Fake: Eine Runde Urlaub mit Photoshop

Fake: Eine Runde Urlaub mit Photoshop

...und was man alles damit anstellen kann

Warum viel Geld für einen Urlaub und Festivals ausgeben, wenn man eh nur nach dem perfekten Foto und den Likes auf Instagram und Co. sucht? Eigentlich könnte man das ganze ja auch faken - oder?

Genau das dachten sich auch einige mehr oder weniger selbst ernannte Influencer - und zauberten sich dank Photoshop und Social Media einen schönen Sommerurlaub. Den Fans gefiel das - bis der ganze Spaß dann leider aufflog...

Der Fake Urlaub

Stell dir mal vor, deine Freundin kündigt eine große Asientour an. Sie lässt sich viel Zeit für die Planung und als es dann endlich losgeht, füttert sie dich und deine Freunde regelmäßig über die sozialen Medien mit Fotos, Videos und allerlei Geschichten.

Nach fünf Wochen Urlaub ruft sie dich an und eröffnet dir, dass sie gar nicht im Urlaub, sondern die ganze Zeit in ihrer Wohnung war.

Da kann man sich schon ziemlich verarscht vorkommen. Die Holländerin Zilla van den Born wollte mit diesem Projekt beweisen, dass Meldungen in sozialen Medien keinen Rückschluss auf die Wirklichkeit erlauben und man eben nicht alles glauben soll, was man vor den Latz geworfen bekommt.
"Wir alle wissen, dass Models und Stars auf Fotos retuschiert werden. Aber wir übersehen oft auch, dass wir fast täglich die Realität unseres eigenen Lebens manipulieren."

Sie photoshoppte sich an traumhafte Strände, in Tuk-Tuks und fakte sogar einen Schnorcheltrip.
Um die Illusion perfekt zu machen, dekorierte sie für Skype-Gespräche ihre Wohnung immer wieder neu, ging nur aus dem Haus, um ihre Bräune im Solarium aufzufrischen und meldete sich ausschließlich in der Nacht, damit die nicht vorhandene Zeitverschiebung nicht auffällt.

Ihr Freund war eingeweiht, denn irgendjemand musste sie ja mit Essen und sonstigem Überlebenswichtigen versorgen.

Das Beste: Alle ihre Reallife-Postkarten waren mit einem holländischem Poststempel versehen, was niemand bemerkt hat.

 "Ich wollte zeigen, dass wir die Informationen, die wir in sozialen Netzwerken teilen, permanent filtern und manipulieren. So entsteht online eine ideale Welt, mit der die Realität nicht mithalten kann. Es ist leicht, die Realität zu verzerren."
 

Richie Rich Fake

Wir überlegen mal: Was braucht man denn alles, wenn man als richtig, richtig reich gelten will? Ein fettes Haus, klar. Einen Privatjet, eine Yacht, Markenklamotten? Das ist doch schon mal ein Anfang. Der Londoner Bryon Denton, bekannt aus seinem YouTube-Channel tbhbryon, hat auf seinem Instagram-Account eine Woche lang so getan, als wäre er stinkreich - mit allem was dazu gehört.

Er photoshoppte sich in Privatjets, zauberte sich bei einem "wirklich anstrengend Shopping-Tag" Louis Vuitton-Taschen per Computer in die Hände und beamte sich zu tollen Reiseorten.

Die Idee hinter diesem ganzen Aufwand war, zu beweisen, dass reiche Menschen (oder zumindest diejenigen, die so tun) für Leute interessanter sind als Normalos, wie wir.

Dass seine Annahme wohl stimmt, zeigte seine steigende Followerzahl: plus 1.400 Follower in nur drei Tagen.

Im Grunde ist das jetzt nicht unbedingt eine weltbewegende Neuigkeit, dass reiche Menschen für das breite Publikum interessanter sind, ein bisschen veranlasst die Aktion uns aber doch zum Nachdenken. Und das sollte es auch.
"Now that the project is over, it makes you wonder: Are there other high-profile influencers on the web doing the same thing? Have they always been rich or are they faking it until the actually make it?" 

Fakeausflug zum Coachella Festival

Schenkt man dem Internet Glauben, so ist ein Besuch beim Coachella Festival für jeden einfach ein Muss, der etwas von sich hält. Und dabei sind die Bands und das Festivalleben gar nicht unbedingt das Wichtigste. Hier geht’s um Image – sehen und gesehen werden. Diese Ansicht müssen wir zwar nicht teilen, aber viele Influencer und ihre Fans sind dieser Meinung.

Blöd aber, wenn man sich das Ticket oder den Flug zum Coachella nicht leisten kann.

Aber kein Problem für Youtuberin Gabbie Hanna. Die entschied sie sich kurzerhand, ihren auf Instagram dokumentierten Besuch des Festivals einfach zu faken.

Wie sie sich aufgebrezelt, mit tollem Festival-Makeup und bunt gefärbten Haaren, auf das Festivalgelände gephotoshoppt hat, hat sie danach in einem Enthüllungsvideo auf Youtube veröffentlicht. Denn eigentlich war ihre Intention dabei, auf die Einfachheit des Fakens aufmerksam zu machen - und Kritik an Influencern auszuüben, die nur auf das Festival gehen, um das perfekte Foto zu knipsen. 

Ganz nett die Idee, aber bei einem selbst ernannten Spiegelvorhalter ein wenig unglaubwürdig - denn die Dame hat durch diese Fakes ganz schön viele Likes und Follower eingeheimst.


Fake Worldtour?

Auch unsere egoKünstler*innen lassen sich hin und wieder von der Kunst des Fakens verführen und klicken auf das kleine blau-schwarze Icon mit dem Namen Adobe Photoshop. Natürlich nur zum Spaß!

Die Hip-Hopper Roger und Sixkay haben sich mal einen Scherz erlaubt und eine ganze Weltreise vorgeschummelt.


Das alles fing an, als sie sich auf einen Flughafen gephotoshoppt haben und eine angebliche Reise nach Jamaika starteten – alles vom Büro aus. Irgendwie wurde das ganze zum Selbstläufer und es war ein regelrechter Stress immer neue Fotos zu faken, erzählten die beiden bei uns im Interview. Das Ende vom Lied ist, dass heute keiner der Freunde und Familienmitglieder von Roger und Sixkay ihren Urlaubsbildern noch Glauben schenkt – auch nicht den echten.  

Tja, wer einmal…
 

Filmfake-Idee

Zum Schluss gibt's auch noch einen Filmtipp: Special Correspondents, ein Film von Ricky Gervais (Netflix), behandelt genau das Thema Fakereise.

Statt eine Revolution in Ecuador live mitzuverfolgen, faked ein Radioteam das Ganze - inklusive Soundbite-Künsten und einem mexikanischen Pärchen, in einem New Yorker Apartment.

Aber keine Sorge - das egoFM-Team ist noch nie der Fake-Versuchung erlegen. Schließlich macht es viel mehr Spaß, in Wirklichkeit z.B. live vom See zu senden, als so was nur zu faken...

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