Kindermusik, die nicht kaka klingt

Kindermusik, die nicht kaka klingt

Und eventuell sogar dir gefällt

Wir fühlen mit allen musikliebhabenden Eltern, die sich unweigerlich in die Abgründe der Musik begeben müssen: Kinderlieder. Und haben ein paar Empfehlungen zusammengesucht, die ziemlich erträglich sind.

Kindermusik - eine Erfindung direkt aus der Hölle. Repetitiv und leider catchy wie sie ist, dockt sie sich an jede Synapse deines Hirns und macht es unmöglich, die nächsten Minuten, Stunden, Wochen nochmal einen klaren Gedanken fassen zu können. Erstrecht wenn das Kind den Lautstärkeregler endlich entdeckt hat und es sich anfühlt als würden Rolf Zuckowski und Co. direkt neben dir stehen und ihre Back- und Butzemanngeschichten ins Ohr brüllen. Ja, Kinder können grausam sein, wobei wir uns immer auch fragen müssen, woher sie das haben. Lieder, die sexistische (zum Beispiel "Schlaf, Kindlein, schlaf" oder das meiste über böse Hexen) oder gar rassistische ("Seesaw Margery Daw") Rollenbilder in den Köpfen unserer Kleinsten manifestieren machen die Sache sicherlich nicht besser. Und wenn wir jetzt schon am Ranten sind darf ein Lied nicht unerwähnt bleiben: "Guten Abend, gut' Nacht". Darin finden sich die Zeilen: "Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt" - wtf! Und wenn er nicht will? Wie soll man da denn jemals wieder schlafen!

Naja, du merkst spätestens jetzt: Viele Kinderlieder klingen nicht nur absolut furchtbar - sie sind auch furchtbar.

Doch du als erwachsener Mensch musst dir immer noch im Klaren sein: Du hast die Kreditkarte. Du hast die Macht. Du kannst also auch entscheiden, was auf den Plattenteller, beziehungsweise die Box mit den süßen Öhrchen kommt, die die Kids von heute schon so prima mit einem Jahr bedienen können. 

Unter meinem Bett

Die Compilation sollte die allererste Anlaufstelle sein für alle Eltern, die privat einen guten Musikgeschmack pflegen. Denn dort tummelt sich eine hohe Dichte an egoFM Künstler*innen: Mine, Die Höchste Eisenbahn, Clueso, Karl die Große, Klee, Maeckes, Fatoni und und und und und haben Lieder extra für Unter meinem Bett geschrieben. Mittlerweile gibt es schon die sechste Edition, in anderen Worten: Du kannst fast sechs Stunden Kindermusik hören, ohne deinen Verstand zu riskieren.

Deine Freunde

DJ Pauli und die MCs Flo und Lukas, die alle selbst auch Eltern sind, schlagen laut eigener Aussage die Brücke zwischen Kindermusik und Gangsta-Rap. Wie gangsta das wirklich ist, muss jeder eingefleischte HipHop-Head am Ende selbst wissen. Doch wie dem auch sei: thematisch sind dem Ganzen keine Grenzen gesetzt. In den Tracks geht es als um heimliche Schokolade, Hausaufgaben und dämliche Aprilscherze. Auch wirklich relevante Themen wie fiese Alltagsschmerzen im Song "Aua" und plätschernde Folter in "Der Wasserhahn tropft" kommen nicht zu kurz. Das fünfte Album Helikopter ist im November 2019 erschienen. Knapp ein Jahr später - jetzt im November - kam Das Weihnachtsalbum raus.

Bummelkasten

Besonders einfallsreich, lustig, anders und irgendwie weird aber ganz sicher ziemlich gut ist die Musik vom Bummelkasten. Dahinter steckt der Schauspieler Bernhard Lütke, der auf Instrumente verzichtet und nur auf seinen Mund und einen Computer zurückgreift. Während andere Kinderlieder sich auf eher einfache Lyrics beschränken und kaum Geschichten wiedergeben, passiert in den Songs von Bummelkasten so viel, dass die Songs wie kleine Theaterstücke wirken.
Das Debütalbum Irgendwas Bestimmtes wurde 2017 veröffentlicht.

Gorilla Club

Wenn dir die Stimmen vom Gorilla Club bekannt vorkommen, bist du eventuell Fan von den Locas in Love, genau die stecken nämlich hinter diesem Kindermusikprojekt. Wobei viel richtiger zu sagen wäre: Locas and Friends in Love, denn die Gründungsmitglieder*innen Stefanie, Björn und Maurizio werden im Gorilla Club noch von Niklas und Saskia bereichert. 
Auf ihrem Debütalbum 1-2-3-4! präsentiert die Truppe Kindermusik im Pop-, Rock- oder Elektro-Gewand, gefüllt mit klugen Texten und dem ein oder anderen berühmten Feature, wie etwa den Düsseldorf Düsterboys, Martha Wilking oder Gisbert zu Knyphausen.

Playlist: Alternative Kindermusik für kleine egoletten




Englische Songs für Kids

Für die Englisch sprechenden Kids da draußen gibt es natürlich noch einiges mehr zu entdecken. So ist zum Beispiel auch Walter Martin von The Walkmen ins Kindermusikbusiness eingestiegen und hat mit We're All Young Together eine angenehme Sammlung an Songs erstellt, die definitiv auch im egoFM Programm laufen könnten ohne groß aufzufallen. Zu hören sind zum Beispiel Karen O, Hamilton Leithauser oder Matt Berningers geheimer Hit "We Like the Zoo (Cause We Are Animals Too)". Erst letzten März veröffentlichte Walter Martin außerdem das ganze Kinderalbum Green Beans & Tangerines

Apropos Karen O. Die hat sich für den Soundtrack zu Spike Jonzes Verfilmung von Where the Wild Things Are gekümmert und dabei reichlich Unterstützung von The Kids bekommen - diese sind aber nicht nur ein paar Kinder im Chor, auch namhafte Bands wie Queens of the Stone Age, The Raconteurs oder Deerhunter haben sich untergemogelt.

Empfehlen können wir auch das Duo Diver City. Dahinter stecken Kristy Lee Peters (KLP) und Matt Okine vom australischen Radiosender Triple J, die zufälligerweise zur gleichen Zeit ein Kind bekommen haben und dann auch noch Zeit hatten, eine Kinderband zu gründen. Das Debütalbum Welcome To Diver City erschien gerade erst im August 2020. Treibende Rhythmen, fette Synthesizer und Texte wie "We've got different faces, different races, different skin but the same within" versprechen, Kids in eine gute musikalische und moralische Richtung zu führen. 


Dann wäre da noch die Compilation Music For Little Hipsters. Das Manko daran nur ist: dahinter steckt eine Marketingaktion einer Kaffeehauskette die gerne mal das durchschnittliche Monatstaschengeld einer Sechsjährigen für eine faustgroße Tasse verlangt. Doch das Ergebnis ist sehr okay: Music for Little Hipsters featurt zum Beispiel Devendra Banharts "Hey Mama Wolf" und "Vegetables" von den Beach Boys. Weil der Musikblog Consequence of Sound ein ähnlich großer Fan davon ist, dass besagte Kaffeehauskette nun auch Geld mit Kindermusik machen will, hat Senior Editor Matt Melis ebenfalls ein paar Songs zusammengetragen, die sich problemlos auch kleinen Racker*innen vorspielen lassen: 15 songs for Hipsterkids and their parents. Mit dabei unter anderem: Paolo Nutinis "New Shoes" oder "We're Going to Be Friends" von The White Stripes.

Du siehst also: Du musst deinen Kindern gar keine Musik vorsetzen, die nach Kaka klingt.




Was Kindermusik ausmacht

Jetzt aber mal kurz unter uns: Warum haben die meisten Kinder eigentlich so einen beschissenen Musikgeschmack?

Es gibt eine Art Rezept für Kinderlieder, das eigentlich schon alles erklärt. Kinder lieben einfache Lyrics, starke Rhythmen, repetitive Muster und einfache Choreografien. Sobald dir "The Wheels on the Bus" oder "Head Shoulder Knees and Toes" schon so richtig auf den Geist geht, fangen Kinder erst richtig an die Songs zu leben. Und mit leben meinen wir: Sobald sie mitsingen können und die Choreo draufhaben, machen sie erstmal nichts anderes mehr.

Genau aus diesen Gründen ist es absolut wichtig, dass Kinder mit Musik gefördert werden.

Denn Musikkonsum und die aktive Teilhabe (singen, tanzen, Spaß daran haben) kitzelt im Hirn die Stellen, die nicht nur fürs generelle Verarbeiten von Musik verantwortlich ist, sondern auch für Sprachentwicklung und -wahrnehmung und fördert dadurch sogar die Lesefähigkeit. Gut, mal abgesehen davon dass Musik eh das beste auf der Welt ist.

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