Schräge Maschinen und hilfreiche Innovationen

Schräge Maschinen und hilfreiche Innovationen

Das Grauen aus der Zukunft oder sinnvoller Fortschritt?

Von  Kristina Paulini
Für was es mittlerweile nicht alles schon einen motorisierten Gehilfen gibt...

Bizarre Roboterkreationen

Die Kaffeemaschine, die uns morgens vollautomatisch mit einem frischgebrühten Heißgetränk verwöhnt, die perfekt getimte Waschmaschine, der Sprachassistent, der uns in allen Lebenslagen Rede und Antwort steht... Wenn man so recht überlegt, ist die Zukunft schon lange bei uns angekommen - und trotzdem kommen ständig neue technischen Errungenschaften dazu. Doch brauchen wir diese teils bizarren Roboter wirklich? Wir haben uns fünf Beispiele angeschaut, die sicher sehr einfallsreich sind, aber ihr Nutzen vielleicht doch etwas zweifelhaft... oder, doch nicht?

Der Robo-Hundeblick

Herbst kann so schön sein – vorausgesetzt es regnet mal ausnahmsweise nicht und der Wind peitscht uns nicht um die Ohren. Sollte das der Fall sein, heißt es für viele von uns: Ab nach draußen ins Grüne beziehungsweise in den Park! Auch wenn es in Singapur nicht unbedingt darum geht, die letzten Sonnenstrahlen vor dem Wintereinbruch abzugreifen, sind die Parks des Stadtstaats immer gut besucht. Nach Meinung der Regierung von Singapur zu gut besucht, um weiterhin Überblick über die eingehaltenen Coronamaßnahmen zu haben. Was also machen? Bäume mit Hinweisen tapezieren? Securities beim Eingang wie vor einem Club? Viel zu oldschoool – dürfen wir vorstellen: Spot.


Ein vierbeiniger hundeähnlicher Roboter, entwickelt von dem US-Robotik-Unternehmen Boston Dynamics. Mit der Größe eines ausgewachsenen Langhaar-Collies, streift er durch den Stadt-Park, zählt die Parkbesucher*innen und erinnert gelegentlich über einen Lautsprecher höflich an die Abstandsregeln. Noch wird Spot per Joystick gesteuert, das Herrchen oder Frauchen sitzt hinter einem Bildschirm im Kontrollzentrum, doch in Zukunft soll er vollautomatisch funktionieren. Zugegeben, ein wenig bedrohlich wirkt Spot in seinem Robotik-Kleid schon – aber sollte er jemals einen süßen Hundeblick aufsetzen können, wäre das ganz schön mächtig.

Hide and Seek für Ungeduldige

Wer erinnert sich nicht an die bunten Wimmelbilder "Where´s Waldo?", bei denen es darum ging, Waldo in seinem rot-weiß geringelten Outfit zu finden? Was für ein sinnloser Zeitvertreib! Aber wir müssen zugeben: Der Ehrgeiz wurde doch schneller geweckt als gedacht, den kleinen bebrillten Mann fixer als seine Geschwister zu finden und das viel wichtigere: Unseren Eltern hatten wenigstens ein paar Minuten mal Verschnaufpause von uns Kids. Doch der technologische Fortschritt kennt keine Verschnaufpausen und hat deshalb eine Innovation hervorgebracht, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, sämtliche Waldos dieser Welt aufzuspüren! Alles Humbug? Nein, harte Wirklichkeit. Die Creative-Agency Redpepper kann tatsächlich eine Waldo-suchende Maschine namens – Achtung Wortspiel – "Theres Waldo" ihr eigen nennen. Und das ist eigentlich recht simpel: Mithilfe von Google AutoML Vision, dem Machine-Learning-Modell für die Bilderkennung, wird jedes Gesicht im Buch analysiert und mit Waldos Aussehen verglichen. Wurde Waldo gefunden, zeigt ein Roboarm mit seinem wabbelwackeligen Plastikfinger darauf. In weniger als 4,45 Sekunden soll der Roboter Waldo aufspüren – ziemlich viel Zeitersparnis – trotzdem kommen wir auch nicht von den Gedanken weg, dass bei dieser Erfindung eine Menge unverarbeiteter Kindheitsfrustrationen im Spiel waren.

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  • Bizarre Roboter: Der Robo-Hundeblick
  • Bizarre Roboter: Hide and Seek für Ungeduldige
  • Bizarre Roboter: Dinosaurs vs. Pussycats
  • Bizarre Roboter: Oh Holy Robot
  • Bizarre Roboter: Robot Loveaffair

Dinosaurs vs. Pussycats

Wir alle kennen diese Art von Menschen, die sich irgendwie immer mit anderen messen wollen. Im Kindergarten, wer besser Mandalas ausmalen kann, in der Schule, wer bessere Noten schreibt , im Job, wer mehr verdient. Das kann manchmal nervig, manchmal aber auch eine Motivation sein, denn wer weiß – vielleicht hätten wir von allein nicht genug Ansporn gehabt, die Sache richtig anzupacken. Wie auch immer, bei den folgenden Erfindungen sind wir uns sicher, dass dabei mindestens einer dieser Wettstreit-Fans am Start waren. Wir stellen vor: Cheetah und Raptor. Beides Roboter, die gebaut wurden, um Rekorde zu brechen: Der Rekord des schnellsten Roboters ever.

Zugegeben, beide sind jetzt schon Rekordträger. Der Cheetah, der unkreativerweise den Namen der schnellsten Miezekatze der Welt trägt, hält mit 45km/h den Rekord des schnellsten vierbeinigen Roboters. Der zweibeinige Roboter namens Raptor, schlägt Cheetah um genau ein km/h mehr. Das wollen die Cheetah-Erfinder*innen natürlich nicht auf sich sitzen lassen und forschen weiter. Ob der Kampf zwischen Mieze und Dino je endet – wer weiß das schon. Aber die Idee könnte auch als Kinoreihe ein echter Kassenschlager sein: Dinosaurs vs. Pussycats.

Oh Holy Robot!

Viele nützliche Erfindungen sind in unserem Alltag schon gar nicht mehr wegzudenken. Bei anderen Innovationen braucht es sicherlich noch ein wenig Eingewöhnungszeit. Auch wenn sie sogar ziemlich putzig aussehen. So wie "Pepper" von Softbank Robotics. Ein 140 Zentimeter großer Roboter, der zwanzig Sprachen sprechen und eine Vielzahl an menschlichen Emotionen erkennen kann.


Zunächst wurde Pepper als Servicekraft bei Pizzahut in Asien und in mehreren belgischen Krankenhäusern als Krankenhaus-Guide eingesetzt. Das Feedback war durchweg positiv, auch beim Personal, das dadurch entlastet wurde. Doch Pepper übt noch einen ganz anderen Beruf aus: Und zwar Priester. Ja wirklich. In Japan wird Pepper immer häufiger bei Beerdigungen verwendet. Der Grund: So ein Ritual mit Real-Life-Priester*in kann ganz schön viel Kohle kosten. Mit Pepper ist es nur ein Bruchteil. Verrückte Welt. Mal sehen, wo der Pepper noch zum Einsatz kommt – vielleicht ist es irgendwann total normal, von Robotern beerdigt zu werden. Und vielleicht arbeitet Pepper auch bald in der egoFM Redaktion. Oder vielleicht hat er sogar schon diesen Artikel verfasst…

Robot Loveaffair

Wenn man von Robotern, schrägen Erfindungen und nützlichen Maschinen redet, kommt man um dieses Thema nicht herum. Sex und Roboter. Ok, zugegeben, wir haben es nicht mal wirklich versucht, das Thema zu umgehen. Denn früher oder später werden Roboter in der Sexindustrie nicht mehr wegzudenken sein. Aber wer dabei noch an starre Blicke, unförmige Körper und einen sehr, sagen wir monotonen Akt, denkt, der irrt. Abgesehen davon, dass das Aussehen immer menschenähnlicher wird, macht das, was unter der Perücke sitzt, den Unterschied: Ein Computer mit künstlicher Intelligenz. Ein Roboter, der komplexe Gespräche führen, auf den oder die Partner*in eingehen und sexuelle Vorlieben abspeichern kann. Und der Markt ist riesig: In Barcelona oder Turin gibt es sogar schon Bordelle, die ausschließlich Sex mit Robotern anbieten. Technischer Fortschritt, der polarisierender nicht sein könnte. Verlernen wir dadurch Empathie oder hat es sogar einen therapeutischen Nutzen? Fragen, zu denen wir erst in ein paar Jahren Antworten haben werden. Ziemlich "unbefriedigend".

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