Plötzlich Blackout. Und jetzt?

Plötzlich Blackout. Und jetzt?

Jaro Krieger-Lamina im Interview mit egoFM Elise

Von  Elise Hoffmann (Interview)
Ein Blackout von jetzt auf gleich - Wie wahrscheinlich ist ein Internet- oder Stromausfall überhaupt und was müssten wir dann tun? Die Antworten hat Jaro Krieger-Lamina vom Institut für Technikfolgenabschätzung in Österreich.


Jaro Krieger-Lamina arbeitet am Institut für Technikfolgenabschätzung an der Akademie der Wissenschaften in Österreich. Dort beschäftigt er sich mit dem Verhältnis zwischen Sicherheit, Überwachung und dem Schutz der Privatsphäre. Weil ein Internetausfall aber nicht komplett ausgeschlossen ist, schaut er sich mit Kolleg*innen auch die Folgen an, die so ein Blackout mit sich ziehen würde.
  • Jaro Krieger-Lamina über einen möglichen Blackout
    Das komplette Interview mit Elise
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Foto: Jaro Krieger-Lamina

Auslöser von Blackouts

Grundsätzlich sei das Internet sehr stabil und fehlertolerant und auch für einen Stromausfall seien Expert*innen gut gewappnet, sagt Jaro Krieger-Lamina. Auslöser für einen Internetausfall könnten mutwillige Abschaltungen in autoritären Regimen oder große Naturkatastrophen sein. Auch Cyberangriffe könnten das Internet lahmlegen. Zuletzt war das 2007 in Estland der Fall, hier hatten Angriffe von außen das Land ganze zwei Wochen lahmgelegt.

 

Internet weg – und dann?

Wenn es bei uns zu einem Internetblackout käme, schätzt Krieger-Lamina, wäre die Verunsicherung auf Verbraucher*innenseite erstmal ziemlich groß. Ohne Internet gäbe es weniger Möglichkeiten, zu kommunizieren.
"Je nachdem was die Ursache ist, kann es sein, dass auch die Telefonie ausfällt…man kann dann den nächsten Angehörigen nicht erreichen […] und schwer erkennen, wie groß der Ausfall ist." – Jaro Krieger-Lamina

Aber nicht nur Einzelpersonen, auch die kritischen Infrastrukturen würde es hart treffen

"Kritische Infrastrukturen (KRITIS) sind Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden", heißt es beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Der Finanzsektor sei dann zum Beispiel massiv betroffen, weil er einen hohen Digitalisierungsgrad hat. Krieger-Lamina meint, die Banken würden vermutlich zusperren und es gäbe vorerst kein Bargeld mehr. Und auch die Gesundheitsversorgung hätte massive Probleme: Vor allem in der Gesundheitslogistik käme es zu Engpässen, weil keine Verbrauchsmaterialien mehr bestellt werden könnten. Zwar hat das Gesundheitswesen für so einen Fall Notfallpläne und eine Akutversorgung, bei länger andauerndem Ausfall würde aber auch ihnen das Material ausgehen.

Neben kritischen Infrastrukturen haben auch andere Unternehmen meist einen Notfallplan, den sie im Falle einer Katastrophe in Kraft setzen können. Müssten das aber viele Organisationen gleichzeitig tun, wären vermutlich die Ressourcen nicht mehr ausreichend vorhanden. In den letzten Jahren wurden viele IT-Services ausgelagert, das würde durch einen Blackout verloren gehen. Außerdem haben viele Unternehmen ihre IT-Abteilung outgesourct und teilen sich IT-Administrator*innen mit anderen. Wem also zuerst geholfen wird, ist hier unklar.



Privater Notfallplan

Ob jetzt Internet-Blackout oder ein kompletter Stromausfall - sollten wir uns als Einzelpersonen auch einen Notfallplan für den Fall der Fälle überlegen? Laut Krieger-Lamina schadet es nicht.
"Bevor man anfängt, Notfallpläne zu schmieden, geht's darum zu schauen: Wo hab ich sozusagen Abhängigkeiten. Die Situation ist ja für jeden unterschiedlich." – Jaro Krieger-Lamina

Seine Tipps für einen eigenen Notfallplan:

  • Falls du regelmäßig Medikamente nimmst, bespreche mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, ob ein Vorrat sinnvoll wäre
  • Lagere Trinkwasser und Essen für ein paar Tage zuhause
  • Vereinbare mit deiner Familie oder Menschen, mit denen du zusammenlebst: Wo treffen wir uns bei einer großflächigen Krise?


Übung für den Ernstfall

Um so eine Situation zu proben, finden in Österreich regelmäßig Übungen statt. Zuletzt "Energie 21", ein Szenario in dem angenommen wurde, dass eine extreme Kälteperiode in Europa zu einem erhöhten Stromverbrauch und zu Einschränkungen in der Stromerzeugung führe und eine "Strom-Mangellage" die Folge sei. Es wurden Abläufe geübt, die die Versorgung in so einem Fall sicherstellen können. Und auch Krieger-Lamina ist von der Vorbereitung innerhalbe des Stromsektors begeistert.
"Wenn man mit dem österreichischen Übertragungsnetzbetreiber spricht, gehen die davon aus, dass sie selbst bei einem großflächigem Blackout in Österreich das Übertragungsnetz in maximal 48 Stunden wieder aufgebaut haben." – Jaro Krieger-Lamina



Profis verhindern Blackout

Durch seine Arbeit und Forschung an Blackouts ist Krieger-Lamina außerdem entspannter geworden, was einen möglichen Blackout angeht:
"Es ist ja nicht so, dass man dann irgendwie entdeckt: oh mein Gott, niemand hat sich darüber Gedanken gemacht […] da arbeiten Profis dran 24 Stunden am Tag, dass das nicht passiert […] die haben auch Pläne was passiert, wenn der Strom weg ist oder wenn Plan A nicht funktioniert. Da wird schon sehr viel Arbeit geleistet." – Jaro Krieger-Lamina

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