Das erste Café für deine Mental Health

Das erste Café für deine Mental Health

Das Interview zum Nachhören

Dominique de Marné möchte Deutschlands erstes Mental Health Café eröffnen. Mit unserer Moderatorin Gloria spricht sie über das Konzept und die Verwirklichung des besonderen Cafés in München.

Mehr als nur guter Kaffee

Bei körperlichen Schmerzen holt man sich ärztliche Hilfe, bei mentalen Problemen psychologische Unterstützung - oder?

Leider sieht es bei Letzterem oft aufgrund gesellschaftlicher Stigmata etwas anders aus und Betroffene bleiben mit ihren Problemen noch alleine. Meistens auch deshalb, weil psychische Gesundheit für viele bisher noch schwieriger zu greifen ist, als beispielsweise eine Knieverletzung. 

Um das zu ändern und das große, essentielle Thema Mental Health mehr in die Gesellschaft zu bringen, entwickelte Dominique de Marné die Idee für das erste Mental-Health-Café Deutschlands.


Ein Ort zum Wohlfühlen

Auf den ersten Blick soll das Café für Besucher*innen so aussehen, wie ein Kaffeehaus aus dem Bilderbuch: gemütlich, einladend, einfach zum Wohlfühlen. Doch in Dominiques Café Berg & Mental soll sehr viel mehr serviert werden als nur guten Kaffee:

Neben einigem Infomaterial soll es hier nämlich bald auch verschiedene Workshops und Gruppen geben, die sich mit dem Thema Mental Health beschäftigen - sowohl für Betroffene psychischer Krankheiten als auch für Angehörige. 

Insgesamt möchte sie in ihren Räumlichkeiten eine Atmosphäre schaffen, die es für jede und jeden einladend macht. So stellt sich Dominique das erste Mental Health Café Deutschlands bisher vor, dessen Eröffnung für Herbst 2019 geplant ist.

Wieso ein Café für Mental Health?

Schon seit mehreren Jahren setzt sich Dominique persönlich sehr dafür ein, dass sich die Wahrnehmung über psychische Gesundheit in der Gesellschaft verändert und das Thema nicht länger still geschwiegen wird. Sie selbst fing zunächst in ihrem Blog Traveling the Borderline an, Stigmata zu beseitigen, indem sie das Schweigen über Mental Health brach und auf ehrliche sowie humorvolle Art und Weise über ihre eigene Borderline-Erkrankung berichtete. 

Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema stieß sie auf das Sip of Hope in Chicago, dem weltweit ersten Café, dessen Einnahmen zu 100 Prozent in Suizidprävention und Aufklärungsarbeit gesteckt werden. Inspiriert von dieser Idee entwickelte sich bei einer Kaffeerunde für Dominique bei einer Uni-Aktionswoche zum Thema Mental Health die Idee eines eigenen Cafés, dem Berg und Mental.

"Dem Thema einen Kaffee vor die Nase setzen"

Ob ein kleiner oder großer Tisch, ein offenes Gespräch oder einfach nur ein Kaffee in umsorgter Gesellschaft - jeder Gast kann sich hier sein Art zum Wohlfühlen selbst wählen.

Die einzige Voraussetzung ist, dass man sich an die Hüttenregeln hält: Jede*r wird so akzeptiert, wie er oder sie ist.

Es soll ein Ort entstehen, an dem niemand perfekt sein muss. Ein angenehme Atmosphäre, um mit anderen über die eigenen Probleme sprechen zu können - aber nicht zu müssen.
"Zu uns kann jeder kommen. Wir alle haben manchmal blöde Gedanken oder Gefühle. Man braucht auch keine Diagnose, um bei uns willkommen zu sein, weil wir einen präventiven Ansatz verfolgen. Wir wollen dem Thema einfach einen schönen Raum geben und eine gute Tasse Kaffee vor die Nase setzen."

Ganz wichtig ist der Gründerin auch, Angehörigen psychisch Erkrankter einen Rahmen zu schaffen, sich mit anderen Betroffenen über die eigenen Erfahrungen auszutauschen. Dominique erzählt uns im Interview, dass Angehörige oft das Gefühl hätten, damit allein gelassen zu werden. Manchmal täte es einfach gut, mit Leuten zu reden, die wissen, wovon man spricht.

Zudem soll es Angebote verschiedener Workshops geben, die allen Besucher*innen eine Grundlage bieten, ins offene Gespräch zu treten. 

Es geht ihr um einen Rahmen, in dem Gesundheit mehr bedeutet, als ein gesunder Körper allein.


Barista Plus

Für ein rundum-Wohlfühl-Café wird das Personal des Berg und Mental unter anderem mit Workshops zur Krisenkommunikation geschult. Mental-Health First-Aid quasi.

Ein gewisses Bewusstsein und Feinfühligkeit sind dabei die wichtigsten Kriterien. Gäste können sich jedenfalls sicher sein, auf Menschen zu treffen, die mit Empathie und Diskretion den Besucher*innen und ihren Problemen gegenübertreten. Als Ergänzung wird das Mental-Health Café regelmäßig Experten einladen, um tiefgehendere Fragen zu beantworten.

Crowdfunding für das Berg & (Men)Tal

Anfangs sollte das Mental-Health Café Berg & Tal heißen - im Sinne der Metapher, schon mithilfe des gewählten Namens zu zeigen, dass das Leben aus normalen Hoch und Tiefs besteht. 
„Wir wollen mit unserem Ort zeigen, dass das Leben nicht nur bedeutet, auf dem Gipfel zu sitzen und die Sonne zu genießen. Manchmal sitzt man im Tal - das Schöne ist, es geht auch wieder raus. Deshalb wollen wir das Auf und Ab normalisieren und gegen das perfekte Bild der Medien wirken.“
Ein anfänglicher Witz der Grafikdesignerin, ein "Men-" an das Tal zu hängen, stieß schnell auf große Begeisterung - und so entstand daraufhin der finale Name Berg & Mental.

Zur Verwirklichung der Idee des Cafés rief sie Anfang dieses Jahres mit einer Crowdfunding Aktion zur Finanzierung auf – und das erste Funding-Ziel haben sie auch erfolgreich erreicht. An das zweite konnten sie zwar letztlich nicht ganz ankommen, aber wie Dominique so schön sagt, es kann eben nicht immer nur die Sonne scheinen - und das tat der Idee glücklicherweise auch keinen Abbruch.

Mit einem Kredit wird das Berg & Mental trotzdem im Oktober 2019 die Türen öffnen und reichlich Sonnenschein vom Berg ins Tal mit bringen!  



Das Interview zum Nachhören

Hier kannst du dir nochmal das komplette Gespräch zwischen Gloria und Dominique de Marné anhören.
  • Dominique de Marné im Gespräch mit Gloria
    Das Interview zum Nachhören

Design ❤ Agentur zwetschke