar nicht so selbstverständlich. Ob Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen oder Personen mit Lernschwierigkeiten. Sie können Inhalte oft nur dann konsumieren, wenn sie barrierefrei sind. Barrierefreiheit auf Social Media - dafür setzt sich auch Webentwicklerin Casey ein. Sie hat seit ihrer Geburt eine starke Sehbehinderung und nutzt deshalb für einige Plattformen Hilfsmittel. Durch Twitter scrollt sie abends zum Beispiel manchmal mit einem Screenreader.

Ein Screenreader ist eine Software, die den Bildschirminhalt so umwandelt, dass ihn eine künstliche Sprachausgabe vorliest oder in Blindenschrift umwandelt. Bei einigen Plattformen, erzählt Casey, funktioniert das schon ziemlich gut. Denn Texte können von einem Screenreader ganz einfach umgewandelt werden. Bei visuellen Inhalten, auf denen in sozialen Medien oft der Schwerpunkt liegt, ist das allerdings nicht der Fall. Hier müssen also auch diejenigen, die die Inhalte posten, auf Barrierefreiheit achten.


Wie Alternativtexte funktionieren

Eine Möglichkeit, seine Bilder barrierefrei zu machen, sind deshalb sogenannte "Alternativtexte", also Bildbeschreibungen, mit denen User*innen erklären, was auf einem Foto zu sehen ist. Wie ein guter Alternativtext aussieht, erklärt Heiko Kunert, Experte der Initiative Barrierefrei posten. Er ist seit seinem siebten Lebensjahr blind und nutzt auf Social Media deshalb auch Alternativtexte.
"Was möchte ich den sehenden Nutzer*innen transportieren mit diesem Bild? Diese Info brauchen dann auch blinde Menschen im Alternativtext. Ansonsten hilft es manchmal, sich vorzustellen, man würde am Telefon ein Bild kurz beschreiben. Man fängt immer an mit dem Wichtigsten, also das, was wirklich unerlässlich ist, um den Kontext zu verstehen. Und dann kann man durchaus ein bisschen ins Detail gehen, je nachdem was das für ein Bild ist." - Heiko Kunert

Die Bedeutung von leichter Sprache

Was für viele Menschen mit Behinderung außerdem eine große Rolle spielt, ist leichte Sprache. Sie hilft vor allem Menschen mit Lernschwierigkeiten, Gehörlosen oder zum Beispiel auch denjenigen, die gerade erst deutsch lernen. Leichte Sprache ist zwar auf Social Media noch nicht so präsent, trotzdem findet Heiko es wichtig, auch dort darauf zu achten. Jede*r kann versuchen, einfacher und verständlicher zu schreiben, kürzere Sätze zu schreiben oder weniger Fremdwörter zu nutzen. Das helfe auch schon einigen, Texte und Zusammenhänger besser nachzuvollziehen.

Wunsch nach mehr Awareness

Es gibt also schon viele Möglichkeiten – Luft nach oben ist aber natürlich immer noch. Casey wünscht sich deshalb Folgendes:
"Natürlich mehr Awareness bei allen möglichen Menschen, insbesondere bei Entscheidungsträger*innen und Menschen mit Macht [...], dass wir an der Demokratie mitmachen können, dass wir sehen, was grade passiert. Und natürlich würde ich mir auch Barrierefreiheit bei Menschen mit anderen Behinderungen wünschen, also für Hörbehinderte, damit diese eben auch teilhaben können. Barrierefreiheit ist ein intersektionales Thema [...] und das funktioniert nur, wenn wir andere Gruppen [...] miteinbeziehen und diese Probleme zusammen angehen und nicht isoliert betrachten." - Casey

Wir alle können also was tun für Barrierefreiheit. Egal ob auf Social Media oder offline. Am Ende profitieren nämlich alle davon.



Tipps für Barrierefreiheit auf Social Media

Wir haben dir hier mithilfe von Casey und Heiko noch eine Liste zusammengestellt, die du beachten kannst, damit du dein Social Media barrierefrei gestaltest:

  • Nutze für deine Fotos Alternativtexte. Du kannst sie dabei direkt in den Postingtext schreiben und/oder in den einzelnen dafür vorgesehenen Feldern eingeben. Twitter kennzeichnet Posts mit Alternativtexten zum Beispiel mit ALT. Es hilft sonst auch, wenn du die Posts mit einem !B versiehst, damit erkennbar ist, ob dein Post einen Alternativtext hat.
  • Nutze nicht zu viele Emojis auf einmal und unterbrich damit nicht deinen Text. Weil Emojis von einem Screenreader vorgelesen werden, stören sie durch ihre langen Beschreibungen oft. Deshalb Emojis am besten auch im Usernamen vermeiden, sonst werden sie jedes Mal wieder vorgelesen.
  • Verzichte auf Font-Generatoren für deine Profile. Der Grund: sie können von Screenreadern nicht vorgelesen werden können.
  • Nutze für Videos Untertitel. So können auch hörbehinderte und gehörlose Menschen den Videos folgen.
  • Schreib jedes neue Wort im Hashtag und Abkürzungen im Hashtag groß. Damit kann die Sprachausgabe des Screenreaders den Hashtag richtig ausgeben.
  • Schreibe kurze Sätze und verzichte auf unnötige Fremdwörter. Wenn du Fremdwörter benutzt, erkläre sie.
  • Schreibe Abkürzungen auf jeden Fall einmal aus.
Mehr über Barrierefreiheit im Internet findest du in diesem Artikel.



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