L wie Leugner*innen

L wie Leugner*innen

egos4future - Von A bis Z

Von  Miriam Fischer
Jeder Buchstabe ein Thema: Wir fassen die Basics zu Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit zusammen. Diese Woche: L wie Leugner*innen.


Skepsis oder Leugnung?

Klimaskeptiker*innen verharmlosen die Ausmaße des Klimawandels und den Fakt, dass dieser menschengemacht ist. Leugner*innen hingegen erkennen den Klimawandel grundsätzlich nicht an - beide Positionen sind allerdings wissenschaftsfeindlich und der Übergang zwischen Skeptiker*innen und Leugner*innen ist meist fließend. Das Thema Klimawandel wird von verschiedenen Akteur*innen gerne genutzt, um gesellschaftliche Spaltungen aktiv voranzutreiben, obwohl die Fronten sowieso schon verhärtet sind. Und auch wenn die Klimaskeptiker*innen und Leugner*innen in Deutschland nur einen kleinen Teil ausmachen, kommt es gesamtgesellschaftlich, aber auch in der Familie und im Freundeskreis immer wieder zu Konflikten und Brüchen aufgrund dieser Positionen.

Um diese ideologischen Lagerbildungen aufzubrechen, ist es wichtig, sich untereinander offen und unvoreingenommen auszutauschen und Klimalügen und Irrglauben anhand von fundierten Fakten immer wieder zu widerlegen. Das ist allerdings gar nicht so einfach und viele wissen nicht wie sie mit Menschen umgehen sollen, die an der Existenz des Klimawandels zweifeln. Als Folge enden Gespräche dann im Streit oder werden einfach komplett vermieden. 

Deswegen haben wir Kommunikationstipps und faktenbasierte Antworten auf die häufigsten Falschaussagen von Klimaleugner*innen und -skeptiker*innen zusammengefasst. 


Vorab ist aber eins wichtig: Radikale Anhänger*innen von Verschwörungsmythen können nicht mit Gegenargumenten erreicht werden. Damit ein solcher Austausch Sinn macht, müssen beide Seiten bereit für ein Gespräch auf Augenhöhe und offen für rationale Argumente sein. Wenn das der Fall ist, kannst du dich an diesem Gesprächsaufbau orientieren, den Wissenschaftler*innen der Universitäten von Queensland und Westaustralien entwickelt haben. Diese und ähnliche Tipps empfehlen viele verschiedene Expert*innen grundsätzlich bei politischen Kontroversen mit tief verankerte Grundüberzeugungen. Wir haben dir die Tipps mal zusammengefasst:

Im Gespräch sind vor allem drei Dinge wichtig

Kompakte und verständliche Fakten

Komplexität, Fachausdrücke und viele verschiedene Informationen können einschüchternd wirken und schnell überfordern. Kurze Informationen verarbeiten und merken wir uns leichter. Deswegen ist es sinnvoll, sich auf die wichtigsten Fakten zu beschränken und diese kurz und prägnant wiederzugeben, statt sich in unübersichtlichen Zahlen und Quellen zu verlieren.

Möglichst wenig Wiederholungen von Falschinformationen 

Um Irrglauben zu widerlegen, ist es oft nötig, die Falschinformationen erst noch einmal zu wiederholen. Dabei ist es allerdings wichtig, darauf zu achten, diese Falschinformationen nicht öfter als nötig zu reproduzieren. Denn egal mit welcher Intention - es ist bewiesen, dass häufige Wiederholungen Informationen eher als wahr erscheinen lassen. In diesem Zusammenhang spielt auch der sogenannte Boomerang-Effekt eine wichtige Rolle. Außerdem sollte immer darauf hingewiesen werden, dass nachweislich falsche Informationen wiederholt werden. 

Aufzeigen von Trugschlüssen

Um Falschinformationen zu widerlegen, ist es außerdem extrem hilfreich, aufzuzeigen, auf welchem Trugschluss ein vermeintlicher Fakt beruht. So geraten falsche Erzählungen ins Wanken. Die Lücken, die dadurch entstanden sind, sollten anschließend unbedingt mit korrekten Informationen gefüllt werden.


Vier häufige Irrglauben korrekt widerlegt: 

Um Klimaleugner*innen und -skeptiker*innen im Gespräch zu begegnen ist es wichtig, ein gewisses Maß an Grundwissen mitzubringen. Deswegen haben wir uns die vier häufigsten Irrglauben mal genau angesehen und kurz, verständlich und faktenbasiert widerlegt. 

1. Irrglaube: "Das Klima hat sich schon immer verändert, das liegt nicht an den Menschen"

Trugschluss: Weil sich das Klima in der Vergangenheit auch ohne menschlichen Einfluss verändert hat, ist es jetzt auch so. Das ist ein Trugschluss, denn tatsächlich ist die Sachlage dieses mal grundlegend anders. 

Fakt: Der Klimawandel ist menschengemacht, das bestätigt der Weltklimarat seit Jahrzehnten immer wieder. Nur der Anstieg der Treibhausgase (verursacht durch den Menschen) kann das Ausmaß der beobachteten Erwärmung erklären. Der Einfluss des Menschen erklärt außerdem, warum die globale Erwärmung so schnell voranschreitet, wie seit 2000 Jahren nicht. Selbst am Ende der Eiszeit hat es mehr als Tausend Jahre gedauert, bis sich unsere Erde um ein Grad erwärmt hat. Seit Beginn des vorindustriellen Zeitalters 1850 hat sich unsere Erde allerdings bereits um mehr als ein Grad erwärmt - das ist eine Zeitspanne von nicht einmal 200 Jahren.

Übrigens: Offizielle Wetteraufzeichnungen gibt es in Deutschland zwar erst seit 1881, Wetter kann aber auch durch eine Rekonstruktion der Atmosphäre, durch die Analyse von Baumringen oder Fluss-Sedimenten, oder aber über konservierte Luftpartikel, die zum Beispiel im Eis der Arktis eingeschlossen sind, nachträglich bestimmt werden. 

2. Irrglaube: "Extremwetterereignisse haben nichts mit dem Klimawandel zu tun"

Trugschluss: Es gab schon immer Hochwasser und Hitzewellen, deswegen beweisen solche Ereignisse auch keinen angeblichen Klimawandel. Das ist ein Trugschluss, denn die Extremwetterereignisse gab es zwar schon immer, durch den Klimawandel haben sie sich aber verändert. 

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Fakt: Wie genau Extremwetterereignisse und Klimawandel zusammenhängen kannst du auch hier nochmal ausführlich nachlesen, kurz gesagt kann aber festgehalten werden: Der Klimawandel ist nachweislich dafür verantwortlich, dass diese Ereignisse häufiger und heftiger auftreten.
 

3. Irrglaube: "Menschengemachte CO2-Emissionen sind zu gering, um Einfluss zu haben"

Trugschluss: Die Menge der von Menschen verursachten Treibhausgase ist gemessen am gesamten CO2-Vorkommen der Erde so klein, dass sie gar keinen Einfluss auf das Klima haben kann. Das ist ein Trugschluss, denn auch wenn wir nur für 0,04 Prozent des gesamten CO2-Vorrats verantwortlich sind, bringen wir ein natürliches Gleichgewicht durcheinander.

Fakt: Der CO2-Vorrat der Erde ist Teil eines Kreislaufs: Das CO2, das zum Beispiel durch Vegetationen freigesetzt wird, wird von Pflanzen auch wieder aufgenommen und verarbeitet. Durch den Menschen (vor allem durch fossile Verbrennung) steigt die Menge an CO2 und gleichzeitig nehmen die Grünflächen ab - dadurch gerät ein natürliches Gleichgewicht außer Kontrolle, was dazu führt, dass sich unser Planet erwärmt. Ausführliche Informationen dazu, welchen Einfluss CO2 auf den Treibhausgas-Effekt hat, findest du hier.

4. Irrglaube: "Nicht mal Klimaforscher*innen sind sich einig"

Trugschluss: Jede*r sagt was anderes, dann liegt die Wahrheit vielleicht irgendwo dazwischen. Das ist ein Trugschluss - nur weil sich Pseudowissenschaftler*innen lautstark äußern und Fake News (vor allem auf Social Media) verbreitet werden, werden Falschinformationen nicht richtiger. 

Fakt: Der Klimawandel ist bewiesen - das bestätigen 97 Prozent aller Wissenschaftler*innen. Seit Ende der 80er wurde der Weltklimarat (IPCC) sechsmal von den Regierungen der Welt beauftragt, um den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammenzufassen. Jedes Mal kamen die besten Klimawissenschaftler*innen der Welt aufs Neue zu dem Ergebnis, dass es den Klimawandel gibt und dass er menschengemacht ist. Der erste Teil des sechsten Berichts ist diesen Sommer erschienen, die Ergebnisse findest du zum Beispiel hier. 


Der Klimawandel ist keine Glaubens- oder Meinungsfrage

Klimawandelleugnung ist gleichzeitig immer auch Wissenschaftsleugnung. Trotzdem ist es wichtig, im Austausch zu bleiben und Falschinformationen immer wieder aufzudecken und zu widerlegen. Besonders im Freundes- und Familienkreis kann es sich lohnen, nicht zu resignieren, wenn die Personen noch offen für Gegenargumente sind. Andernfalls könnte Schweigen als Zustimmung aufgenommen und die Distanz zwischen den Positionen ins unendliche wachsen.

Außerdem kann es hilfreich sein sich zu erkundigen, welche Gefühle hinter der Leugnung stecken - vielleicht hat eine Person Angst davor, den Job zu verlieren oder nie wieder Auto fahren zu dürfen und bestreitet deswegen lieber die Existenz des Klimawandels. Dann kann es auch genügen, gemeinsam nach individuellen Lösungen zu suchen und unbegründete Ängste zu nehmen. Ein weiterer Grund könnte außerdem sein, dass diese Person vielen Falschmeldungen im Netz ausgesetzt ist. Tatsächlich kommen fast 70 Prozent aller Klimaleugungsposts auf Facebook und Co. von nur zehn Seiten. Du kannst Leugner*innen deswegen auch darauf aufmerksam machen, den eigenen Feed diverser zu gestalten und Quellen kritisch zu hinterfragen. Die Studie und die zehn angesprochenen Seiten findest du hier.

Der Klimawandel ist ein komplexes Thema. Deswegen erklären wir in unserem Nachhaltigkeits-ABC jede Woche Basics, die bei Argumentationen für das nötige Grundlagenwissen sorgen. Alle bisherigen Artikel findest du hier.

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