Ob Tiefsee, Weltall oder der Nachbar mit dem komischen Hobby – Neugier treibt uns alle an. Aber was steckt wirklich dahinter?
Ohne Neugier hätten wir viele Dinge niemals herausgefunden. Neugier ist einer der stärksten menschlichen Antriebe. Aber was genau steckt eigentlich dahinter?
NeuGier – es steckt schon im Wort
Neugier ist unser Verlangen nach etwas Neuem – vor allem nach neuen Erfahrungen und Erkenntnissen. In der Wissenschaft spricht man von der Theorie der Informationslücke: Wir brauchen eine kleine Information, um eine Wissenslücke zu erkennen – und sobald wir sie erkennen, wollen wir sie schließen. Dabei gilt: Die Lücke darf nicht zu klein sein, sonst ist sie langweilig. Aber auch nicht zu groß, sonst macht sie uns Angst.
Die fünf Dimensionen der Neugier
Der Psychologe Todd Kashdan von der George Mason University hat über 20 Jahre lang erforscht, wie Neugier wirklich funktioniert – mit mehr als 4.000 Probanden. Sein Ergebnis: Neugier ist nicht gleich Neugier.
Er unterscheidet fünf Dimensionen:
- Freudvolle Erkundung: das klassische Bild von Neugier: das Erkennen und Aufsuchen neuen Wissens sowie die daraus entstehende Freude am Lernen und Wachsen.
- Mangel-Sensitivität: emotional geprägt von Anspannung und Angst statt Freude: das Grübeln über abstrakte oder komplexe Ideen, das Lösen von Problemen und der Wunsch, Wissenslücken zu schließen.
- Stresstoleranz: die Bereitschaft, Zweifel, Verwirrung, Angst und andere Belastungen auszuhalten, die beim Erkunden von Neuem, Unerwartetem oder Rätselhaftem entstehen.
- Soziale Neugier: das Interesse daran, was andere Menschen denken und tun, durch Beobachten, Gespräche oder Zuhören.
- Nervenkitzel-Suche: die Bereitschaft, körperliche, soziale und finanzielle Risiken einzugehen, um vielfältige, komplexe und intensive Erfahrungen zu machen
Die vier Typen der Neugier
- Die Faszinierten: wollen alles wissen, überall, immer. Hoch auf allen Dimensionen, besonders bei freudvoller Erkundung
- Die Problemlöser: werden neugierig, wenn es einen konkreten Knoten zu entwirren gibt. Hoch bei Mangel-Sensitivität, mittel bei den anderen
- Die Einfühlsamen: interessieren sich vor allem für Menschen. Hoch bei sozialer Neugier, mittel bei den anderen
- Die Vermeidenden: meiden das Neue, weil es vor allem eines bedeutet: Unsicherheit. Nicht aus Desinteresse, sondern weil sich das einfach nicht gut anfühlt. Niedrig auf allen Dimensionen, besonders bei Stresstoleranz


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