Homologie

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Ein Kabarett-Programm gegen Homophobie an Schulen

Timo Becker konnte sich selbst nicht outen, bis er 19 war. Heute geht der 35-Jährige als "Malte Anders" an Schulen und unterrichtet mit seinem Programm das Fach Homologie. Wir haben mit ihm über seine Erfahrungen an den Schulen gesprochen.

Wie ist das eigentlich schwul zu sein? Wie hast du es deinen Eltern gesagt? Glaubst du an Gott? Willst du mal Kinder?

Diese Fragen bekommt Timo Becker regelmäßig von Schüler*innen gestellt, wenn er sich als Malte Anders für eineinhalb Stunden vor eine Schulklasse stellt und über das Thema Homosexualität spricht. Karohemd, umgedrehtes Cap - der Theaterpädagoge und Kabarettist spricht offen über Sex und Homosexualität und wirkt dabei so locker und entspannt, als ob es das Normalste der Welt wäre. Und das ist der Punkt: Es ist das Normalste der Welt, auch wenn es anders ist. Das möchte Timo Becker den Schülern als "Malte Anders" vermitteln.

malteandersFotocredit: Thomas Berberich
Sexualität und vor allem Homosexualität sind Themen, die in der Schule oft nur zwischen hochroten Köpfen seitens der Schüler*innen und staubtrockener Theorie seitens der Lehrer*innen in einer einzelnen Biologiestunde ihren Platz finden. Wenn überhaupt. Gefühlt sind alle Beteiligten erleichtert, wenn diese Aufklärungsstunde endlich vorbei ist.

Das Thema findet aber statt. In den Köpfen der Schüler*innen, wenn es einen selbst oder jemanden im Freundeskreis betrifft, aber auch im Sprachgebrauch.
"Man kann nicht alle Schüler*innen, die das Wort Schwuchtel benutzen, als homophob bezeichnen. Aber ich möchte erreichen, dass sie darüber nachdenken und sich bewusst sind, dass es jemanden verletzen könnte."

In seinem selbstbetitelten Fach Homologie bekommen die Schüler*innen daher Fakten rund um Homosexualität mitgegeben, unterhaltsam aufbereitet: In Biologie wird darüber gesprochen, wie man homosexuell wird, in Mathe wird berechnet, wie viele Homosexuelle es in Deutschland gibt, wenn zehn Prozent der Weltbevölkerung homosexuell sind, in Englisch wird der Begriff "Outing" analysiert und in Geografie wird erklärt, wie mit diesem Thema in anderen Ländern umgegangen wird.

Damit geht es nicht nur um Homosexualität an sich, sondern um alles, was damit in Verbindung steht. Anders sein, Ausgrenzung, Vorurteile, Diskriminierung. Das ist auch dringend notwendig, auch wenn manche von diesem Thema leider nichts wissen wollen.
"Mein Programm wurde mal von einer bayrischen Schule abgelehnt mit der Aussage des Schuldirektors, dass Homosexualität und Homophobie an dieser Schule kein Thema seien, aber ich wurde seither von vielen weiteren Schulen in dieser Gegend eines Besseren belehrt."

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