Meinung: Die 21 schlechtesten Musiker

Meinung: Die 21 schlechtesten Musiker

Welche Rockbands und Künstler wir am meisten hassen

Musikgeschmäcker sind nicht immer gleich - und das ist auch gut so. Eine neue Studie hat jetzt die 21 meist gehassten Künstler herausgefunden.

Die einen lieben sie, den anderen Bluten bei den ersten Tönen die Ohren. Wo es Fans gibt, gibt es auch immer Leute, die Musiker*innen abgrundtief hassen. 

Hall of Shame

Selbst Everybody's Darlings wie die Beatles stoßen nicht immer nur auf Liebe. Das liegt natürlich zum größten Teil einfach daran, dass Kunst subjektiv ist. Welche großen Rockbands den größten Hass auf sich ziehen, hat das Magazin Best Life (Ableger von Men's Health) versucht herauszubekommen. Mit einer mehr oder weniger repräsentative Studie versuchten sie zu analysieren, welche Rockbands am unbeliebtesten sind.

Als Datengrundlage nutzen sie zahlreiche Artikel, Foreneinträge, Listen im Netz und Social Media-Gruppen.

Aus allen Rockbands, die von Musikinteressierten immer wieder ihr Fett abbekamen, erstellte das Magazin eine Liste von insgesamt 21 Bands. Danach rankend sie diese Künstler anhand von Verlierer*innenlisten von anderen (Musik)Magazinen. Mit ihrem Hated Band-Index ergab sich folgende Liste

21.  Linkin Park
20.  Spin Doctors
19.  Nirvana
18.  Rush
17.  Pearl Jam
16.  Oasis
15.  Korn
14.  Metallica
13.  The Doors
12.  Green Day
11.  Coldplay
10.  Dave Matthews Band
09.  KISS
08.  Radiohead
07.  Phish
06.  Bob Dylan
05.  Mumford & Sons
04.  U2
03.  Creed
02.  Limp Bizkit
01.  Nickelback

Ewige Nummer eins

Zugegeben - auch wir finden auf dieser Liste die ein oder andere Band, auf die wir getrost verzichten könnten. Bei anderen fragen wir uns, warum sie überhaupt dort gelandet sind - oder zumindest so weit vorne. Und wieder andere suchen wir vergeblich.

Aber warum landet ausgerechnet Nickelback auf dem ersten Platz?

Und das nicht nur auf dieser Liste - sondern so ziemlich überall? Schließlich gibt es noch viele andere erfolgreiche Bands, die sich Jahre lang mit ihren gleichklingenden Schunkel-Dad-Rocksongs über Wasser halten konnten und von Kritiker*innen Musikliebhaber*innen gepriesen werden. Haben wir uns irgendwann einfach alle kollektiv dazu entschlossen, das Nickelback scheiße ist? 40 Tausend Menschen unterschrieben eine Petition, um zu verhindern, das Nickelback 2011 bei der Halftime-Show des Superbowls auftritt. Auf Facebook kannst du über einen Klick herausfinden, welche deiner Freund*innen Nickelback mögen. Das Netz ist voll mit Memes, die die Band durch den Kakao ziehen.


Woher diese kollektive Abneigung?

Mit dieser Frage hat sich tatsächlich schon einmal eine finnische Studentin, Salli Anttonen, auseinandergesetzt. Für ihre Arbeit "'Hypocritical Bullshit Performed Through Gritted Teeth': Authenticity Discourses In Nickelback's Album Reviews In Finnish Media" wühlte sie sich durch zahlreiche finnische Artikel, Interviews, Rezensionen und ja - hörte natürlich auch eine Menge Nickelback. Größter Kritikpunkt: Nickelback fehlt's an Glaubwürdigkeit.
Ihr Fazit nach ihrer Recherche: Nickelback hätten sich, um glaubwürdig zu bleiben, weiterentwickeln und immer wieder aufs Neue ihre Originalität unter Beweis stellen müssen. Stattdessen ist die kanadische Band vorhersehbar und kalkuliert - so der Vorwurf. Außerdem steht Nickelback im krassen Gegensatz zu dem, was man sich (auch heute noch) traditionell unter einer Rockband vorstellt: rebellisch, anti-kommerziell, ehrlich. Es ist weniger Nickelbacks musikalisches Können, sondern was sie daraus machen (oder besser gesagt eben nicht), was sie zur einer der meist gehassten Bands macht. Und vielleicht ist es irgendwo auch ganz beruhigend, dass es eine Band gibt, die diesen Platz einnimmt, die nicht deine Lieblingsband ist. Also lieber dafür sorgen, dass es dabei bleibt?

Salli startete ihre Arbeit mit einem ziemlich passenden Zitat der Soziologin Deena Weinstein, dass die ganze Problematik mit dem Bandshassen noch einmal ganz gut auf den Punkt bringt:
"Bad music isn't about music at all; it's about status for the audience, money for the mediator, and status and money for the critic."

Und so traurig es ist - wenn wir ehrlich sind und mal genauer hinschauen: es stimmt schon irgendwie. Insbesondere bei den großen Musiker*innen. Es geht um dein Image als Band, als Fan, als Kritiker*in und natürlich ums liebe Geld. Musik ist zum Statussymbol geworden und bleibt weiter eine Möglichkeit, den eigenen Charakter zu unterstreichen. Ob du nun richtig hinter der Subkultur stehst, die sich oft hinter den jeweiligen Musiker*innen und Genres versteckt oder nicht. Oft gilt doch: du bist, was du hörst. Und wer will schon als uninspiriert*e, langhaarige*r Langweiler*in gesehen werden? 



Der Rest der Liste

Aber zurück zur Liste der meist gehassten Bands. Neben dem Nickelback-Phänomen der fehlenden Authentizität finden sich natürlich auch Bands, die es einfach durch ihre Persönlichkeit, ihr Auftreten und ihren Bekanntheitsgrad hier her geschafft haben. Wenn du bekannt und ein Arschloch bist, stehen die Chancen nun mal ziemlich gut, dass dich auch ziemlich viele Menschen nicht leiden können (looking at you, Fred Durst).
Wie man mit der Musik von Idioten umgeht, ist natürlich auch wieder eine ganz andere Frage. Aber zumindest lässt sich hier die kollektive Ablehnung irgendwie noch nachvollziehen. Andere Bands wie Radiohead und Nirvana können wir sicher einfach getrost in die Schublade der "überbewertet" packen. Wenn du die Musik einer bestimmten Band sowieso nicht sonderlich leiden kannst, ist es durchaus nachvollziehbar, wenn du irgendwann einen gewissen Groll entwickelst, wenn dir immer wieder unter die Nase gerieben wird, wie toll sie doch sind. Und manchmal rebelliert man eben auch als Hörer*in und denkt sich: Diesen Trend mach ich nicht mit, die mag ich aus Prinzip nicht.

Das Wörtchen Hass

Auch wenn solche Listen natürlich irgendwo spannend sind und man sich innerlich schon irgendwie freut, wenn die eigenen Lieblinge nicht dabei sind oder zumindest ganz weit hinten (Stichwort Identifizierung)... Muss das sein? Es ist doch wunderschön, dass Geschmäcker so unterschiedlich sind und vollkommen in Ordnung, wenn man die Musik von Musiker*innen partout nicht leiden kann.

Aber sich hinzustellen und zu sagen "Die Band ist Scheiße" ist ziemlicher Quatsch.

So lange es irgendwo zumindest eine Person auf der Welt gibt, die genau diesen einen grottigen Song, dieses unterirdische Album, diese peinliche Band feiert, hat sie genau so wie alle anderen ihre Daseinsberechtigung. Dir gefällt sie nicht, aber sie ist nicht scheiße. Zumindest nicht für diese eine Person, die gerade mit einem Grinsen im Gesicht Fahrrad fährt und "How You Remind Me" hört - und fühlt.



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