Pride-Enzyklopädie: Was bedeutet cis, bi, inter* oder genderfluid?

Pride-Enzyklopädie: Was bedeutet cis, bi, inter* oder genderfluid?

Ein Überblick über die verschiedenen Geschlechtsidentitäten

Seit 2018 ist es in Deutschland möglich, das dritte Geschlecht - divers - im Geburtsregister eintragen zu lassen. Dabei kann divers stellvertretend für viele verschiedene Geschlechtsidentitäten stehen. Wir haben mal die gängigsten aufgelistet und erklärt.

Was am binären Geschlechtsmodell nicht richtig ist

Das in unserer Gesellschaft verankerte binäre Geschlechtsmodell - also männlich und weiblich - benachteiligt alle Menschen, die sich nicht (nur) mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren und stellt dadurch ihre Existenz infrage.

Aus diesem Grund wurde in Deutschland 2018 ergänzend der Begriff 'divers' eingeführt. Divers ist dabei ein Sammelbegriff für alle, die sich eben nicht dem binären Geschlechtsmodell zugehörig fühlen. Innerhalb dieser Gruppe gibt es allerdings jede Menge verschiedene Geschlechtsidentitäten. Wir haben dir die 

Was bedeutet Geschlechtsidentität?

Geschlechtsidentität (auch Gender) bezeichnet, mit welchen/welchem Geschlecht(ern) sich ein Mensch identifiziert. Diese Identifikation ist angeboren und psychologisch tief empfunden. Außerdem ist sie von außen nicht sichtbar, das heißt Geschlechtsidentitäten haben nichts mit Körperteilen oder bestimmten Verhaltensweisen zu tun.

Aufgemerkt: Geschlechtsidentitäten haben auch nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. 

Grundsätzliche Unterscheidung der Oberbegriffe 

Inter*:

Menschen, deren Genitalien, Hormonproduktion oder Chromosomen nicht der medizinischen Norm von 'eindeutig' "männlichen" oder "weiblichen" Körpern zugeordnet werden können.

Trans*:

Alle Menschen, die eine andere Geschlechtsidentität besitzen und ausleben oder darstellen als jenes Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Queer:

Menschen, die in ihrer Geschlechtsidentität - und/oder in ihrer sexuellen Orientierung - von der "Norm" abweichen und sich nicht in die Kategorien Mann oder Frau, heterosexuell oder homosexuell einordnen wollen oder können.

Das Gendersternchen ist ein Versuch, in unserer Sprache sämtliche Identitätsformen und Lebensweisen zu berücksichtigen und mit einzuschließen.

Differenzierung:

Die folgenden Begriffe sind nicht starr, sondern werden von unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Kontexten auch unterschiedlich verwendet. 

Agender/geschlechtslos

Agender Menschen fühlen sich keinem Geschlecht zugehörig, sie haben also keine Geschlechtsidentität, oder sie empfinden Geschlecht als irrelevanten Teil ihrer Identität.

Androgyn

Androgyne Menschen empfinden sich nicht als männlich oder weiblich, sondern als Mischung oder Kombination daraus. Androgynität ist allerdings nicht zwangsläufig eine Geschlechtsidentität, sondern kann sich auch nur auf Kleidung, Aussehen oder Verhalten beziehen.

Bigender

Bigender Menschen haben zwei Geschlechtsidentitäten, die sich entweder abwechseln oder beide gleichzeitig da sind. 

Cis(gender)

Menschen, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, mit dem sie geboren wurden.

Cisgenderfluid

Cisgenderfluide Menschen bewegen sich ähnlich wie genderfluide Menschen zwischen mehreren Geschlechtern, haben aber wenig Probleme damit, als cis wahrgenommen zu werden oder verstehen ihr zugeschriebenes Geschlecht weiterhin als Basis.

Demiboy/Demigirl

Ein Demiboy ist halb männlich, ein Demigirl halb weiblich.

Demigender

Menschen, die sich nur zum Teil mit einem bestimmten Geschlecht identifizieren.

Frau

Ein Mensch, der sich mit dem weiblichen Geschlecht identifiziert, ganz egal ob cis oder trans*.

Genderfluid

Eine Geschlechtsidentität, die zwischen verschiedenen Geschlechtern wechselt. Genderfluide Menschen fühlen sich mal mehr männlich, mal mehr weiblich, mal dazwischen und mal ganz anders. Zwischen welchen Geschlechtsidentitäten es wechselt, ist individuell verschieden.

Genderqueer

Genderqueere Menschen identifizieren sich weder als weiblich noch als männlich, sondern zum Beispiel dazwischen oder ganz anders. Die Abgrenzung zum Begriff "genderfluid" ist nicht immer eindeutig.

Ilyagender

Ein vorhandenes Gefühl von Geschlecht, das nicht männlich, weiblich, neutral, agender oder eine Abwandlung davon ist.

Mann

Ein Mensch, der sich mit dem männlichen Geschlecht identifiziert, ganz egal ob cis oder trans*.

Maverique

Ein klares Gefühl von Geschlecht, das weder weiblich, noch männlich, noch neutral ist.

Neutrois

Neutrois Menschen haben eine neutrale Geschlechtsidentität.

Nicht-binär/Non-binary

Nicht-binäre Menschen identifizieren sich weder als (nur) weiblich noch als (nur) männlich, sondern zum Beispiel dazwischen oder ganz anders.

Pangender

Pangender Menschen haben alle Geschlechtsidentitäten, diese wechseln sich entweder ab oder sind gleichzeitig da.

Polygender

Polygender Menschen haben viele Geschlechtsidentitäten, diese wechseln sich entweder ab oder sind gleichzeitig da.

Questioning

Menschen, die ihre eigene Identität (und sexuelle Orientierung) entdecken, erkunden und hinterfragen.

Trans*frauen (Selbstbezeichnung)

Frauen oder sich (überwiegend) als weiblich verstehende Menschen, denen bei der Geburt das Geschlecht "männlich" zugewiesen wurde. Auch MzF (Mann zu Frau) oder im englischen MtF (Male to Female). Trans*frauen sind Frauen.

Trans*männer (Selbstbezeichnung)

Männer oder sich (überwiegend) als männlich verstehende Menschen, denen bei der Geburt das Geschlecht "weiblich" zugewiesen wurde. Auch FzM (Frau zu Mann) oder im englischen FtM (Female to Male). Trans*männer sind Männer.

Trigender

Trigender Menschen haben drei Geschlechtsidentitäten, die sich entweder abwechseln oder gleichzeitig da sind.

Zwischengeschlechtlich (Selbstbezeichung)

Umfasst verschiedene Selbstdefinitionen sowohl von inter* als auch trans* Menschen, deren Identität und/oder Körperlichkeit nicht in zweigeschlechtliche Normvorstellungen passen.

Zwitter/Hermaphrodit (Selbstbezeichnung)

Doppelgeschlechtlich, also Menschen mit männlicher und weiblicher Geschlechtsausprägung.

Der Zusatz Selbstbezeichnung macht darauf aufmerksam, dass diese Bezeichnungen für Menschen häufig negativ konnotiert sind und von außenstehenden Personen nicht einfach verwendet werden sollten. Als Selbstbezeichnung können sie aber positiv belegt und selbstermächtigend angeeignet werden.



Die Liste soll einen ersten Überblick verschaffen, aber wir wissen, dass wir nicht alle Verwendungsweisen und auch nicht alle Geschlechtsidentitäten aufzählen können, mit denen sich Menschen identifizieren. 

Das wichtigste ist es, Menschen nach der eigenen Selbstbezeichnung (beziehungsweise ihren Pronomen) zu fragen und diese zu respektieren und zu nutzen. Das verlangt ein bisschen Fingerspitzengefühl. Unten haben wir die einen spannenden Blog zum Thema verlinkt.

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